Theater & Bühne

Jesus … superstark!

Renate Baumille...
11. Juni 2019

Vielleicht wurde der Österreicher Markus Neugebauer (Foto: Jan-Pieter Fuhr) wirklich dafür geboren, einmal oder öfter die anspruchsvolle Titelrolle im Erfolgsmusical »Jesus Christ Superstar« zu verkörpern. Genauso wie ihn stellt man sich einen charismatischen Gottessohn auf Erden vor, der die Menschen für eine von Toleranz, Mitgefühl und Ehrlichkeit geprägte und zu Leid wie Liebe fähige Geisteshaltung gewinnen kann. In seinem Song »Gethsemane« wurde deutlich, wie Neugebauer seine Stimme als Fortführung der Emotionen einsetzt. Mit einer derartig starken Bühnenpräsenz und dieser flexiblen wie expressiven Stimme dürfte Neugebauer fraglos der  Erfolgsgarant für die Augsburger Neuproduktion von Webbers Rockoper »Jesus Christ Superstar« sein.

Für Cusch Jung, den langjährig erfahrenen Musicaldarsteller und Regisseur, liegt der Reiz der durchkomponierten Rockoper gerade darin, »dass sie eigentlich ausgereizt ist!« Man könne das Stück eigentlich überall und in jeder Zeit spielen lassen. Er habe sich für eine relativ klassische Version entschieden, die aktuell bleibt, ohne mit Gewalt zu modernisieren, sich insbesondere dem Erzählen der dramatischen Geschichte mit all ihren Vermutungen widmet und die beiden zentralen Begriffe »Liebe und Zweifel« umkreist. Gespielt wird also in einem »heißen« Land und das Bühnenbild von Karel Spanhak nimmt auch die Atmosphäre der Klagemauer auf, stellt ein von Säulen umringtes Amphitheater samt richtungsweisendem Kreuz auf die Freilichtbühne und stattet das Bühnenpersonal nach den Kostümentwürfen von Aleksandra Kica so aus, wie die Menschen dort »auch heute noch aussehen könnten«.

Folgerichtig hat man sich für die deutsche Textfassung entschieden, die hoffentlich dem Sog und Potenzial der Musik, in der die beiden Welten des sinfonischen Orchesters und einer Rockband (in Augsburg spielt Abyss) unter der Leitung von Kapellmeister Ivan Demidov musikalisch nahtlos verzahnt sind, keinen Abbruch tun. Hürde und Bürde ist das Erlernen des deutschen Textes in jedem Fall für den humorvollen Judas-Darsteller David-Michael Johnson, der ebenso wie Sidonie Smith als aparte Maria Magdalena sangliche Kostproben zur informativen Pressekonferenz im martini-Park-Foyer beisteuerte, die von Operndirektor Daniel Herzog in locker-lässiger Manier moderiert wurde. Auch Ballettdirektor Ricardo Fernando machte aus seiner persönlichen Vorfreude auf die diesjährige Open-Air-Produktion keinen Hehl, deutete jedoch die klimatisch heiklen Probenkonditionen an, die insbesondere für seine Company und die tanzenden Sängerdarsteller durchaus extrem herausfordernd bleiben.

Von den 33 solistisch Mitwirkenden arbeiten rund ein Drittel im Festengagement am Staatstheater Augsburg. Viele weitere Details zur aufwändigen Augsburger Neuinterpretation der Rockoper, die sich seit 1971 weltweit auf den Spielplänen behauptet, gibt es auch in der aktuellen Theaterzeitung und auf der Staatstheater-Website. Der Ticketverkauf ist gut angelaufen und so bleibt nur noch das Daumendrücken für beständige und trockene Sommerabende ab dem 29. Juni!

https://staatstheater-augsburg.de/jesus_christ_superstar

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