Ausstellungen & Kunstprojekte

Kindliches Schaffen

Iacov Grinberg
16. Dezember 2015

Es gibt in Augsburg eine Galerie, die in der Regel Arbeiten von nicht gerade jungen Augsburger Künstlern zeigt. Das ist die Galerie Unikat. Diesmal sind in den zwei Räumen der Galerie Arbeiten von Lisa Beck unter dem Titel »Lisa Beck …wie sie keiner kennt!«, ausgestellt.

Und wirklich, eine der Seiten von Lisa Becks Schaffen, die in dieser Ausstellung gezeigt wird, kennt keiner, denn man kennt sie eigentlich als die Grafikerin, die sich ihr ganzes Leben mit Schrift beschäftigt hat. Die Absolventin der Kunstschule Augsburg war ab 1952 als freiberufliche Grafik-Designerin, ab 1961 als Lehrkraft an der Werkkunstschule Augsburg und IHK Augsburg-Schwaben und von 1971 bis 1990 als Professorin an der Fachhochschule Augsburg im Fachbereich Gestaltung mit Schwerpunkt Schriftgestaltung tätig. Für ihre schriftpädagogische Lebensleistung wurde ihr 1998 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Auch ihre heutigen grafischen Arbeiten, die in einem Raum ausgestellt sind, erinnern sehr an ihre kalligraphischen Handschriftbuchstaben, die sie mit lockerer Hand und zum Teil auch in Farbe aufgetragen hat.

Sechs der gezeigten Büchlein sind illustrierte Märchen, einige davon gute Bekannte wie die von den Gebrüdern Grimm. Aber auch einige mit Texten, die von einer Mitschülerin verfasst und von ihr illustriert wurden. Alle diese Texte sind handschriftlich von ihr als Mädchen in den Jahren 1939-1945 geschrieben worden. Teile dieser Illustrationen sind Kopien, viele dagegen beruhen auf ihrem eigenständigen Schaffen. Auch einige von Hand geschriebene bekannte Gedichte, mit ihren Illustrationen zu Goethe, Rilke und Mörike sind zu sehen. Es sind Aquarelle, die mit feiner Technik und breiter Palette angelegt wurden und es sind schon ganz reife künstlerische Arbeiten. Käfer und Pflanzen, Feen und Zwerge, eine Kutsche, die von Schmetterlingen gezogen wird, alles in harmonisch aufeinander abgestimmten Farben. Das ist ein Paradies der kindlichen Freude und ganz typisch für die Ästhetik der damaligen Kinderbücher. Man kann nur bedauern, dass sie nicht die Laufbahn einer Buchillustratorin gewählt hat. Diese Arbeiten hat seit ihrer Schulzeit niemand mehr gesehen, denn sie ruhten aufgeräumt und fast vergessen bis vor kurzem in einer Schublade auf dem Dachboden!

Sie können diese anmutigen Arbeiten nur noch bis zum 19. Dezember bewundern und das ist sehr schade. Es scheint mir, dass diese Ausstellung eine Fortsetzung verdient hat. Zum Beispiel an den Wänden des Maria-Theresia Gymnasiums, das Lisa Beck bis 1947 besuchte und mit dem Abitur abschloss. Es wäre zweckmäßig, den heutigen Gymnasiasten das Schaffen ihrer damaligen Mitschülerin zu zeigen. Der Galerist Ulli Nerdinger hat versprochen, den Versuch zu unternehmen, eine solche Fortsetzung zu ermöglichen.
(Iacov Grinberg)

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