Kasperletheater

19. Dezember 2017 - 13:57 | Jürgen Kannler

Das Wahlverfahren zum Kulturbeirat beschädigt dieses Gremium.

Zum Jahresende wurde auch die neue Zusammenstellung des Kulturbeirats geregelt. Nachdem die vom Kulturreferat gesetzten Beiratsmitglieder schon länger feststanden – es handelt sich um André Bücker für das Theater Augsburg, Anna Miessl für den Stadtjugendring, Karl Borromäus Murr für die Museumslandschaft, Heribert Harter vom Runden Tisch der Religionen sowie Martin Kaufhold und Carolin Jörg für die Hochschulen –, wurden Anfang Dezember auch die fünf frei zu wählenden Mitglieder ermittelt.

Das Wahlprozedere erinnerte einmal mehr an ein Kasperletheater mit Norbert Stamm als oberstem Spielleiter und sollte dringend überarbeitet werden. Nur wer am Wahlabend Zeit und Gelegenheit hatte, ins Rathaus zu kommen, durfte wählen und konnte gewählt werden. Das erinnert eher an ein vorzeitliches Stammestreffen, bei dem Häuptlinge ernannt werden, als an echte Partizipation und schließt zu viele Kulturmacher*innen und Interessierte aus. Briefwahl, Online-Abstimmung oder auch nur die Möglichkeit, sich frühzeitig ein Bild von den Kandidat*innen machen zu können, gibt es bei dieser Wahl nicht. Demokratie geht anders. Anderen städtischen Beiräten würde man solch ein Prozedere wohl kaum zumuten, sie würden es sich aber wohl auch nicht gefallen lassen. Hier verkaufen sich die Kulturmacher*innen deutlich unter Wert.

Acht Frauen und sieben Männer wurden schließlich aus mehreren vor Ort gebildeten Kleingruppen heraus zur Wahl vorgeschlagen. Dass manche dieser Gruppen keine echten oder ein Tandem oder mehr als die zwei zugelassenen Kandidat*innen präsentierten, war ein Resultat dieser kuriosen Veranstaltung. Es erscheint unseriös, wenn mitten im Nominierungsprozess plötzlich neue Regeln geschaffen und diese dann nicht einmal rechtzeitig kommuniziert werden. Auch die Tatsache, dass mindestens eine Vorschlagsgruppe englisch verhandelte, sorgte bei überraschten Anwesenden für Sprachlosigkeit. Immerhin ist die Amtssprache im Augsburger Rathaus Deutsch und der Kulturbeirat ein Gremium der Stadt. Dieser Vorgang könnte die gesamte Wahl ungültig machen, wie erfahrene Rathauspolitiker*innen nicht ausschließen wollen.

Laut Wahlleiterin Elke Seidel von Kulturamt wurden schließlich 107 gültige Stimmzettel mit maximal 5 Votierungen abgegeben. Susi Weber und Rana Youssef vom Grandhotel Cosmopolis erhielten als Tandem die meisten Stimmen. Wobei an dieser Stelle bemerkt werden sollte, dass Rana Youssef erst seit zwei Jahren in Deutschland lebt und der Sprache nicht wirklich mächtig ist. Ob ihr die Stadt eine Dolmetscherin zur Seite stellen wird, damit sie ihrer Verantwortung im Rat gerecht werden kann, ist offen.

Auf das Spitzenduo folgen Korbinian Grabmeier (Theter Ensemble mit zwei Jahren Kulturbeirat-Erfahrung), Rebecca Lindner (Popoffice im Kulturpark West), Poetry-Slammer und Kulturmanager Alexander Ratschinskij und Clara Diepold (Verein Raumpflegekultur). Die Amtszeit der Kulturbeirät*innen wurde von zwei auf drei Jahre verlängert.

Mit 4,5 zu 5,5 hat sich die Frauenquote erfreulich verbessert. Das Wahlverfahren scheint Vorteile für Kandidatinnen ohne Migrationshintergrund unter 30 Jahren zu bringen. Eine gewisse Medienkompetenz scheint auch bei diesem Wahlkampf von Vorteil.

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