Kulturelle Bildung priorisieren

20. März 2018 - 10:57 | Tanja Selder

Mit dem »Kulturkiesel« ging am 19. März eine neue Plattform für kulturelle Bildung in der Stadt Augsburg online.

Die Website ist das Ergebnis der gebündelten Kräfte von Kulturamt und Bildungsreferat. Ute Legner ist als Leiterin von Mehr Musik! und als Jazzsängerin nicht nur Kulturmacherin – im Kulturamt ist sie seit Kurzem auch die Ansprechpartnerin für kulturelle Bildung. Für das Bildungsmanagement ist Diplom-Pädagogin Dr. Martina Schliessleder verantwortlich, die im Bildungsreferat die Fachstelle für Schulentwicklung und Bildung leitet. Was der Kulturkiesel ist und wo er sich in unserer Kulturlandschaft einfügt, erzählen die beiden Projektverantwortlichen im Interview.


a3kultur: Was kann man auf der Website »Kulturkiesel« machen?


Ute Legner: Der Kulturkiesel ist ein virtueller Marktplatz für partizipative Projekte. Diese sind breit gefächert: von Führungen in Museen über Workshops in der Schule bis zu Möglichkeiten für Kindergeburtstage. Langfristiges Ziel ist es, Veranstaltungen unter dem Motto »Mitmachen – Zuschauen – Erleben« umfassend darzustellen. Auf der Website kann man zudem die Anbieter, die sogenannten »Akteur*innen«, einsehen. Im Service-Bereich kann man sich Anregungen holen, wie Projekte finanziert werden können oder wie sich beispielsweise Familien für die Angebote finanzielle Unterstützung holen können.

An wen richtet sich der Kulturkiesel?

Dr. Martina Schliessleder: Die Website spricht alle an – mit dem Fokus auf junge Menschen. Das Portal können Kulturinteressierte, Lehrkräfte mit speziellen Themenwünschen oder auch Eltern auf der Suche nach Freizeitangeboten für ihre Kinder besuchen. Die Seite richtet sich nicht zuletzt an die Akteur*innen, die sich auf der Plattform präsentieren.

Welchen Vorteil bietet der »Kulturkiesel« gegenüber der bestehenden Website KS:AUG (Kultur- und Schulservice Augsburg) oder dem Bildungsportal A3?

Legner: KS:AUG ist vor zehn Jahren vor allem für Schulen entstanden. Der Kulturkiesel ist eine zeitgemäße Überarbeitung und soll ein breiteres Zielpublikum bedienen sowie den Nutzer*innen mehr Möglichkeiten bieten. Der Kulturkiesel wird also künftig KS:AUG ersetzen, die alte Seite wird abgeschaltet.

Schliessleder: Das Bildungsportal A3 der drei Gebietskörperschaften hat den Schwerpunkt Fort- und Weiterbildung. Die Website dient – von Familienbildung über Ausbildung und Weiterbildung – auch weiterhin der Bildungsberatung.

Wo findet kulturelle Bildung in Augsburg statt?

Legner: Kulturelle Bildung findet in allen Kulturinstitutionen statt, quer durch alle Altersgruppen: in Schulen – immer mehr außerschulische Angebote werden in die Schule hineingetragen –, in den vielfältigen Programmen der Augsburger Jugendhäuser, aber auch Festivals wie das Modular und das Brechtfestival haben Anteil an kultureller Bildung. Vermittlung und Beteiligung möglichst aller sind das A und O der kulturellen Bildung.

Welchen Stellenwert hat kulturelle Bildung in den Lehrplänen?

Legner: Der Lehrplan lässt sich an vielen Stellen mit der Arbeit von Kulturschaffenden verbinden. Die »Praxis-Seminare« der gymnasialen Oberstufe implizieren bereits, externe Partner in Projekte zu involvieren. Eine weitere Verbindungsmöglichkeit kann sein, dass Projekte nach den Interessen der Schüler*innen zusammen mit Kulturschaffenden konzipiert werden.

Schliessleder: Es wäre trotzdem wünschenswert, wenn kulturelle Bildung höher priorisiert würde.

Legner: In Nordrhein-Westfalen ist die kulturelle Bildung sogar in der Landesverfassung als Priorität und Aufgabe festgeschrieben. In anderen Bundesländern gibt es finanzielle Unterstützung oder überregionale Plattformen für entsprechende Projekte. Trotz des »Kulturfonds Bayern« ist die Finanzierung bei uns ausbaufähig. Es gibt auch kein überregionales Programm für Projekte der kulturellen Bildung.

Wie wird kulturelle Bildung wahrgenommen?

Schliessleder: Kulturelle Bildung wird durchaus als wichtig wahrgenommen. Daran gemessen, wie viele Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, ist sie aber bedauerlicherweise nicht sehr ernst.

