Film

Kinokuchen-Katastrophe

Thomas Ferstl
9. März 2016

Da bewege ich mich schon mal weg von Leinwand, Bildschirm bzw. Tastatur, um Ihnen einmal einen seriösen Beitrag zu liefern, und was passiert dann? Genau: Desaster. Anlässlich des Films »Birnenkuchen mit Lavendel« wollte ich Ihnen erklären, wie man Birnenkuchen backt, damit Sie vor, nach oder während des Films, wenn Sie denn so ein Essensschmuggler sind, leckeren Kuchen naschen können. Das bisschen Eierschale im Kuchen war noch das kleinste Übel. Das Mistding war da nicht mehr rauszukriegen, aber mal ehrlich, das schmeckt am Ende doch eh niemand. Als der Teig dann fertig war, ging es ab damit in den Ofen, und da ahnen Sie es vielleicht schon. Um die Wartezeit zu überbrücken, habe ich Netflix geguckt und den Kuchen natürlich vergessen. Erst als dicke Rauchschwaden aus der Küche herüberwehten, entsann ich mich des Gebäcks im Ofen. Das runde Stück Kohle auf dem Backblech erinnerte nur noch entfernt an das, was es eigentlich sein sollte. Ich bin dann rüber zum Discounter meines Vertrauens und hab zwei Quarktaschen und eine Birne gekauft, war auch lecker. Ob der genannte Film etwa taugt und was Sie diesen Monat noch so Kurioses im Kino sehen könne, lesen Sie hier:

»Birnenkuchen mit Lavendel« (10. März, CinemaxX, Kinodreieck)

Seit dem Tod ihres Mannes ist Louise (Virginie Efira) alleinerziehend, außerdem bewirtschaftet sie den familiären Birnen- und Lavendelhof in der Provence. Nebst Privatleben sieht auch die wirtschaftliche Zukunft von Louise düster aus. Ihr Birnenkuchen ist zwar lecker, aber die Einnahmen reichen nicht, um den Kredit für ihren Hof zu tilgen. Erst als sie den bis dahin Fremden Pierre (Benjamin Lavernhe) anfährt, beginnt sich ihr privates und geschäftliches Schicksal zu wenden. Der Asperger-Patient kann gut mit Zahlen und seiner Unfallfahrerin. Beide Schauspieler brillieren und die Bilder aus der Provence sind herrlich anzusehen. Der Plot hingegen ist tatsächlich ein Unfall. Zwar keine Massenkarambolage, aber ein kleiner Auffahrunfall mit Blechschaden ist er schon. Éric Besnard ist es leider nicht gelungen, die thematische Tiefe des Asperger-Syndroms auszuschöpfen oder interessante Wendungen einzubauen. Wem das egal ist, kann sich auf leichte Kinounterhaltung freuen. Wer sich etwas intensiver mit Asperger im Film beschäftigen möchte, ist mit »Mozart und der Wal« (2005) oder »Im Weltraum gibt es keine Gefühle« (2010) gut beraten.

Mit »Eddie the Eagle« (31. März, CinemaxX, Cineplex) kommt diesen Monat ein sehr spezielles Biopic in die Kinos. Seit seiner Kindheit träumt der Brite Michael »Eddie« Edwards (Taron Egerton) davon, einmal an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Nachdem er sich erfolglos in verschiedenen Sportarten versucht hat, wird Ende der 1980er-Jahre sein Interesse am Skispringen geweckt, dem er sich trotz fehlender Erfahrung schließlich immer intensiver widmet. Um sich gebührend auf eine mögliche Olympiateilnahme vorzubereiten, nimmt er an einigen internationalen Wettbewerben teil. Als er dabei Ex-Skiass Bronson Peary (Hugh Jackman) kennenlernt, rückt sein Traum von Olympia in greifbahre Nähe. Der Film ist eine waschechte Feel-good-Komödie, aber da er sogar den echten Michael Edwards überzeugte, sollte es keine weiteren Argumente mehr brauchen, um diesen Film zu empfehlen. 

(Foto: David Koskas)

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