Das kann sich sehen lassen!

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17. April 2018 - 17:29 | Bettina Kohlen

Die Möglichkeiten in der Region aktuelle Kunst zu sehen, sind vielfältig. Manches läuft nur kurz, anderes (zu) lang, und natürlich ist nicht alles großartig … Doch diese drei Ausstellungen sollte man nicht versäumen.

Die 1970 geborene Franziska Hünig hat mit ihren raumgreifenden Installationen das Kommando im Kunstverein im Holbeinhaus übernommen. Die Künstlerin arbeitet vornehmlich mit ausrangierten riesigen Werbebannern aus Kunststoff, die für sie sowohl Malgrund, wie auch formbares Material sind. Hünig trägt mit großer Geste verdünnte Farbe auf die Planen auf, der durchschimmernde Untergrund sorgt dafür, dass der ursprüngliche Zweck immer präsent ist. Dem schweren sperrigen Material gibt sie gefaltet, geknüllt oder gebogen ein neues Leben als Plastik von barocker Opulenz. Gelegentlich setzt Hünig auch Alupatten ein, die sie ebenfalls bemalt, knifft und formt: auf den ersten Blick ist dann kein Unterschied zwischen starrem und weichen Material zu erkennen. Besonders eindrucksvoll: »INSTALL_18_4« entwickelt weich gerundet und türkis schimmernd einen neuen Raum in einem magischen mattgrünen Licht. Die großformatigen Installationen werden reizvoll mit kleinen Papierarbeiten ergänzt.

Thomas Weil (Jahrgang 1944) hat sich dem Ornament verschrieben. Wie das aussieht, hat er in seinen großformatigen neuen Arbeiten in der Schwäbischen Galerie in Oberschönenfeld »auf den Punkt gebracht«. Basierend auf orientalischen Mustern und Strukturen, bringt Weil seine konstruktiv komponierten Arbeiten zum Tanzen. Die klare fraktale Geometrie, die trotz ihrer Geschlossenheit über den Bildraum hinausweist, lässt den Betrachter nach Strukturen suchen. Dabei werden die Grenzen horizontal über die Ränder der Leinwand hinaus überschritten, doch zugleich löst sich die reine Flächenanmutung zugunsten räumlicher Tiefe auf. Dieses Spiel der Irrungen und Wirrungen ist absolut faszinierend und zugleich von hoher ästhetischer Qualität …

Zum 80. Geburtstag ehrt das H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast den Maler Max Kaminski, einen der wichtigen Künstler unserer Zeit, mit einer umfangreichen Retrospektive. Eine Fülle von Arbeiten, beginnend in den 1960er-Jahren bis hin zu seiner Auseinandersetzung mit den Fresken im Schaezlerpalais erläutert das Schaffen dieses Künstlers, der sich expressiv und theatralisch vor allem auf das Vergängliche konzentriert. Kaminski, Schüler von Hann Trier, arbeitet figurativ und gegenständlich, diskutiert dennoch abstrakt poetische Aspekte. Die Farbe spielt eine wesentliche Rolle für sein Ausdrucksspektrum: da leuchtet die eine Szene dunkelrot im bedrohlichen Schein des Feuers, eine andere Arbeit sonnt sich in rokoko-zarten Pastelltönen. Bei aller Darstellungsbreite bleibt eines beständig: Kaminskis Kunst ist untrennbar mit seinem Empfinden verbunden. Unbedingt ausreichend Zeit für die mehr als 120 Gemälde, Gouachen, Zeichnungen und Radierungen mitbringen!

www.kunstverein-augsburg.de – Franziska Hünig: CMYYK – bis 1. Juni – zur Finissage erscheint ein Katalog
www.schwaebisches-volkskundemuseum.de – Thomas Weil: Auf den Punkt gebracht – bis 17. Juni – Vortrag des Künstlers am letzten Ausstellungstag
www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de – Max Kaminski: Retrospektive – bis 2. September – zur Ausstellung erscheint ein Katalog

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