Kulturgenuss: Ab sofort nicht mehr spontan!

31. August 2020 - 6:10 | Renate Baumiller-Guggenberger

Lieber komplizierter gewordene Kulturangebote als gar kein Bühnenvergnügen. Ganz klassisch – die a3kultur-Klassik-Kolumne

Man kann es uns ach so »kritischen« Kulturliebhabern wirklich nie ganz recht machen! Erst die Riesenportion Skepsis bis hin zum kategorischen »Nö«, was all die rasch und großzügig ins Netz gestellten Streaming-Angebote betraf … Und jetzt, wo zahlreiche von rigiden Hygieneauflagen gestresste Kulturmacher endlich wieder Tür und Tor für intim bestuhlte Live-Events öffnen, meckern wir schon wieder auf hohem Niveau, weil der Theater- oder Konzertbesuch »kompliziert« geworden ist. Nur wer die verschärften Ticketerwerbskonditionen akzeptiert, kann Kunst und Kultur vor Ort überhaupt wahrnehmen. Fast wie bei Ebay, denn wer nicht schnell handelt, hat angesichts der coronären Platzkapazitäten schnell das Nachsehen.

Spontan sein und mal eben statt Netflix doch auf den Kunstrasen in den martini-Park, die Freilichtbühne oder die Sensemble-Wiese radeln, im Annahof inspirierende Weltmusik hören … All das ging so einfach nicht mehr. Stattdessen müssen sich Kunstwillige, die sich nach sinnlichen Livemomenten und Gemeinschaftserleben sehnen, schnellstmöglich dem Online-Registrierungs- und Reservierungsprozess stellen.

Zwingend erforderlich, verlang(t)en all unsere Sommerbühnen und fraglos auch die in den Herbst und soweit vorhanden in große (Kirchen-)Innenräume verlegten Veranstaltungen eben ein exakte terminliche Festlegung – besser Wochen als Tage voraus. Dennoch gilt für alle Kulturhungrigen: Lieber die komplizierter gewordenen Kulturangebote als gar kein Bühnenvergnügen!

Und so blickt man mit großer Vorfreude auf die Saisoneröffnungen unserer Klassik-Player: Wärmstens zu empfehlen ist als sanfter »Saiten«-Einstieg am 9. September, 18:30 Uhr, das Kammerkonzert, zu dem Gitarrist Stefan Barcsay und Tenor Markus Kimmich ins Maximilianmuseum einladen, um mit Liedern von Schubert, Haikus von Alois Bröder und modernen Gitarrenwerken ihre »Wassermusik« perlen zu lassen.

Einen infernalischen Auftakt verspricht die zum Glück trotz Krise bestehen gebliebene »bayerische kammerphilharmonie«, die am 27. September, 18 Uhr, in Ev. Heilig Kreuz mit keiner Geringeren als der gefeierten Barock-Sopranistin Simone Kermes (Foto: Dirk Bleicker, siehe auch Titelseite der a3kultur-September-Ausgabe) deren aktuelles Projekt »Inferno e Paradiso« erstrahlen lässt. In diesem Programm stehen sich sieben Todsünden und Tugenden kontrastreich gegenüber und vereinen originale Barock-Werke von Vivaldi, Hasse und Bach mit originell auf Barock getrimmten Songs von Rock- und Popikonen wie Sting und Lady Gaga.

Wem das zu verrückt klingt, der sollte sich schnellstens Tickets für den Start in die neue Spielzeit der Augsburger Philharmoniker unter GMD Héja organisieren. Warum? Mit Smetana, Tschaikowskys »Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll«, mit Rachmaninow und einem Finale mit »Bilder einer Ausstellung« sowie dem Artist-in-Residence-Debüt von Pianist Evgeny Konnov kann am 28. und 29. September im Kongress am Park ab 20 Uhr in puncto »Lautmalerei« und sinfonischer Fülle nichts schief gehen!  

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