Johann »Angst vor Erdogan« Fatzer

1. März 2018 - 1:19 | Julian Stech

Die ausverkaufte Theter-Premiere von »Fatzernation« im Rahmen des Brechtfestivals zeigt »Arschlöchern« ein schwarzes Loch in der Psyche des kriegerischen Menschen.

Nun ja, Theter ist ein Meilenstein in der Augsburger Theaterlandschaft der Nachkriegszeit. Oder befinden wir uns in der Vorkriegszeit? Oder herrscht um uns herum bereits Krieg? Man mag zu glauben beginnen, die »Fatzernation« sei ein Science-Fiction-Produkt, das vergangene Schandtaten der Menschheit in einem historisch aufgearbeiteten Theaterstück zur Schau stellt. Doch ist die Vergangenheit direkt unter uns und die »Fatzers« dieser Erde sind so vielfältig wie dieses Stück an Ausdrucksstärke besitzt.

»Gibt es einen einer Gemeinschaft zuträglichen Egoismus?« Im Falle von Brecht besteht dessen Egoismus daraus, dass wir heute alle über seine Dramen sprechen und sogar ein Festival nach ihm benennen. Im Falle von Theter besteht der Erfolg darin, dass in den nächsten Tagen ein Plakat den Königsplatz zieren wird, das die Aufschrift trägt: »Brecht ist tot. Lang lebe Theter«. Und ich spaziere nach Hause. Es ist so eisig kalt. Lang lebe Lieselotte Fischer*.

*Sie ist die zeitlose Verkörperung einer Generation, die erstmalig den Krieg als etwas komplett narratives oder mediales erleben durfte. Ihr Geist bestimmt die Zeit, während ihre Augen immer auf das Beste hoffen. Schade, dass Leif Eric Young, Regisseur des Stücks, bei der Premiere nicht da sein konnte, doch er ist selbst gerade schauspielerisch in Dänemark auf Tournee. Er entstammt einer Generation, die mit den Nachwehen des »Kalten Krieges« aufwuchs. Und Leifs Vater Eric Young war 1969 in Woodstock, hat dort den »Krieg der Generationen« erfahren und wusste einiges darüber zu erzählen. Wir werden dich nie vergessen Eric Young.

Die nächsten Termine:
1., 2. und 3. März im City Club. Beginn: 20:30 Uhr.

www.theter.de

Weitere Positionen

12. Dezember 2018 - 12:16 | Jürgen Kannler

Mit Tilo Grabach gewinnt das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg einen hervorragenden Wissenschaftler und erfolgreichen Ausstellungsmacher. Und Augsburg hat das Nachsehen. Ein Porträt

zauberfloete_staatstheater augsburg 2018_foto_jan-pieter fuhr
8. Dezember 2018 - 14:18 | Bettina Kohlen

Drei Damen in Blaumann sitzen in einem engen Technikraum und stricken emsig an einer gewaltigen Schlange. So geht es los mit der Zauberflöte, dem Opern-Dauerbrenner, den das Staatstheater Augsburg jetzt zeigt.

8. Dezember 2018 - 8:04 | Patrick Bellgardt

Lange bevor der Serienhit »Babylon Berlin« ein ungeahntes Interesse an der Weimarer Republik entfachte, sorgte Max Raabe für eine musikalische Renaissance der Zwanziger- und Dreißigerjahre. Ein Interview

6. Dezember 2018 - 10:36 | Dieter Ferdinand

Das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben setzte am 27. November seine Reihe »Die europäische Dimension des Holocaust« mit dem Vortrag über Italien fort.

5. Dezember 2018 - 9:24 | Thomas Ferstl

Projektor, die a3kultur-Filmkolumne im Dezember

4. Dezember 2018 - 10:50 | Susanne Thoma

Wie kann man die Grundlagen demokratischer Meinungsbildung lebendig und begreifbar machen? Ganz klar: Durch die verantwortungsbewusste Teilhabe an politischen Entscheidungen.

3. Dezember 2018 - 15:18 | Iacov Grinberg

Ausstellung »Petit Fours. Kleine Besonderheiten der bildenden Kunst und Kunstschmuck« in der Maxgalerie

3. Dezember 2018 - 15:08 | Michael Friedrichs

Was beim Jubiläum 500 Jahre Luther/Cajetan leicht übersehen wird.

29. November 2018 - 9:48 | Martin Schmidt

Das Buch »Potzblitz« versammelt Lieblingserklärungen an die Popmusik. Der Mitherausgeber und Augsburger Musiker Sebastian Schwaigert klopfte bei Musiker-Prominenz und Freunden nach Berichten, Beichten und Erinnerungen an.

28. November 2018 - 13:44 | Renate Baumiller-Guggenberger

In der Vorweihnachtszeit laden allüberall Konzerte zur Einstimmung auf die Festtage samt Jahreswechsel ein. Ganz klassisch! – eine Kolumne von Renate Baumiller-Guggenberger