Kosmische Reise

1. Mai 2019 - 22:37 | Iacov Grinberg

Eine Zeile im Programm des Sparkassen-Planetariums weckte mein Interesse: Sie versprach am 25. April das Programm »Laniakea« mit Hang.

Laniakea ist Name eines lokalen Groß-Supergalaxienhaufens, der etwa 100.000 Galaxien, darunter unsere Milchstraße, umfasst. Hang ist ein neues Musikinstrument, für viele noch unbekannt. Es wurde im Jahr 2000 von Felix Rohner und Sabina Schärer in Bern erfunden und besteht aus zwei miteinander verklebten Halbkugelsegmenten aus einem gasnitrierten, nach einem patentierten Verfahren produzierten Stahlblech. Auf der oberen Halbschale befinden sich Klangfelder, die mit Hämmern ins Blech eingearbeitet sind. Beim Spielen kann die ganze Hand verwendet werden: Finger, Daumen, Handfläche und Handwurzel dienen dem Hervorrufen der Klänge. Die Spielweise des Hangs ist vielfältig und stark individuell geprägt. Die Musiker sagen, dass es immer Improvisation ist. Das Instrument ist nicht nur mit seinem Klang besonders, sondern auch grammatisch: Der Plural von Hang ist Hanghang.

Marius Müller, der diesem Abend spielte, hörte das Hang zum ersten Mal im Frühjahr 2009 in Heidelberg. Begeistert schrieb er den Erfindern/Produzenten in Bern. Ein Jahr später verbrachte er den ganzen Tag mit der Auswahl seines Instruments. Seitdem spielt Müller fast ausschließlich Hang.

Im Planetarium tritt er als »Hangonauten« zusammen mit Tom Simonetti auf, der eine Elektronik steuert. Diese nimmt die Laute des Hangs auf und akzentuiert sie. Die Zuhörer hören konsolidierte, originale und elektronisch bearbeitete Töne. Die gedehnten Hang-Laute mit vielen Unter- und Obertönen finden einen Gleichklang im menschlichen Körper. Aus diesem Grund ist das Duo häufig zu Yoga-Veranstaltungen eingeladen. Sie präsentieren auch Konzerte, bei denen Menschen Musik liegend wahrnehmen und sich entspannen. Ausgerechnet für ein Yoga-Festival wurden sie 2012 erstmals ins Planetarium eingeladen. Zusammen mit den dortigen Mitarbeitern hat das Duo eine kosmische Bildreihe zusammengestellt, die sie mit ihrer Musik begleiteten. Seitdem spielen sie ein solches Programm zweimal im Jahr.

Der Auftritt am 26. April war anders als frühere, da im Planetarium eine neue Projektionstechnik installiert wurde. Sie erlaubt eine wesentlich hellere Projektion, viele neue Animationen, exzellente 3D-Effekte. Die neue Videoreihe entstand in Zusammenarbeit mit der Leiterin Dr. Ines Kaiser-Bischoff. Der Gesamteindruck der Bildreihe und der Töne war wirklich wunderbar.

Alles beginnt mit einem Bild, das für Kinder meiner Generation (Jahrgang 1949) noch zugänglich war: ein majestätischer schwarzer Himmel mit zahlreichen Sternen. Heute können Kinder dies wegen der allgegenwärtigen Lichtverschmutzung nur weit draußen auf dem Land beobachten. Zwischen scheinbar unbeweglichen Sternen hasteten manchmal Meteore vorbei. Langsam bewegten sich Satelliten. Wir tauchten in den Kosmos ein! Das Zusammenspiel der Bilder und Musik führte uns in die kosmische Tiefe, zu den Planeten und weiten Galaxien. Ganz sanft kehrten wir zurück, unter die Kuppel des Planetariums, mit dem Gefühl, dass wir auf einem Fest für die Seele waren.

Ich habe nach der Veranstaltung mit einigen Besuchern gesprochen: Alle waren der Meinung, dass sie ihren Bekannten ein Besuch dieser Veranstaltung, wenn sie wiederholt wird, empfehlen werden. Das empfehle ich auch Ihnen!

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