Krank, aber noch zu retten

25. November 2014 - 16:26 | Jürgen Kannler

Studie bekräftigt – Mozart hat unter bestimmten Voraussetzungen eine gute Lebenserwartung in Augsburg.

In der Novembersitzung des Kulturausschusses im Augsburger Rathaus ging es wieder einmal um die Dachmarke Mozart. Anlass des Tagesordnungspunkts war der Bericht von Martin Dehli, seines Zeichens Führungskraft bei actori, einer in München beheimateten Beratungsagentur, die in Kulturfragen einen guten Ruf genießt. In Interviews und Workshops mit führenden Protagonisten der hiesigen Mozartszene machte sich das actori-Team ein Bild vom Zustand der Marke Mozart in Augsburg. Es analysierte dafür unter anderem die regionale Bedeutung und Verwurzelung des Themas, das mögliche Potenzial überregionaler Strahlkraft und den Grad der Interaktion und Vernetzung der relevanten Spieler vor Ort. Klugerweise verloren sie keine Worte über die Qualität der einzelnen Programme, sondern unterstrichen, dass vor allem die Tatsache, wie breit die Künstlerfamilie hier aufgestellt ist, für die Zukunft Bedeutung hat. Der actori-Befund lautet: Das Thema Mozart in Augsburg krankt vor allem daran, dass es in der Vergangenheit nicht gelungen ist, die einzelnen Kräfte zu bündeln. Daraus ergibt sich die empfohlene Genesungskur mit folgenden Therapieeinheiten: 1. Mozartbüro mit mindestens eineinhalb professionell besetzten Stellen installieren. 2. Daraus Serviceplattform (möglicherweise als gGmbH) für Künstler, Programmmacher, Schulen und Musikliebhaber entwickeln. 3. Auf dieser Basis gemeinsame Marketingmaßnahmen und Fundraisingprojekte entwickeln, ohne dabei die individuellen Stärken und Leistungen zu verwässern.

Das Fazit: Die Therapie ist dann sinnvoll, wenn sich Augsburg ehrlich als Kulturstadt etablieren will und bereit ist, die dafür anfallenden Kosten von rund 200.000 Euro pro Jahr zu übernehmen. Lippenbekenntnisse wie das Ausrufen von Dachmarken, ohne die dafür erforderlichen Etats bereitzustellen, sind nicht nur kontraproduktiv, sie sind lächerlich. Ein Blick auf die Klassikfestivalbudgets vergleichbarer Städte zeigt: Bedeutung erlangt, wer investiert. Die Voraussetzungen dafür, das Thema Mozart in Augsburg aufzustellen, sind günstig. Der actori-Prozess hat den stellenweise unterkühlten Umgang einzelner Mozartprotagonisten miteinander in eine akzeptable Dialogform gebracht. Mit Thomas Weitzel hat die Stadt einen Kulturreferenten, der als ausgezeichneter Kenner dieser Branche gilt. 2019 feiern wir den 300. Geburtstag von Leopold Mozart. Weitzel plant aus diesem Anlass die Einspielung aller relevanten Werke des Meisters und die Wahrnehmung des Themas stärker im hiesigen Bildungskontext zu verankern. Nun muss gehandelt werden, und das kostet Geld.

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