Kiefer bei Walter

anselm_kiefer_frauen_der_antike_erinnye_cornelia_2004_2006_gips_stacheldraht_natodraht_190_x_210_x_160_cm_onlinebild.jpeg
7. Februar 2019 - 8:25 | Bettina Kohlen

Im Augsburger Glaspalast, einem Industriegebäude von 1910, sind neben zahlreichen Büros auch einige Orte der Kunst zu finden. Darunter die Galerie Noah und das Kunstmuseum Walter, wo ab dem 9. Februar Werke von Anselm Kiefer präsentiert werden.

Es herrscht leichte Hektik in den großzügigen hellen Räumen der Galerie Noah – Wilma Sedelmeier, die Leiterin der Galerie, hat alle Hände voll zu tun, denn am 8. Februar wird hier eine Ausstellung mit bedeutenden Arbeiten von Anselm Kiefer, einem der ganz großen Künstler unserer Zeit, eröffnet. Dieses bislang aufwendigste Projekt ist wahrlich keine Kleinigkeit, es brauchte rund zwei Jahre der Planung und Abstimmung mit dem Künstler und seinem Galeristen Thaddaeus Ropac, bis jedes Detail klar war. Im wunderbaren Kuppelsaal der Galerie werden bis zum 19. Mai neben Arbeiten aus der Sammlung von Ignaz Walter auch einige Leihgaben in dieser Sonderausstellung des Kunstmuseums Walter zu sehen sein.

Das Museum, das der Besucher von der Galerie Noah aus betritt, beherbergt einen Teil der privaten Sammlung von Walter, Unternehmer und Eigentümer des Glaspalastes. Lange Jahre wurden die Galerie und das Kunstmuseum von Elisabeth Schulte, der früheren Ecke-Galeristin, geleitet. Sie legte den Schwerpunkt auf Künstler aus dem Düsseldorfer Umfeld, auf die großen Namen wie Jörg Immendorff, Georg Baselitz, A.R. Penck, Markus Lüpertz oder Per Kirkeby, die sie durch ihre Kontakte zum Galeristen Michael Werner präsentieren konnte und so das Bild der Galerie prägte. Der Generationswechsel kam, als Schulte sich Ende 2014 zurückzog. Seitdem leitet die Kunsthistorikerin Wilma Sedelmeier Museum und Galerie. Sie beließ den Fokus auf figurativer Malerei, was auch ihrer persönlichen thematischen Ausrichtung entspricht: »Man muss zeigen, wozu man steht«, sagt sie. Doch vor allem bevorzugen die Kunden der Galerie das Figürliche, das – zumindest auf den ersten Blick – zugänglicher scheint als Abstraktes. Viele sind zudem an bekannten Namen interessiert, denn gerade, wenn es teurer wird, ist das Kunstwerk an der Wand auch ein Statussymbol. Die Kunden haben die 50 meist schon überschritten, doch zunehmend kommen auch finanzkräftige Menschen ab Mitte 30, um Kunst nicht nur zu betrachten, sondern auch zu kaufen.

Galeristin Sedelmeier setzt inzwischen auch stark auf jüngere Kunst, bewusst nicht auf die Arbeiten frischer Akademie-Absolvent*innen, sondern auf Künstler*innen, die sich bereits einige Jahre erprobt haben. Die Münchner Kunst-Akademie, eine Zeitlang im Gegensatz zu Düsseldorf oder Leipzig eher wenig wahrgenommen, wurde wieder interessant. So hat Sedelmeier wiederholt Schüler*innen der Münchner Professorin Karin Kneffel gezeigt, wie zuletzt Felix Rehfeld und Marina Schulze. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Arbeiten aus der Leipziger Schule, beispielsweise von Neo Rauch, Arno Rink (dessen Werk die Galeristin sehr schätzt) und deren Schüler*innen. Der Kuppelsaal bleibt den größeren Namen und Formaten vorbehalten, doch die Studio-Schauen im Eckraum, der (durch gestalterisch durchaus diskutierbare Edelholz-Einbauwände) vom großen Saal abgeteilt ist, geben Künstler*innen Raum, die noch am Anfang stehen, wie beispielsweise Alina Grasmann, ebenfalls eine Kneffel-Schülerin. Stark experimentelle Positionen oder Medien sind jedoch nicht die Sache der Galerie Noah, das Profil ist klar auf figurative Malerei plus ein wenig Skulptur ausgerichtet – eindeutig an den Vorlieben der Galeriekunden orientiert (und wohl auch an denen von Ignaz Walter …). Eine Galerie ist ein Unternehmen, kein Museum, und so bildet die Marktfähigkeit der gezeigten Kunst ein nachdrückliches Kriterium.

