Kiefer bei Walter

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7. Februar 2019 - 8:25 | Bettina Kohlen

Im Augsburger Glaspalast, einem Industriegebäude von 1910, sind neben zahlreichen Büros auch einige Orte der Kunst zu finden. Darunter die Galerie Noah und das Kunstmuseum Walter, wo ab dem 9. Februar Werke von Anselm Kiefer präsentiert werden.

Es herrscht leichte Hektik in den großzügigen hellen Räumen der Galerie Noah – Wilma Sedelmeier, die Leiterin der Galerie, hat alle Hände voll zu tun, denn am 8. Februar wird hier eine Ausstellung mit bedeutenden Arbeiten von Anselm Kiefer, einem der ganz großen Künstler unserer Zeit, eröffnet. Dieses bislang aufwendigste Projekt ist wahrlich keine Kleinigkeit, es brauchte rund zwei Jahre der Planung und Abstimmung mit dem Künstler und seinem Galeristen Thaddaeus Ropac, bis jedes Detail klar war. Im wunderbaren Kuppelsaal der Galerie werden bis zum 19. Mai neben Arbeiten aus der Sammlung von Ignaz Walter auch einige Leihgaben in dieser Sonderausstellung des Kunstmuseums Walter zu sehen sein.

Das Museum, das der Besucher von der Galerie Noah aus betritt, beherbergt einen Teil der privaten Sammlung von Walter, Unternehmer und Eigentümer des Glaspalastes. Lange Jahre wurden die Galerie und das Kunstmuseum von Elisabeth Schulte, der früheren Ecke-Galeristin, geleitet. Sie legte den Schwerpunkt auf Künstler aus dem Düsseldorfer Umfeld, auf die großen Namen wie Jörg Immendorff, Georg Baselitz, A.R. Penck, Markus Lüpertz oder Per Kirkeby, die sie durch ihre Kontakte zum Galeristen Michael Werner präsentieren konnte und so das Bild der Galerie prägte. Der Generationswechsel kam, als Schulte sich Ende 2014 zurückzog. Seitdem leitet die Kunsthistorikerin Wilma Sedelmeier Museum und Galerie. Sie beließ den Fokus auf figurativer Malerei, was auch ihrer persönlichen thematischen Ausrichtung entspricht: »Man muss zeigen, wozu man steht«, sagt sie. Doch vor allem bevorzugen die Kunden der Galerie das Figürliche, das – zumindest auf den ersten Blick – zugänglicher scheint als Abstraktes. Viele sind zudem an bekannten Namen interessiert, denn gerade, wenn es teurer wird, ist das Kunstwerk an der Wand auch ein Statussymbol. Die Kunden haben die 50 meist schon überschritten, doch zunehmend kommen auch finanzkräftige Menschen ab Mitte 30, um Kunst nicht nur zu betrachten, sondern auch zu kaufen.

Galeristin Sedelmeier setzt inzwischen auch stark auf jüngere Kunst, bewusst nicht auf die Arbeiten frischer Akademie-Absolvent*innen, sondern auf Künstler*innen, die sich bereits einige Jahre erprobt haben. Die Münchner Kunst-Akademie, eine Zeitlang im Gegensatz zu Düsseldorf oder Leipzig eher wenig wahrgenommen, wurde wieder interessant. So hat Sedelmeier wiederholt Schüler*innen der Münchner Professorin Karin Kneffel gezeigt, wie zuletzt Felix Rehfeld und Marina Schulze. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Arbeiten aus der Leipziger Schule, beispielsweise von Neo Rauch, Arno Rink (dessen Werk die Galeristin sehr schätzt) und deren Schüler*innen. Der Kuppelsaal bleibt den größeren Namen und Formaten vorbehalten, doch die Studio-Schauen im Eckraum, der (durch gestalterisch durchaus diskutierbare Edelholz-Einbauwände) vom großen Saal abgeteilt ist, geben Künstler*innen Raum, die noch am Anfang stehen, wie beispielsweise Alina Grasmann, ebenfalls eine Kneffel-Schülerin. Stark experimentelle Positionen oder Medien sind jedoch nicht die Sache der Galerie Noah, das Profil ist klar auf figurative Malerei plus ein wenig Skulptur ausgerichtet – eindeutig an den Vorlieben der Galeriekunden orientiert (und wohl auch an denen von Ignaz Walter …). Eine Galerie ist ein Unternehmen, kein Museum, und so bildet die Marktfähigkeit der gezeigten Kunst ein nachdrückliches Kriterium.

Mit etwa zehn 450-Euro-Kräften, einer Sekretärin und einigen Praktikant*innen managt Sedelmeier die Galerie. Für das Jahr 2019 hat sie nach der großen Anselm-Kiefer-Ausstellung ab Ende Mai fünf weitere Einzelpräsentationen geplant. Im Kuppelsaal werden Arbeiten von Christian Awe, Heiner Meyer, Norbert Tadeusz, Arno Rink und Helge Leiberg zu sehen sein. Hinzu kommen die Studio-Schauen. Da gibt es unter anderem Harald Gnade und Burghard Held. Die Teilnahme an den relevanten Kunstmessen, wie es sie in der Vergangenheit gelegentlich gab – wichtiger Part der Galeriearbeit – ist für die Zukunft wieder angedacht, jedoch nicht mehr in diesem Jahr.

Wer in der Galerie Noah als Käufer fündig werden möchte, sollte schon ein paar Euro übrig haben, den weniger finanzstarken Kunstinteressierten bleibt die Inbesitznahme der Kunst mit den Augen. Doch wie auch immer Absichten und Möglichkeiten gelagert sind: Ein Besuch der Galerie Noah mit ihrer eindrucksvollen Atmosphäre lohnt sich. Nächste Möglichkeit (die man sich nicht entgehen lassen sollte) ist die Anselm-Kiefer-Ausstellung.

Anselm Kiefer – Aus der Sammlung Walter, 9. Februar bis 19. Mai 2019             

Über die Dauer der Ausstellung werden auf vorherige Anfrage museumspädagogische Führungen angeboten.


www.galerienoah.com

Abbildung: Anselm Kiefer, »Frauen der Antike«, Gips, Stacheldraht, Natodraht, 190 x 210 x 160 cm

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