Klassiker im Neonlicht

1. Juli 2020 - 14:18 | Thomas Ferstl

Die Kinos sind zurück, unter anderem mit der Adaption eines Romans von Alfred Döblin. Projektor – die a3kultur-Filmkolumne

Jauchzet, frohlocket, nach einem fulminanten Einstand für die Autokinos in der Region startet auch der Betrieb in Augsburgs Lichtspielhäusern wieder. Grundsätzlich sind Kinovorstellungen in geschlossenen Räumen im Freistaat bereits seit dem 15. Juni unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen wieder erlaubt. Welcher Film sich diesen Monat besonders lohnt, erfahren Sie wie immer hier:

»Berlin Alexanderplatz« (ab 1. Juli) von Burhan Qurbani erzählt die Geschichte von Francis (Welket Bungué). Auf der Flucht von Afrika nach Europa kentert er und rettet sich mit letzter Kraft an einen Strand der Mittelmeerküste. Dort schwört er dem lieben Gott, dass er von nun an ein guter, ein anständiger Mensch sein will. Bald führt Francis’ Weg nach Berlin, und jetzt ist es an ihm, seinen Schwur auch einzuhalten. Doch die Lebensumstände als staatenloser Flüchtling machen es ihm nicht einfach. Das Schicksal wird ihn auf eine harte Probe stellen. Dann trifft er auf den zwielichtigen deutschen Drogendealer Reinhold (Albrecht Schuch) und die Leben der beiden Männer verbinden sich zu einer düsteren Schicksalsgemeinschaft. Immer wieder versucht Reinhold, Francis für seine Zwecke einzuspannen, immer wieder widersteht dieser. Schließlich wird Francis von Reinhold verraten und verliert bei einem Unfall seinen linken Arm.  Francis wird von Mieze (Jella Haase) aufgenommen und aus seiner Verzweiflung gerettet. Die beiden verlieben sich und werden ein Paar. Seine Geschichte könnte nun eigentlich gut ausgehen. Doch Francis kann der Anziehung von Reinhold nicht widerstehen.

Döblins Klassiker als Geschichte eines Flüchtlings während einer globalen ökonomischen Krise zu erzählen, in einer Stadt, die heute so vielfältig ist wie vor hundert Jahren, ist eine großartige Idee. Qurbanis Umsetzung dieser Idee ist, ohne übertreiben zu wollen, gewaltig. Drei Stunden fesselt dieser Film uns Zuschauer in einem Kosmos aus schillernden Farben, wummernden Tönen und intensiven Lebens- und Liebesgeschichten. »Berlin Alexanderplatz« ist eine neonfarbene Parabel gegen den Rassismus, die ohne moralischen Zeigefinger auskommt und mit einem starken Ensemble aufwartet. So geht junges deutsches Kino in den 2020ern.

Foto: Jella Haase und Welket Bungué als Mieze und Franz/Francis in »Berlin Alexanderplatz« (ab 1. Juli)

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