Von Illinois zurück nach Bayern

5. April 2018 - 10:21 | Dieter Ferdinand

»Eine Erinnerung ist eine Erinnerung ist eine Erinnerung?«: die Tora-Krone im Porträt

Das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben zeigt noch bis zum 17. Juni die Ausstellung »Eine Erinnerung ist eine Erinnerung ist eine Erinnerung?« in der ehemaligen Synagoge Kriegshaber. In der NS-Zeit in alle Welt verstreut, kehren kostbares Tora-Silber, wertvolle synagogale Textilien, seltene Manuskripte und andere Judaica einige Wochen lang in ihre Heimat zurück und erinnern dort an die religiöse, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung dieser einstigen Vorstadtgemeinde. a3kultur präsentiert in den kommenden Ausgaben jeweils ein Exponat der Schau.

Die Tora-Rolle ist der heiligste Gegenstand des jüdischen Kultus. Sie enthält die fünf Bücher Moses, die bereits im Tempel zu Jerusalem im Mittelpunkt standen. Die Bekrönung der Tora-Rollen gilt der Verehrung und Verschönerung der Tora selbst. Schon im Mittelalter wurden auch in Augsburg Silberschmieden mit der Herstellung von Tora-Kronen beauftragt. Die ausgestellte, in der NS-Zeit beschädigte Krone (Abbildung) wurde im frühen 20. Jahrhundert in Süddeutschland aus versilbertem Messing hergestellt und ihre Wunde bewusst belassen. Sie befand sich in Mainstockheim (Unterfranken) im Besitz einer Familie Rothstein. Jitle Rothstein, geb. Mendel, war in Kriegshaber geboren. Ihre Vorfahren stammen also aus der jüdischen Gemeinde vor der Stadt Augsburg. Etliche Mitglieder der Familie Rothstein waren im Weinhandel tätig, einige zogen nach Würzburg, viele wurden in der Schoa ermordet. Die Tora-Krone kam nach der Befreiung als verwaistes Objekt in die USA und ist eine Leihgabe des Illinois Holocaust Museum & Education Center in Skokie.

Während der Dauer der Ausstellung ist die ehemalige Synagoge Kriegshaber, Ulmer Straße 228, von Donnerstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Das Jüdische Kulturmuseum bietet ein umfangreiches Begleitprogramm mit Geschichts- und Kreativ-Workshops für Schulklassen sowie Führungen und Vorträgen an. Das komplette Angebot im Überblick finden Sie unter: www.jkmas.de

Foto: Illinois Holocaust Museum & Education Center

Thema:

Weitere Positionen

29. Oktober 2020 - 14:52 | Martin Schmidt

Sebastian Karner, neuer 1. Vorsitzender der Club & Kulturkommission Augsburg, spricht im Interview mit a3kultur über die Zukunft der Clubszene in Corona-Zeiten.

29. Oktober 2020 - 13:08 | Dieter Ferdinand

Am 21. Oktober hielt Dr. Michael Mayer im Festsaal der Synagoge den Vortrag »Judenfeindschaft im Schatten des Holocaust. Die antisemitische Politik des französischen Vichy-Regimes«.

27. Oktober 2020 - 11:07 | Jürgen Kannler

Das Streichkonzert beim ersten Etat unter Corona-Bedingungen hat begonnen. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

23. Oktober 2020 - 15:37 | Patrick Bellgardt

Die ersten Wochen der neuen Saison sind gespielt, nun steigen die Corona-Fallzahlen wieder. Theatermacher*innen wie André Bücker und Sebastian Seidel müssen unter wechselnden Pandemiebedingungen arbeiten.

22. Oktober 2020 - 9:15 | Bettina Kohlen

Der vielseitig tätige Künstler Felix Weinold ist aktuell mit mehreren Ausstellungen in der Region präsent, darunter ist auch eine umfangreiche Einzelschau im Augsburger Holbeinhaus.

20. Oktober 2020 - 10:39 | Dieter Ferdinand

Im Kulturhaus abraxas las der Schauspieler Matthias Klösel den Bericht des Auschwitz-Überlebenden Ludwig Frank.

19. Oktober 2020 - 10:56 | Patrick Bellgardt

»Kunst und Kultur im Quartier – Wie geht das zusammen und was soll das?« Diese Frage stellte sich eine Diskussionsrunde, zu der die a3kultur-Redaktion Anfang Oktober auf das Gaswerkgelände geladen hatte.

16. Oktober 2020 - 11:02 | Max Kretschmann

Am 9. Oktober feierte das Sensemble Theater in Kooperation mit dem Neuen Theater Burgau die Premiere von Friedrich Dürrenmatts »Der Mitmacher«. Regie führte Phillip J. Neumann, assistiert von Lisa Bühler. In den Hauptrollen waren Heiko Dietz, Dörthe Trauzeddel und Birgit Linner zu sehen.

15. Oktober 2020 - 13:49 | Renate Baumiller-Guggenberger

In den zwei Freistil-Konzerten am Montag- und Dienstagabend im Kleinen Goldenen Saal katapultierten Sarah Christian und Maximilian Hornung ausgewählte Streich- und Klaviertrios von Beethoven und Mozart sowie Gabriel Faurés erstes Klavierquartett (c-Moll) in schwindelerregende Höhen

14. Oktober 2020 - 16:28 | Bettina Kohlen

Eine Ausstellung im Grafischen Kabinett mit Arbeiten des Bildhauers Fritz Koelle macht dessen politisch durchaus ambivalente Haltung deutlich.