Kraft der Natur

26. Mai 2018 - 22:13 | Iacov Grinberg

Ausstellung »The power of nature« von Sergio Tapiro in der Neuen Galerie in Höhmannhaus

Die Ausstellung zeigt 24 Arbeiten des mexikanischen Fotokünstlers Sergio Tapiro. Er ist für seine Naturaufnahmen nicht nur weltbekannt, sondern, ungeachtet der Behauptung, dass es keinen Propheten in seinem eigenen Land gibt, auch in Mexiko berühmt. Er zeigt den Betrachtern die kaum bekannten Seiten seines Landes.

Die Kenntnisse eines durchschnittlichen deutschen Bürgers sind stark vom Fernsehen geprägt. Mexiko wird dabei in der ersten Linie mit dem Krieg der Drogenbanden, illegalen Einwanderern und der von Trump angekündigten Mauer entlang der Grenze assoziiert. Einige erinnern sich an die Künstlerin Frida Kahlo und ihren Mann, ebenfalls ein Künstler, Diego Rivera, an Sombreros und mexikanische Gitarristen. Über die Existenz von zahlreichen Vulkanen, die ihren majestätischen Schlaf mit heftigen Eruptionen unterbrechen, ist hierzulande nur wenig bekannt, obwohl sie eine große Rolle spielen, als Orte des Zorn Gottes oder höherer Kräfte in lokalen Kulturen. Im Unterschied zu den USA wurden autochthone Völker in Mexiko nicht teilweise ausgerottet oder in Reservate gesperrt. Alte Kulte prägen bis heute das geistliche Leben und die Religion.

Sergio Tapiro fotografiert Vulkane, in Ruhe und bei Eruptionen. Er wurde für seine Werke mit zahlreichen internationalen Preisen dekoriert. Seine Aufnahmen erfordern sehr viel Zeit, Geschick – und Glück. Man muss Vulkane aus einer respektvollen Distanz aufnehmen, nicht nur bei Eruptionen, sondern auch während ihrer vermeintlichen Ruhe: Keiner weiß zuverlässig, wann der nächste Ausbruch kommen wird. Man kann nicht, wie in einem Atelier, das Licht arrangieren – man muss geduldig auf günstige Wetter- und Lichtumstände warten und den richtigen Moment erwischen. Der Künstler erzählte, dass er eine ganze Woche auf eine vorhergesagte Eruption wartete, dann jedoch mit dem Auto nach Hause fuhr – ausgerechnet während des Heimwegs passierte es. Für seine preisgekrönte Aufnahme der Eruption des Colima vom 13.12.2016 wartete er auch viele Tage. Besonders beeindruckend ist die Zusammenstellung des Vulkans – ein Flachland mit einem kleinen Hügel am Horizont, mit seinen Eruptionen.

Ein zweiter Schwerpunkt des Künstlers ist das, bei uns fast unbekannte, mexikanische Folklorbalett. Mexiko litt, wie anderes Land, lange Zeit unter dem Druck der Kultur Hollywoods, die lokale Kultur existierte irgendwo in den Hinterhöfen. Seit den 70er-Jahren gibt es eine Renaissance, erst bei Enthusiasten, später schon beim breiten Publikum. Sechs Aufnahmen des »Balett Folklórico de la Universidad de Colima« zeigen uns ein farbenprächtiges Bild des mexikanischen Volkstanzes, der dank der Bemühungen von Studenten wiederbelebt wurde.

Die großformatigen Bilder im Höhmannhaus sind wesentlich eindrucksvoller als ihre Reproduktionen in Zeitschriften oder Katalogen. Man sollte diese Aufnahmen in ihrer vollen Größe betrachten, was noch bis zum 15. Juli möglich ist.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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