Klassik

Kampf mit Gott um Volk und Glauben

Dieter Ferdinand
4. Juli 2017

Einen würdigen Abschluss der Jubiläumswoche »100 Jahre Große Synagoge« bildete die Darbietung von Felix Mendelssohn Bartholdys »Elias«. Erzählt wird der hochdramatische Kampf des Propheten gegen den Baals-Kult im Nordreich Israel um 850 v. Chr. König Ahab unterstützt diesen, auch das Volk huldigt dem Baal. Elias verkündet die Strafe Gottes für den Abfall vom Glauben: kein Tau, kein Regen mehr. Es kommt zum Gottesbeweis. Brandopfer werden dargebracht. Die Baalspriester rufen Baal: kein Feuer. Elias ruft den Herrn, seinen Gott: Feuer fällt vom Himmel. Das Volk glaubt wieder an den einen Gott. Elias fleht dreimal um Regen, es regnet. Ahabs Frau Isebel verleumdet den Propheten, sein Volk bedroht ihn. Er flieht in die Wüste, erschöpft und resigniert erbittet er seinen Tod. Am Lebensende fährt Elias in einem feurigen Wagen »mit feurigen Rossen« zum Himmel.

Felix Mendelssohn Bartholdys zweites Oratorium »Elias« (nach »Paulus«) wurde zum richtungweisenden Chorwerk der Romantik. Das Friedberger Kammerorchester füllte den Raum mit hochdramatischen und lyrischen Klängen. Das Augsburger Vokalensemble gab dem Volk mächtigen Ausdruck. Hell und klar verliehen die Frauen den Engeln ihre Stimmen, es klang wie aus der Höhe. Thomas Laske (Bass) als kämpfender und zweifelnder, betender und resignierender Prophet sang kräftig und lyrisch. Alle drei Solistinnen überzeugten ebenso wie Tenor Alfons Brandl. Glockenrein die Knabenstimme von Florian Nyncke, die Elias‘ Ruf nach Regen begleitete.
 
Felix Mendelssohn Bartholdy hätte sich gewiss gefreut, in der weithin schönsten Synagoge sein Oratorium  aufgeführt zu wissen. Der »Elias« war eines seiner letzten Werke. Am 26. August 1846 dirigierte er die Uraufführung in Birmingham, am 4. November 1847 starb er. Martin Buber schrieb am Lebensabend 1963 das Mysterienspiel »Elijah«. Er starb am 13. Juni 1965 in Jerusalem.

Stehende Ovationen nach dem Oratorium.

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