Politik & Gesellschaft

Kultur Bezirk 2016

Patrick Bellgardt
28. Januar 2016

Gleich zu Beginn der diesjährigen Programmpräsentation machte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert einmal mehr seinen Standpunkt deutlich: »Die Kultur ist ein wesentlicher Faktor, der das Leben in einer Region erst lebenswert macht.« Damit dies in Bayerisch-Schwaben weiterhin so bleibt, hält der Bezirk seine Investitionen im Vergleich zum Vorjahr auf einem konstanten Niveau: 9,5 Millionen Euro (2015: 8,9 Millionen Euro) sind in dem kürzlich verabschiedeten Haushalt 2016 für Kultur vorgesehen.

Dieses finanzielle Engagement trägt die unterschiedlichsten Früchte: Der Bezirk ist Träger eigener Museen und hat über die Bezirksheimatpflege sowie die Beratungsstellen für Trachtenkultur bzw. Volksmusik maßgeblichen Anteil an der Wahrung kultureller Traditionen in unserer Region. Darüber hinaus initiiert und fördert er zahlreiche weitere Projekte und Institutionen. Hierzu zählen das Schwäbische Jugendsinfonieorchester ebenso wie der Bahnpark Augsburg, das Diedorfer Theater Eukitea oder der jährlich verliehene Schwäbische Literaturpreis.

Auch im Bereich Kulturbaustellen – dem Themenschwerpunkt der aktuellen a3kultur-Ausgabe – hat der Bezirk in den vergangenen Jahren seine Hausaufgaben gemacht. Eine der größten Maßnahmen wurde Ende Juni 2015 erfolgreich abgeschlossen: der Umbau und die Neukonzeption des Museums KulturLandRies (ehemals Rieser Bauernmuseum). 2016 steht mit der Eröffnung des Süddeutschen Schützenkompetenzzentrums in Illerbeuren ein weiteres Großprojekt vor dem Abschluss. Der frühere Ochsenstall im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld samt der darin präsentierten Dauerausstellung stehen demnächst ebenfalls auf dem Plan. Der Bezirk zeigt sich für die Zukunft gut aufgestellt, das macht nicht nur der Blick in die Programmhefte deutlich.
www.bezirk-schwaben.de

a3kultur präsentiert Ihnen einen ersten Überblick.

Forschungs- und Beratungsstelle für Volksmusik
»Bier gewinnt!« Musik und Geschichten rund ums Bier gibt es am 11. März im Kloster Thierhaupten. Anlässlich des 500. Jubiläums des Reinheitsgebots präsentiert die Forschungs- und Beratungsstelle für Volksmusik ein (feucht-)fröhliches Programm zum Mitsingen – und Mittrinken. Bereits am 14. Februar werden im Parktheater im Kurhaus Göggingen die alten und neuen Schätze der Volksmusik ausgegraben. Mit von der Partie sind unter anderem der Lauterbacher Dreigesang, die Saitenmusik Kronwitter und der Drehleier- und Bandoneon-Virtuose Stefan Straubinger. Traditionelle bayerische Klänge im Zusammenspiel mit afghanischen, türkischen und italienischen Rhythmen bietet der Jam der Kulturen. Jeden ersten Dienstag im Monat findet der interkulturelle Musikertreff um 20 Uhr im Kulturcafé Neruda statt.
www.volksmusik-schwaben.de

Schloss Höchstädt
Kinder und Krieg – mit diesem Widerspruch arbeitet die diesjährige Sonderausstellung »Heimatfront Kinderzimmer« im Schloss Höchstädt. Vom 1. April bis 9. Oktober wird gezeigt, wie die Kriegspropaganda Einzug in den Alltag der Kleinsten hielt. Die Ausstellung möchte Kriegsspielzeug und Krieg spielen weder verteufeln, noch verherrlichen, sondern durch einen Blick auf die Geschichte zu eigenem Nachdenken anregen: Alle spielen Krieg, wie spielt man Frieden? Im Begleitprogramm zu »Heimatfront Kinderzimmer« präsentiert das Theater Eukitea am 24. April das Stück »Sophie Scholl – Innere Bilder«, das auf Briefen und Texten der Mitbegründerin der Weißen Rose beruht.
www.hoechstaedt-bezirk-schwaben.de

Schwäbisches Jugendsinfonieorchester
»Mit welchen Werken kann ich die jungen Musiker begeistern?« Diese Frage stellt sich für Allan Bergius immer wieder aufs Neue. Der SJSO-Dirigent hat zweimal im Jahr die Möglichkeit, Klassik-Juwelen für sein Orchester auszuwählen. Im Rahmen der Frühjahrskonzerte präsentieren die Jugendlichen Giuseppe Verdis Ouvertüre zur Oper »La forza del destino«, Robert Schumanns Klavierkonzert, a-moll, op. 54 und Dimitri Schostakowitschs Sinfonie Nr. 5, d-moll, op. 47. Als Solistin ist die Pianistin Anastasia Zorina zu hören. Die Termine im Überblick: Großer Kursaal Bad Wörishofen (1. April), Musikakademie Marktoberdorf (2. April) und Kongress am Park Augsburg (3. April).
www.sjso.de

Hammerschmiede und Stockerhof
Eine Ausstellung in acht Takten ist vom 26. April bis 6. November in der Hammerschmiede und Stockerhof Naichen unter dem Titel »Landlerisch« zu sehen. Als Ländler oder Landler wird eine ganze Familie von Tänzen bezeichnet, die ein aufsehenerregendes Gesamtkunstwerk aus Instrumentalmusik, Gesang und Paschen oder Platteln ergibt. Die Ausstellung führt durch zwei Jahrhunderte abwechslungsreicher Geschichte, ergänzt um audiovisuelle Medien und unterhaltsame Mitmachstationen.
www.hammerschmiede-naichen.de

