Kein einmaliger Hype

21. September 2018 - 9:20 | Renate Baumiller-Guggenberger

Den Menschen Leopold Mozart erlebbar machen: schöne Aussichten rund ums Jubiläumsjahr 2019.

Neugierig, wie a3kultur nun mal ist, trafen wir uns noch vor der Sommerpause mit Simon Pickel (künstlerischer Leiter des Deutschen Mozartfests sowie Wettbewerbsleiter des Internationalen Violinwettbewerbs Leopold Mozart Augsburg), um ihm die ersten Neuigkeiten zum großen Jubiläumsjahr 2019 zu entlocken. Konsequent und kompetent, wie Pickel nun mal ist, gab er sich bedeckt, was konkrete Festivalinhalte betrifft. Verständlich ist in jedem Fall seine Vorfreude auf viele von ihm initiierte Jubiläumsprojekte und teils schon jetzt feststehende Eckpfeiler, mit deren Kundgabe er mächtig Appetit auf dieses besondere Mozartjahr machte, in dem sich der Geburtstag von Leopold Mozart zum 300. Mal jährt. Am 14. November 2018 und damit zum 299. Geburtstag wird das umfassende Jahres-Jubiläumsprogramm der Öffentlichkeit präsentiert – bis dahin also ist Geduld gefragt.

Auf einen Nenner gebracht, so Pickel, »wäre ohne Papa Leopold – und das meine ich gar nicht biologisch – kein Wunderkind Wolfgang möglich geworden.« Das klingt logisch, impliziert jedoch auch heute noch jede Menge spannenden Antriebsstoff für Musikwissenschaftler, Programmmacher und musikalische Mozartakteure. Wie und mit welchem Weitblick gelang es Leopold, von dessen eigenem kompositorischen Werk nur noch ein Bruchteil überliefert und im Konzertbetrieb präsent ist und der sich insbesondere mit seiner »Gründlichen Violinschule« (1756) einen Platz im Methodikhimmel sicherte, ein damaliges musikalisches Netzwerk zu nutzen bzw. zu knüpfen? Wie organisierte er die finanziellen Mittel und Wege für all die ausgedehnten Konzertreisen durch Europa – ein Erfahrungsschatz, der das junge Genie Wolfgang auch stets musikalisch inspirierte? Wie also professionalisierte er von Salzburg aus das Wunderkindpotenzial? Es lohnt sich, dem Werden und Wirken des herausragenden Musiklehrers und damit seinen Managerqualitäten nachzuspüren, die Vaterpersönlichkeit für Nannerl und Wolfgang intensiver zu beleuchten und damit den Menschen Leopold Mozart (neu) erfahrbar zu machen. Immerhin gelang ihm aufgrund besonderer familiärer Umstände der für die damalige Zeit unübliche Aufstieg vom Handwerkerspross über das Augsburger Jesuitenkolleg St. Salvator hin zum Philosophie- und Jurastudium im Fürsterzbistum Salzburg, bis ihn bald die Liebe zur Musik zu einer anderen Karriere umlenkte. Zu vermeiden sei unbedingt, so räumt Simon Pickel ein, dass man im Jubiläumsjahr einen einmaligen Hype um Leopold lostritt, um ihn fortan schnell wieder zu vernachlässigen. Immer wieder fällt der Begriff »nachhaltig«, der sich als Konstante bzw. als berühmter magentaroter Mozartbüro-Faden durch die Projekte und Veranstaltungen schlängeln soll.

Markanter Meilenstein dabei dürfte ein längst fälliges Gestaltungskonzept für das Mozarthaus in der Frauentorstraße 30 sein, in dem am 14. November 1719 Leopold Mozart als Sohn des Buchbindermeisters Johann Georg Mozart (1669–1736) und dessen zweiter Frau Anna Maria Sulzer (1696–1766) das Licht der Welt erblickte. Seit 1937 beherbergt es die Gedenkstätte zur Geschichte der Familie in der ehemaligen Freien Reichsstadt – 2006 wurde es zum 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart saniert. Die Ausschreibung gewann die Agentur »unodue{« mit ihrer überzeugenden gestalterischen Grundidee, die sich endlich auch an der Person Leopold Mozart orientiert. »unodue{« verfügt über eine langjährige Expertise, was interdisziplinäre und innovative Museumskonzepte betrifft. Sie kann auch klein, und dies sehr virtuos, was nicht nur die Gestaltung des Herkomer-Museums in Landsberg beweist – jüngst verantworteten »unodue{« die kreative Ausstellung im Münchner Literaturhaus »Ins Blaue – Natur in der Literatur«. So könnte das zukünftige Mozarthaus samt musikpädagogischem Angebot spätestens ab Herbst 2019 für ein gesteigertes Besucherinteresse von Gruppen und Schulklassen sorgen.

Ein Relaunch wurde auch dem Internationalen Violinwettbewerb Leopold Mozart zuteil, der in seiner zehnten Auflage vom 31. Mai bis zum 8. Juni 2019 in Augsburg stattfindet und immer schon als Türöffner und Inspirationsquelle für die Teilnehmer*innen fungierte. Namensgeber Leopold Mozart gibt auch hier als einzigartiger und innovativer Förderer der nachkommenden Musikergenerationen den inhaltlichen Ton an. Die musikalische Interpretationskunst wird ab sofort dank sinnvoller Neuerungen unter neuen Vorzeichen gemessen: Eine hochkarätig besetzte Jury integriert unterschiedliche Fachrichtungen im Bereich Musik und Kultur, nicht mehr ausschließlich renommierte Geigerpersönlichkeiten. Schüler*innen und Student*innen der Juroren sowie des künstlerischen Leiters Prof. Linus Roth sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Der Repertoireteil »Kammermusik« beinhaltet öffentliche Proben, die auch bewertet werden. Das für den Wettbewerb komponierte Pflichtstück der polnischen Komponistin Elżbieta Sikora wird mit Sicherheit sowohl die Teilnehmer*innen als auch das Publikum in ihren Hörgewohnheiten herausfordern.

Eine Herausforderung anderer Art bestand für Simon Pickel darin, endlich die biografische Leerstelle einer fundierten Leopold-Mozart-Biografie zu füllen. Gemeinsam mit einem großen Musikverlag konnte ein Musikhistoriker gewonnen werden, um den genialen Netzwerker Leopold auch literarisch als aufgeklärten Universalgeist in den Fokus zu rücken.

Fazit: Alle Klassik- und Mozartliebhaber und die, die es noch werden wollen, dürfen sich auf ein sinnliches und inklusiv bespieltes neues Museumskonzept im Mozarthaus freuen und einen innovativ durchgeführten Internationalen Violinwettbewerb Leopold Mozart Augsburg erleben, der verstärkt der Positionierung der dort konkurrierenden Musikerpersönlichkeiten auf dem Markt Rechnung tragen wird. Sie dürfen bald die wissenschaftlich fundierte Leopold-Mozart-Biografie lesen und – last but not least – hochkarätige Konzerte im Rahmen des Deutschen Mozartfests (ab 11. Mai 2019) genießen, das vom großen Symphonieorchester über Spezialistenensembles hin zu renommierten Solisten Künstler von Weltformat nach Augsburg bringt. Der Blick auf die mozartstadt.de lohnt also jederzeit!

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