Keine Wünsche mehr offen?

6. März 2017 - 8:20 | Michael Friedrichs

Brechts Vitalität: ungebrochen. Ein Gastbeitrag von Michael Friedrichs

Kulturreferent Thomas Weitzel hat in einem Hintergrundgespräch mit der Augsburger Allgemeinen (19. Januar 2017: »Mehr Profil für den Brechtpreis«) eine Reihe von Initiativen angekündigt, die aufhorchen lassen. Der bisher im Dreijahresrhythmus vergebene Brechtpreis soll auf zweijährlich verkürzt werden, und aufstrebende Autorinnen und Autoren sollen eher in Frage kommen als Lebenswerk-Kandidaten. Das ist zu begrüßen – angesichts von etwa 300 Literaturpreisen im Land spitzen die Feuilletons nicht schon deshalb die Ohren, weil ein Brechtpreis vergeben wird.

Der Brecht-Kreis hält es für einen Mangel, nicht durch ein von ihm entsandtes Mitglied in dieser Jury vertreten zu sein. Wir hoffen, dass dem bald abgeholfen werden kann. Das Brechtfestival war in der überlangen Ära Lang aus dem Dreijahresruder gelaufen, das Eva Leipprand aufgesetzt hatte. Der Kulturausschuss konnte sich leider nicht frühzeitig dazu durchringen, Patrick Wengenroth, der zunächst nur einen Einjahresvertrag bekam, die entsprechende Verlängerung anzubieten. Sein Programm für 2017 funkelt, es fehlt weder an Denk-Provoka­tionen noch an szenischer Innovation.

Das Brechthaus – nun ja. Es wäre ungerecht, ihm einen Dornröschenschlaf zu attestieren. Die Regio bietet, in Abstimmung mit Uni, Brechtforschungsstelle und Kunstsammlungen, vielerlei Veranstaltungen an. Und auch hier gibt es unterstützenswerte Initiativen: Eine Künstlerresidenz soll in einer jetzt freistehenden Wohnung eingerichtet werden. Das Konzept erinnert an das Brechthus in Svendborg, das man ganzjährig mieten kann.

Außerdem hat das Kulturreferat Mittel und Wege gefunden, wertvolle und aussagekräftige Kunstgegenstände aus dem Nachlass von Barbara Brecht-Schall anzuschaffen. Sie werden – ist es die erste Sonderausstellung im Brechthaus überhaupt? – bis 23. April der Öffentlichkeit präsentiert. (Und unter der Tafel im Eingangsbereich, die von engagierten Brechtfans 1960 an der Außenwand angebracht worden war, um endlich das Geburtshaus des Dichters zu markieren, gibt es jetzt ein Schild mit Erläuterungen. Wow!)

Keine Wünsche mehr offen? Doch. Die Geister scheiden sich bei der Frage einer grundlegend neuen Ausstellung im Brechthaus. Ich halte sie für nötig. Ältere Leute kommen weiterhin gut zurecht, aber jüngere gähnen. Ich wünsche mir einen stärkeren Fokus auf Brechts Augsburger Zeit, die Einbeziehung moderner Medien – und, ganz unbescheiden, mehr Platz! Wir brauchen Fläche für thematische Wechselausstellungen, und wir brauchen eine attraktive Präsentation, sodass nicht nur Brechtforscher, sondern auch Schulklassen und Touristen das Haus mit Freude besuchen. Das geht nicht hopplahopp, aber es sollte unbedingt in die Kulturplanung aufgenommen werden.

Dr. Michael Friedrichs ist Vorsitzender des Brecht-Kreises und Redakteur der Vierteljahreszeitschrift Dreigroschenheft. Er war lange im Wiß­ner-Verlag tätig, jetzt freiberuflich. Vielen ist er als regelmäßiger Teilnehmer des Augsburger Poetry Slams (Foto: Simon Schwager) bekannt. Er ist auch aktives Mitglied bei der ErinnerungsWerkstatt und den Kültürtagen.

Weitere Positionen

14. August 2019 - 9:08 | Patrick Bellgardt

Am 24. August gastiert Purple Schulz im Wittelsbacher Schloss in Friedberg. Die 80er-Jahre-Ikone präsentiert ihr neues Album »Nach wie vor« open air im Innenhof. Ein Interview

12. August 2019 - 14:02 | Dieter Ferdinand

Im griechischen Theater Heretsried wurde am 9. August Nestroys »Das Mädl aus der Vorstadt« aufgeführt

7. August 2019 - 12:48 | Jürgen Kannler

Der vielbeschworene Schulterschluss zwischen Bayerischer Staatsregierung und Rathaus Augsburg zeigt Auflösungserscheinungen. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

6. August 2019 - 12:54 | Gast

a3kultur-Autorin Marion Buk-Kluger im Interview mit Lisa Maria Potthoff. Die Schauspielerin präsentiert am 11. August die Krimikomödie »Leberkäsjunkie« beim Kino-Open-Air »Lechflimmern«.

4. August 2019 - 8:04 | Gast

Leberkäsjunkies und Saumenschen – Quergelacht, die a3kultur-Kabarett-Kolumne. Von Marion Buk-Kluger

2. August 2019 - 8:45 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Film-Kolumne im August

31. Juli 2019 - 9:04 | Jürgen Kannler

Ein Gespräch mit Vea Kaiser über ihren aktuellen Roman, kulinarische Aspekte des Lebens und den Balkan.

28. Juli 2019 - 8:54 | Jürgen Kannler

Jürgen Kannler im Gespräch mit dem Medienkünstler Reinhard Gupfinger, Artist in Residence des Projekts »Welcome in der Friedensstadt«

isabel_kerkermeier_diaphane_kunstverein_aichach_2019_foto bettina kohlen.jpg
26. Juli 2019 - 8:25 | Bettina Kohlen

Nach München, an den Chiemsee oder einfach in der Region: Gute Kunst kann man an vielen Orten erleben. Hier kommen ein paar Vorschläge für die nächsten Wochen.

26. Juli 2019 - 7:08 | Iacov Grinberg

Das Grafische Kabinett beleuchtet »Augsburgs Wehr und Zier. Die Stadtmauer«.