Museum KulturLand Ries
Das ehemalige Rieser Bauermuseum in Maihingen startet am 15. März mit neuem Namen in die Saison. Nicht mehr passend und zeitgemäß kam die alte Bezeichnung daher. Nach einem Aufruf gingen zahlreiche Vorschläge aus der Bevölkerung ein, ehe der neue Name gefunden war: Museum KulturLand Ries. Beheimatet in einer barocken Klosteranlage bietet das Haus reiche volkskundliche Bestände, die einen Überblick über die Alltagskultur des Rieses und die dortige Landwirtschaft ermöglichen. Im Juni 2015 wurde die neue Dauerausstellung im Brauhaus nach über zwei Jahren Planungs- und Bauzeit eröffnet. Neben dieser noch ganz frischen Präsentation zeigt das Museum vom 23. März bis 29. Mai die Sonderschau »Leben nach Luther. Eine Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses«.
www.museumkulturlandries.de

Schwäbisches Volkskundemuseum
In den letzten Jahren ist wieder zunehmend ein Trend zum »Selbermachen« zu erkennen. Do it yourself, kurz DIY, heißt das Stichwort. Handgemachtes als Alternative zur industrialisierten Massenware wird wieder wertgeschätzt. Mit diesem Thema spannt das Schwäbische Volkskundemuseum Oberschönenfeld einmal mehr den Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart. Die Sonderausstellung »Do it yourself – Machs doch selber« beleuchtet vom 13. März bis 9. Oktober den Bedeutungswechsel des Selbermachens in den letzten rund hundert Jahren, gewährt Einblicke in verschiedene Praktiken und Ursachen. Von der Seifenkiste bis zum Wohnzimmer aus Upcycling-Möbeln gibt es einiges zu entdecken.
www.schwaebisches-volkskundemuseum.de

Schwäbische Galerie
Insgesamt sechs Kunstausstellungen stehen auf dem Programm der Schwäbischen Galerie im Volkskundemuseum Oberschönenfeld. Noch bis zum 21. Februar zeigt Georg C. Wirnharter Gemälde, Grafiken und Tonreliefs aus drei Jahrzehnten. Menschendarstellungen, Städtebilder, Landschaften und Genrebilder treffen dabei auf Interieurs und Stillleben. Die anschließende Ausstellung »Evas Töchter« präsentiert Werke von Gabriele Fischer, Agnes Keil und Christiane Osann. Die drei Künstlerinnen stellen vom 28. Februar bis 10. April Frauenbilder in den Mittelpunkt ihrer Schau.
www.schwaebisches-volkskundemuseum.de

Bezirksheimatpflege
Gleich zu Beginn des Jahres kann Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl ein Highlight präsentieren. In Kooperation mit dem Bildungswerk des Bayerischen Bezirkstags, der Uniklinik Ulm und dem Bezirkskrankenhaus Günzburg findet am 4. und 5. Februar die internationale historische Tagung »Psychiatrie im Ersten Weltkrieg« in der Schwabenakademie Irsee statt. Neben der Frage nach dem Umgang mit psychisch traumatisierten Soldaten steht das Hungersterben in den Heil- und Pflegeanstalten im Mittelpunkt. Weitere Infos und Anmeldung unter: www.schwabenakademie.de. Im Spätsommer widmet sich die Bezirksheimatpflege dann der »Bier- und Wirtshauskultur in Bayern«. Bei einer Tagung zu diesem Thema am 22. und 23. September wird unter anderem das 500-jährige Jubiläum des Reinheitsgebots eine Rolle spielen. Veranstaltungsort ist auch hier die Schwabenakademie Irsee.
www.heimatpflege-schwaben.de

Schwäbisches Bauernhofmuseum
2016 steht im Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren alles im Zeichen der Schützen. Im Laufe des Jahres soll ein neuer rund 700 Quadratmeter großer Neubau eröffnet werden: das Süddeutsche Schützenkompetenzzentrum. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Angefangen bei frühneuzeitlichen Schützenfesten bis zu den olympischen Spielen 1972 in München werden zahlreiche Aspekte aus 600 Jahren Schützengeschichte thematisiert – auch aus einer kritischen Perspektive, wie der Leiter des Museums, Dr. Philipp Herzog, verspricht. Der österreichische Historiker trat sein Amt erst vor rund einem halben Jahr an und kann somit am 1. März seinen ersten Saisonauftakt feiern. Weitere Highlights im Programm sind unter anderem der Tag der Volksmusik am 10. Juli, das Kinderfest am 7. August sowie die Handwerkertage am 10. und 11. September.
www.bauernhofmuseum.de

Trachtenkulturberatung
Mit der 1. Trachten-Werk-Woche feiert die Trachtenkulturberatung vom 29. März bis 3. April in diesem Jahr eine Premiere. Die Jugendbildungs- und Begegnungsstätte in Babenhausen verwandelt sich hierfür in eine Werkstatt. In sieben thematisch gegliederten Kursen – von Frauenoberteilen über Männerhemden und Knopfmacherei bis hin zu Zierkanten – können Interessierte tief in die handwerkliche Kunst einsteigen. Von August bis November bietet die Trachtenkulturberatung auf zahlreichen Märkten in der Region passende Stoffe oder fertige Produkte. Der 18. Schwäbische Trachtenmarkt am 8. und 9. Oktober im Landauer-Haus und im Gasthof Munding in Krumbach oder der 4. Textilmarkt im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg am 19. und 20. November sind dabei nur zwei empfehlenswerte Ziele.
www.trachten-schwaben.de

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