Die jüngste monotheistische Religion

Martin Schmidt
12. November 2015

Am 14. November begeht das Bahaitum den Jahrestag der Geburt ihres Religionsstifters Mirzā Ḥusain-ʿAlī Nurī (*1817 in Teheran, Iran, † 1892), genannt Baha’ullah (»Glanz Gottes«). Die Bahá’i sehen sich als Anhänger einer Universalreligion, in deren Mittelpunkt die Einheit der Religionen und der Menschheit steht. Weltweit hat das Bahaitum rund fünf Millionen Anhänger, die meisten in Indien, Afrika sowie Süd- und Nordamerika.

Das Bahaitum ist die jüngste monotheistische Weltreligion, entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Religion geht auf zwei Stiftergestalten zurück, den Baha’ullah und den Bab (Sayyid Ali Muhammad Schirasi, 1819–1950). Letzterer gilt als Wegbereiter, ist aber auch eigenständiger Stifter des Babismus. Das Werk des eigentlichen Religionsstifters Baha’ullah sehen die Bahá’i als Gottesoffenbarung. Die wichtigsten Schriften wurden in über 800 Sprachen übersetzt.

Die Bahá’i glauben, dass alle Religionsstifter aus derselben Quelle schöpfen, deshalb gehören für sie die heiligen Schriften anderer Weltreligionen zum gemeinsamen religiösen Erbe. 1905 erreichte das Bahaitum Deutschland, als ein Bahá’i, ein Zahnarzt übrigens, aus den USA nach Deutschland zog. Heute gibt es rund 6.000 Bahá’i in Deutschland, verstreut über 900 Städte, die Mitglieder sind in über 100 Glaubensgemeinden organisiert.

Neben der Feier der Geburt ihres Religionsstifters kennen die Bahá’i acht weitere Feiertage. An ihnen soll die Arbeit ruhen. 2013 wurde der Bahá’i-Gemeinde Deutschland der Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. So unbekannt die Bahá’i manchem erscheinen mögen, so sind doch deshalb an den Bahá’i-Feiertagen in manchen Bundesländern die Kinder von der Schulpflicht befreit.

Gemäß ihrem eigenen Jahresweiser, dem Badi’-Kalender mit 19 Monaten zu je 19 Tagen, begehen die Bahá’i den Geburtstag Baha’ullahs heuer am 14. November; der gregorianische Kalender lässt Baha’ullahs Geburtstag auf den 12. November fallen.

Foto: Das Ringsymbol ist ein Zeichen der Bahá’i, das von Abdu’l Baha, dem ältesten Sohn des Religionsstifters Baha’ullah, entworfen wurde. Es zeigt die arabischen Buchstaben »Ba« und »Ha« – »Baha« heißt so viel wie »Herrlichkeit« oder »Glanz«. Die zwei Sterne stehen für die Offenbarungsträger Baha’ullah und den Bab. Die drei horizontalen Linien symbolisieren die materielle Sphäre der Menschen (unten), die Ebene der Manifestationen Gottes (Mitte) und das Reich Gottes (oben). Die vertikale Linie steht für die im Glauben der Bahá’i zyklisch wiederkehrenden Offenbarungen, die alle drei Ebenen verbinden.

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