Mit etwa zehn 450-Euro-Kräften, einer Sekretärin und einigen Praktikant*innen managt Sedelmeier die Galerie. Für das Jahr 2019 hat sie nach der großen Anselm-Kiefer-Ausstellung ab Ende Mai fünf weitere Einzelpräsentationen geplant. Im Kuppelsaal werden Arbeiten von Christian Awe, Heiner Meyer, Norbert Tadeusz, Arno Rink und Helge Leiberg zu sehen sein. Hinzu kommen die Studio-Schauen. Da gibt es unter anderem Harald Gnade und Burghard Held. Die Teilnahme an den relevanten Kunstmessen, wie es sie in der Vergangenheit gelegentlich gab – wichtiger Part der Galeriearbeit – ist für die Zukunft wieder angedacht, jedoch nicht mehr in diesem Jahr.

Wer in der Galerie Noah als Käufer fündig werden möchte, sollte schon ein paar Euro übrig haben, den weniger finanzstarken Kunstinteressierten bleibt die Inbesitznahme der Kunst mit den Augen. Doch wie auch immer Absichten und Möglichkeiten gelagert sind: Ein Besuch der Galerie Noah mit ihrer eindrucksvollen Atmosphäre lohnt sich. Nächste Möglichkeit (die man sich nicht entgehen lassen sollte) ist die Anselm-Kiefer-Ausstellung.

Anselm Kiefer – Aus der Sammlung Walter, 9. Februar bis 19. Mai 2019             

Über die Dauer der Ausstellung werden auf vorherige Anfrage museumspädagogische Führungen angeboten.


www.galerienoah.com

Abbildung: Anselm Kiefer, »Frauen der Antike«, Gips, Stacheldraht, Natodraht, 190 x 210 x 160 cm

Thema:

Weitere Positionen

17. Juni 2019 - 8:40 | Jürgen Kannler

»Positive und kreative Utopien zu entwickeln, bedeutet nicht Naivität, sondern praktische Vernunft« – tim-Direktor Karl B. Murr im Interview mit a3kultur

14. Juni 2019 - 14:04 | Patrick Bellgardt

Vom 14. bis 16. Juni steigt das Internationale Django Reinhardt Festival im Parktheater des Kurhauses Göggingen. Der Augsburger Vibraphon-Virtuose Wolfgang Lackerschmid gestaltet den Abschluss des Gipsy-Jazz-Events. Ein Interview

11. Juni 2019 - 10:48 | Renate Baumiller-Guggenberger

Auf einer Pressekonferenz im martini-Park präsentierte das Produktionsteam das Konzept und die Protagonisten ihr Stimmvermögen: Man darf sich freuen auf die Premiere von Andrew Lloyd Webbers Rockoper »Jesus Christ Superstar« am 29. Juni auf der Freilichtbühne.

don_pasquale_staatstheater augsburg_2019_foto_jan-pieter_fuhr_8265.jpg
11. Juni 2019 - 10:47 | Bettina Kohlen

Gaetano Donzettis Komische Oper »Don Pasquale« setzt auf konsequentes Liebesgewirr. Die Inszenierung am Staatstheater Augsburg ist in dieser Spielzeit nur noch kurz zu sehen, kommt aber in der nächsten Saison wieder auf die Bühne im martini-Park.

11. Juni 2019 - 10:27 | Renate Baumiller-Guggenberger

Der »Newcomer«-Tanzabend zeigt im Gaswerk neun Uraufführungen von und mit dem Ballett Augsburg.

11. Juni 2019 - 10:19 | Renate Baumiller-Guggenberger

Preisträgerkonzert mit Mozart, Tschaikowski und Elzbieta Sikora: Der 10. Internationale Violinwettbewerb Leopold Mozart fand seinen krönenden Abschluss im Kongress am Park und hinterließ ein glückliches und stolzes Leitungsteam.

10. Juni 2019 - 8:45 | Gast

Nach Umbau und Renovierung feiert die Kresslesmühle ihre Wiedereröffnung. Marion Buk-Kluger sprach mit dem zuständigen Referenten Reiner Erben über das, was bleibt, und Neuerungen, die dem ursprünglichen Zweck des Hauses als interkulturelle Begegnungsstätte dienen sollen.

Fotomontage: Susanne Thoma, Foto Haller: Fred Schöllhorn
6. Juni 2019 - 16:29 | Susanne Thoma

Pareaz e.V. hat zusammen mit dem Quartiersmangagement Oberhausen ein Projekt der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit mit dem Titel »Bring' den Haller auf den Platz!« gestartet.

6. Juni 2019 - 10:12 | Dieter Ferdinand

Am 3./4. Juni brachte das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Augsburg unter dem Motto »Idée Fixe« sein 7. Sinfoniekonzert zur Aufführung.

5. Juni 2019 - 14:49 | Renate Baumiller-Guggenberger

Die Augsburger Ballett- und Tanzakademie Daniel Záboj präsentierte als Jahresabschluss den Tanzabend »Body Talks five« im ausverkauften abraxas.