Ausstellungen & Kunstprojekte

Kleine – und sehr feine – Welten

Iacov Grinberg
2. Dezember 2015

Im Augsburger Kulturleben bilden sich allmählich neue Traditionen. Schon zum dritten Mal zeigt Fabian Schreyer im Anna-Café zur Weihnachtszeit neue Straßenfotografien, zum vierten Mal zeigt die Gruppe »Sieben Schwaben« ihre neue Arbeiten in der Galerie Süßkind und schon das fünfte Mal findet im Maximilianmuseum die Ausstellung »Kleine Welten« statt, die den Besuchern alte Spielzeuge zeigt. Jede solche Spielzeugausstellung hat ihren Schwerpunkt. Diesmal liegt er bei Puppengeschirr, Puppenmöbeln und Silberminiaturen.

Die Ausstellung scheint mir wie eine Fortsetzung der Kunstschrankausstellung. Im Augsburger Kunstschrank, einer Enzyklopädie zum Anfassen, waren viele Objekte im Kleinformat für die Ausbildung der künftigen Großhausherren versammelt – Brett- und Kartenspiele, mechanische und mathematische Instrumente. Hier sind jetzt zahlreiche Objekte für die Ausbildung der künftigen adeligen und großbürgerlichen Hausherrinnen vorhanden.

Die »Enzyklopädieartigkeit« ist durch die wirkliche Unmenge der kleinen Kuchenutensilien der Puppenküche bestätigt. Die Bestimmung von vielen konnte die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Christina von Berlin, nur mit Mühe entziffern, es ähnelte der Sendung »Dings vom Dach«. Und sowohl die Fertigungsqualität als auch die benutzten hochwertigen Materialien ähneln den Exponaten des Kunstschranks.

Puppenservice sind meistens aus Porzellan oder auch wie das winzige Teeservice für 10 Personen aus echtem vergoldetem Silber. Die Möbelstücke widerspiegeln die damalige Geschmäcker der Erwachsenen, sie sind nach den originalen Vorbildern aus besten Materialien gefertigt. Auch die Bezüge sind aus besten Materialien, beachten getreu die Zeichnungen der originalen Textilien.

Natürlich waren diese Spielzeuge – wie auch viele Silberminiaturen – in erster Linie nicht für Kinderpfötchen bestimmt. Meistens wurden sie zum Anschauen in Schränken hinter Glas aufbewahrt. Ein solcher Puppenschrank steht in dem benachbarten Raum und gehört zur Dauerausstellung. Aber ihre Anmut ist dadurch nicht gemindert.

Die Exponate der fünf Ausstellungen wiederholten sich nicht. Und nicht nur deshalb, weil es im Fundus des Museums viel mehr Objekte gibt, als in Dauerausstellung und Sonderausstellungen zu zeigen möglich ist. Sehr viele Objekte sind Leihgaben von Privatpersonen. Offenbar gibt es in den privaten Haushalten der Stadt und Umgebung sehr viel wunderbares altes Spielzeug. Nach jeder Ausstellung kommen Sammler und schlagen ihre Schmuckstücke für eine nächste Ausstellung vor. Vielleicht haben auch Sie etwas, was Wert ist, dem breiten Publikum präsentiert zu werden?
(Iacov Grinberg)

Bis 7. Februar ist die Ausstellung »Kleine Welten: Möbel, Silber, Porzellan – Kostbarkeiten für den Puppenhaushalt« zu sehen.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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