Legner: Trotzdem hat sich das Thema in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren von der kulturellen Szene in die Politik gekämpft: In dieser Zeit kam das Projekt KS:AUG ins Rollen und zum ersten Mal wurde in kulturelle Bildung investiert. Dies erfolgte über das Förderprogramm zur allgemeinen Schulentwicklung »Schule plus« vom Bildungsreferat. Außerdem gibt es im Kulturamt seit diesem Jahr einen zweiten Fonds für Projekte in diesem Kontext. Mit Martina Schliessleder im Bildungsreferat und mir im Kulturamt gibt es nun erstmals auf städtischer Seite auch Ansprechpartnerinnen für das Thema – eine weitere Förderung der kulturellen Bildung in Augsburg. Innerhalb der letzten zehn Jahre konnte sich das Thema in Augsburg verfestigen: Der Kulturkiesel ist also kein Neuanfang – vielmehr wird kulturelle Bildung neu angeschoben.

Wie funktioniert beim Kulturkiesel die Kooperation verschiedenster Partner und Sponsoren?

Legner: Die Stadt finanziert als Träger die Plattform und unterhält »Schule plus« und den Förderungsfonds vom Kulturamt. Martina Schliess-
leder im Bildungsreferat und ich im Kulturamt versuchen den Kulturkiesel seitens der Kommune bzw. der Stadt im Rahmen unserer Arbeitsmöglichkeiten anzuschieben. Als Partner wird die Spardabank zwei eigene Angebote im Rahmen des Kulturkiesels finanzieren. Die Plattform ist außerdem so angelegt, dass die Kulturschaffenden zu unseren Partnern werden: Wir bringen deren Projekte nach vorn – sie pflegen ihre Angebote in die Plattform ein.

Schliessleder: Es gibt im »Netzwerk Kulturelle Bildung« auch einen regen Austausch zwischen Stadt und Kulturschaffenden. Dieses wächst stetig und etabliert sich nach und nach.

Wie wird Vielfalt im Kulturkiesel berücksichtigt?

Legner: Wir wollen die Vielfalt der Augsburger Szene – in ihren verschiedensten Bereichen und Formaten vom kleinen Schnupperangebot bis zum großen Partizipationsprojekt – in den Angeboten des Kulturkiesels abbilden. Wir hoffen deshalb auf die Mithilfe der Kulturschaffenden, um diese vielfältige Realität abbilden zu können, und freuen uns auf zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer!

www.kulturkiesel.de

Weitere Positionen

16. Juli 2018 - 10:35 | Renate Baumiller-Guggenberger

Hell gesehen und musikalisch virtuos gespielt: Das finale Konzert der bayerischen kammerphilharmonie begeistert die Hörer im Parktheater nachhaltig.

13. Juli 2018 - 12:30 | Dieter Ferdinand

Die Syrisch-orthodoxe Gemeinde in Augsburg feiert am 15. August das 20-jährige Bestehen ihrer Marienkirche.

11. Juli 2018 - 9:34 | Renate Baumiller-Guggenberger

Das 20. Open-Air-Festival »Konzerte im Fronhof« präsentiert vom 20. bis 22. Juli hochkarätige Stamm- und Stargäste in einem Jubiläumsprogramm, das »zaubert und flötet«, Mozart, Bruch und Beethoven, aber auch Jazz und Weltmusik vereint.

5. Juli 2018 - 8:42 | Patrick Bellgardt

17 Jahre lang leitete Benigna Schönhagen das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. In dieser Zeit entwickelte sich das Haus zu einer überregional renommierten Institution.

4. Juli 2018 - 8:09 | Gino Chiellino

Für seine Kolumne »Deutsch richtig und gut« hat Gino Chiellino Begriffe gesucht, die er paarweise umschreibt, um zu zeigen, wie er sie anders versteht als seine Gesprächspartner. Der 20. Teil der Serie.

3. Juli 2018 - 15:14 | Julian Stech

André Bückers Mut hat sich ausgezahlt: Standing Ovations bei der Uraufführung des mit Spannung erwarteten Fugger-Musicals »Herz aus Gold« auf der Freilichtbühne.

3. Juli 2018 - 0:56 | Iacov Grinberg

Am 3. Juli wurden in Anwesenheit von vielen Beteiligten und Pressevertretern die »Rathaus-Taschen« vorgestellt.

2. Juli 2018 - 9:22 | Renate Baumiller-Guggenberger

Literarisch-komödiantischer Theaterabend um Lust und Leid der Liebe: Das Sensemble feiert mit der Produktion »Herz über Kopf 2.0« sein Freilichtjubiläum am Jakoberwallturm.

29. Juni 2018 - 8:27 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Filmkolumne präsentiert Kino oben ohne.

27. Juni 2018 - 8:22 | Julian Stech

Am 30. Juni feiert das Theater Augsburg die Uraufführung des Fugger-Musicals »Herz aus Gold« auf der Freilichtbühne am Roten Tor. Wenige Wochen zuvor war beim Produktionsteam eine große Vorfreude zu spüren auf ein Stück, »bei dem das Proben erst am Tag der Premiere beendet ist«.