Kinokuchen-Katastrophe

9. März 2016 - 8:54 | Thomas Ferstl

Was Sie diesen Monat Kurioses im Kino sehen können, lesen Sie hier.

Da bewege ich mich schon mal weg von Leinwand, Bildschirm bzw. Tastatur, um Ihnen einmal einen seriösen Beitrag zu liefern, und was passiert dann? Genau: Desaster. Anlässlich des Films »Birnenkuchen mit Lavendel« wollte ich Ihnen erklären, wie man Birnenkuchen backt, damit Sie vor, nach oder während des Films, wenn Sie denn so ein Essensschmuggler sind, leckeren Kuchen naschen können. Das bisschen Eierschale im Kuchen war noch das kleinste Übel. Das Mistding war da nicht mehr rauszukriegen, aber mal ehrlich, das schmeckt am Ende doch eh niemand. Als der Teig dann fertig war, ging es ab damit in den Ofen, und da ahnen Sie es vielleicht schon. Um die Wartezeit zu überbrücken, habe ich Netflix geguckt und den Kuchen natürlich vergessen. Erst als dicke Rauchschwaden aus der Küche herüberwehten, entsann ich mich des Gebäcks im Ofen. Das runde Stück Kohle auf dem Backblech erinnerte nur noch entfernt an das, was es eigentlich sein sollte. Ich bin dann rüber zum Discounter meines Vertrauens und hab zwei Quarktaschen und eine Birne gekauft, war auch lecker. Ob der genannte Film etwa taugt und was Sie diesen Monat noch so Kurioses im Kino sehen könne, lesen Sie hier:

»Birnenkuchen mit Lavendel« (10. März, CinemaxX, Kinodreieck)

Seit dem Tod ihres Mannes ist Louise (Virginie Efira) alleinerziehend, außerdem bewirtschaftet sie den familiären Birnen- und Lavendelhof in der Provence. Nebst Privatleben sieht auch die wirtschaftliche Zukunft von Louise düster aus. Ihr Birnenkuchen ist zwar lecker, aber die Einnahmen reichen nicht, um den Kredit für ihren Hof zu tilgen. Erst als sie den bis dahin Fremden Pierre (Benjamin Lavernhe) anfährt, beginnt sich ihr privates und geschäftliches Schicksal zu wenden. Der Asperger-Patient kann gut mit Zahlen und seiner Unfallfahrerin. Beide Schauspieler brillieren und die Bilder aus der Provence sind herrlich anzusehen. Der Plot hingegen ist tatsächlich ein Unfall. Zwar keine Massenkarambolage, aber ein kleiner Auffahrunfall mit Blechschaden ist er schon. Éric Besnard ist es leider nicht gelungen, die thematische Tiefe des Asperger-Syndroms auszuschöpfen oder interessante Wendungen einzubauen. Wem das egal ist, kann sich auf leichte Kinounterhaltung freuen. Wer sich etwas intensiver mit Asperger im Film beschäftigen möchte, ist mit »Mozart und der Wal« (2005) oder »Im Weltraum gibt es keine Gefühle« (2010) gut beraten.

Mit »Eddie the Eagle« (31. März, CinemaxX, Cineplex) kommt diesen Monat ein sehr spezielles Biopic in die Kinos. Seit seiner Kindheit träumt der Brite Michael »Eddie« Edwards (Taron Egerton) davon, einmal an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Nachdem er sich erfolglos in verschiedenen Sportarten versucht hat, wird Ende der 1980er-Jahre sein Interesse am Skispringen geweckt, dem er sich trotz fehlender Erfahrung schließlich immer intensiver widmet. Um sich gebührend auf eine mögliche Olympiateilnahme vorzubereiten, nimmt er an einigen internationalen Wettbewerben teil. Als er dabei Ex-Skiass Bronson Peary (Hugh Jackman) kennenlernt, rückt sein Traum von Olympia in greifbahre Nähe. Der Film ist eine waschechte Feel-good-Komödie, aber da er sogar den echten Michael Edwards überzeugte, sollte es keine weiteren Argumente mehr brauchen, um diesen Film zu empfehlen. 

(Foto: David Koskas)

Thema:

Weitere Positionen

29. Oktober 2020 - 14:52 | Martin Schmidt

Sebastian Karner, neuer 1. Vorsitzender der Club & Kulturkommission Augsburg, spricht im Interview mit a3kultur über die Zukunft der Clubszene in Corona-Zeiten.

29. Oktober 2020 - 13:08 | Dieter Ferdinand

Am 21. Oktober hielt Dr. Michael Mayer im Festsaal der Synagoge den Vortrag »Judenfeindschaft im Schatten des Holocaust. Die antisemitische Politik des französischen Vichy-Regimes«.

27. Oktober 2020 - 11:07 | Jürgen Kannler

Das Streichkonzert beim ersten Etat unter Corona-Bedingungen hat begonnen. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

23. Oktober 2020 - 15:37 | Patrick Bellgardt

Die ersten Wochen der neuen Saison sind gespielt, nun steigen die Corona-Fallzahlen wieder. Theatermacher*innen wie André Bücker und Sebastian Seidel müssen unter wechselnden Pandemiebedingungen arbeiten.

22. Oktober 2020 - 9:15 | Bettina Kohlen

Der vielseitig tätige Künstler Felix Weinold ist aktuell mit mehreren Ausstellungen in der Region präsent, darunter ist auch eine umfangreiche Einzelschau im Augsburger Holbeinhaus.

20. Oktober 2020 - 10:39 | Dieter Ferdinand

Im Kulturhaus abraxas las der Schauspieler Matthias Klösel den Bericht des Auschwitz-Überlebenden Ludwig Frank.

19. Oktober 2020 - 10:56 | Patrick Bellgardt

»Kunst und Kultur im Quartier – Wie geht das zusammen und was soll das?« Diese Frage stellte sich eine Diskussionsrunde, zu der die a3kultur-Redaktion Anfang Oktober auf das Gaswerkgelände geladen hatte.

16. Oktober 2020 - 11:02 | Max Kretschmann

Am 9. Oktober feierte das Sensemble Theater in Kooperation mit dem Neuen Theater Burgau die Premiere von Friedrich Dürrenmatts »Der Mitmacher«. Regie führte Phillip J. Neumann, assistiert von Lisa Bühler. In den Hauptrollen waren Heiko Dietz, Dörthe Trauzeddel und Birgit Linner zu sehen.

15. Oktober 2020 - 13:49 | Renate Baumiller-Guggenberger

In den zwei Freistil-Konzerten am Montag- und Dienstagabend im Kleinen Goldenen Saal katapultierten Sarah Christian und Maximilian Hornung ausgewählte Streich- und Klaviertrios von Beethoven und Mozart sowie Gabriel Faurés erstes Klavierquartett (c-Moll) in schwindelerregende Höhen

14. Oktober 2020 - 16:28 | Bettina Kohlen

Eine Ausstellung im Grafischen Kabinett mit Arbeiten des Bildhauers Fritz Koelle macht dessen politisch durchaus ambivalente Haltung deutlich.