»Kann Kunst Krieg verhindern?«

9. März 2017 - 22:23 | Julian Stech

Herausragender Brecht-Abend mit den »Svendborger Gedichten«.

Der Abend des 8. März 2017 wird mit Sicherheit vielen Besuchern des Parktheaters im Kurhaus im Gedächtnis bleiben. Denn im Rahmen des diesjährigen Brechtfestivals fand im Zentrum des mit prächtig verspielten Fassaden und Säulen ausgestatten Bühnensaales die Deutschland-Premiere der »Svendborger Gedichte« statt – vor etwa vier Monaten von Petra-Leonie Pichler (Bluespots Productions) inszeniert, durch die glorreiche Idee des Dänen Jakob Bjerregaard Engmann.

Die Uraufführung fand im vergangenen November im BaggaardTeater in Svendborg statt und neben dem Augsburger Leif Eric Young sind die beiden Dänen Jens Gotthelf und Sören Huss auf der Bühne zu sehen. Pichler hat es geschafft Brechts Exil-Schriften so gegenwartstreffend darzustellen, den Besucher aufzufordern die Worte wirklich in sich aufzusaugen und Brechts Wunsch nach »Unterhaltung soll Lehren« erkenntlich zu machen. Zwischen Humor und beunruhigender Realität wandern die Gedichte zwischen Diskussionen und melodiösen Schallwellen umher und finden ihren Raum um einen herbstlichen Baum und ein danebenstehendes Klavier – ein Bild, das mich an das Promo-Video von »Strawberry Fields Forever« erinnert.

Die Darsteller sind herausragend: Leif Eric Young trägt die Gedichte des Augsburger Sohns mit ernstzunehmender, magischer Stimme vor und ist mutig und amüsierend frei in seiner Schauspielerei. Jens Gotthelf ist als Fragender und Suchender der Mann in dem Stück, der der standfesteren Rolle von Young die ideale Balance bietet. Und zuletzt gibt der Multiinstrumentalist Sören Huss vielen Szenen atemberaubende Vertonungen und oftmals auch den nötigen Witz. Es ist eine Emotionenvielfalt, doch die Ernsthaftigkeit und die Warnungen an die Menschen überwiegen in dieser 90-minütigen deutsch-dänischen Produktion – und sie gelingen – und das ist auch gut so. Ein Meisterwerk in meinen Augen und eine der wohl besten Aufführungen, die ich je gesehen habe.

Die nächsten Deutschland-Termine für die »Svendborger Gedichte« stehen noch nicht fest, sind aber in Planung. Wer das Stück in nächster Zeit sehen möchte, sollte einen freiwilligen Trip nach Dänemark wagen. Dort wird es am 8. und 9. Juni auf dem Copenhagen Stage Festival aufgeführt. Mir wäre jedenfalls dieses Werk jede Reise wert – auch in ein Exil-Land Brechts jenseits des Ozeans.

www.bluespotsproductions.de
www.brechtfestival.de

Photo: Copyright by Rico Feldfoss

Weitere Positionen

6. Juli 2019 - 8:15 | Renate Baumiller-Guggenberger

Ganz klassisch – die a3kultur-Klassik-Kolumne im Juli

1. Juli 2019 - 12:57 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere von Andrew Lloyd Webbers Rockoper »Jesus Christ Superstar« auf der Freilichtbühne am Roten Tor

1. Juli 2019 - 8:41 | Gast

Quergelacht: die a3kultur-Kabarett-Kolumne im Juli. Von Marion Buk-Kluger

28. Juni 2019 - 8:01 | Iacov Grinberg

Die neue Ausstellung »Immer Kopf« in der Galerie Süßkind zeigt Arbeiten von Mike Mayer.

26. Juni 2019 - 13:00 | Thomas Ferstl

Der Juli ist bald da, die Temperaturen steigen und die Kinoleinwände zieht es hinaus an die frische Luft. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

21. Juni 2019 - 10:23 | Bettina Kohlen

Ein Kaiser und ein Dichter spielen in diesem Sommer große Rollen im Augsburger Ausstellungsgeschehen.

21. Juni 2019 - 10:20 | Iacov Grinberg

Seit zwei Monaten tagt das »Philosophische Café« im Brechthaus. Das Thema der letzten Sitzung war »non-verbal«

Fotomontage: Susanne Thoma, Foto Haller: Fred Schöllhorn
19. Juni 2019 - 16:29 | Susanne Thoma

Pareaz e.V. hat zusammen mit dem Quartiersmanagement Oberhausen ein Projekt der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit mit dem Titel »Bring' den Haller auf den Platz!« gestartet.

17. Juni 2019 - 8:40 | Jürgen Kannler

»Positive und kreative Utopien zu entwickeln, bedeutet nicht Naivität, sondern praktische Vernunft« – tim-Direktor Karl B. Murr im Interview mit a3kultur

14. Juni 2019 - 14:04 | Patrick Bellgardt

Vom 14. bis 16. Juni steigt das Internationale Django Reinhardt Festival im Parktheater des Kurhauses Göggingen. Der Augsburger Vibraphon-Virtuose Wolfgang Lackerschmid gestaltet den Abschluss des Gipsy-Jazz-Events. Ein Interview