Kunst aus Schwaben

schwaebische kunstausstellung Augsburg 2018_foto bettina kohlen
18. Dezember 2018 - 8:04 | Bettina Kohlen

Seit 1949 demonstriert die »Große Schwäbische Kunstausstellung« jährlich, wie es um die Kunst in der Region bestellt ist.

Diese 70 Jahre währende Tradition ist bemerkenswert und gehört zu den großen Leistungen des Berufsverbandes Bildender Künstler in Schwaben. Die erste dieser Ausstellungen wurde im Schaezlerpalais gezeigt, noch bevor es zur Heimat der Kunstsammlungen Augsburg wurde. In den folgenden Jahrzehnten waren die Schauen dann im (noch unrestaurierten) Goldenen Saal des Rathauses und schließlich lange Jahre in der Toskanischen Säulenhalle des Zeughauses beheimatet. Seit sechs Jahren sind die Enfiladen des Schaezlerpalais Schauplatz der »Großen Schwäbischen«, Räume, die den Arbeiten ausgesprochen gut stehen. In diesem Jahr gehen die neuen Kunstwerke mit den barocken Gemälden, die dort zu Hause sind, eine temporäre Wohngemeinschaft ein. Das klappt manchmal gar nicht, manchmal aber korrespondieren Barock und Gegenwart erstaunlich gut. Eine solche Hängung geht immer Kompromisse ein, so dass die Beziehung zwischen der alten und der neuen Kunst gelegentlich nur an formal äußerlichen Aspekten festgemacht werden kann. Doch lässt sich eine solch rabiate Verbindung auch mit einem Augenzwinkern betrachten, krasse Kontraste haben was…

95 Werke sind im Schaezlerpalais zwischen die Barockkunst gehängt worden, und ja: Die qualitätvolle Umgebung tut ihnen gut. Die »Große Schwäbische Kunstausstellung« hat seit dem Wechsel sehr gewonnen, vor allem der Gesamteindruck erfreut. Die wunderbare Umgebung lässt auch Arbeiten leuchten, die für sich genommen vielleicht nicht erste Sahne sind. Im Gedächtnis bleibt ein irritierend impressionistisch anmutendes Werk von Angelika Böhm-Silberhorn: »Rundflüge im Elfenbeinturm«, der sich als lichtdurchfluteter barocker Bau mit zahlreichen Ausblicken erweist. Erwähnt seien auch zwei Fotoarbeiten: »Zeitensprung« von Dieter Schmidt und »Alles Vergängliche« von Horst Gatscher/Dirk von Burgsdorff. Was fehlt, sind spannende neue Positionen. Künstler, die quasi zum Inventar der »Großen Schwäbischen« gehören, sind vertreten, auch andere, die aber in ihrer Kunst keine wirklich neuen Wege gehen. Für junge Kunst hat die Ausstellung wohl nicht die nötige Strahlkraft. 70 Jahre lang ein solches Projekt zu stemmen ist beachtlich und wichtig, doch eine derartige Überblicksschau birgt auch das Risiko, im Konventionellen stecken zu bleiben.

Der Kunstpreis ging 2018 an Dorothea Dudek für »Stille«, ein großformatiges Gemälde, mit der Anmutung einer sepiafarbenen alten Fotografie. Ein Mädchen, dunkelhäutig und in sich gekehrt, blickt am Betrachter vorbei, ohne tatsächlich etwas zu fixieren. Welche Geschichte sich dahinter verbirgt, bleibt offen, bietet Raum für eine Vielzahl von Möglichkeiten…

Nicht vergessen sollte man einen Abstecher ins H2 – Zentrum für Gegenwartskunst, wo vier Künstler*innen Raum für ihre Installationen haben.

Zur Ausstellung ist ein Katalog (18 Euro) erschienen, der alle ausgestellten Arbeiten dokumentiert.  Die Schau selbst ist noch bis zum 13. Januar zu sehen.

www.kunst-aus-schwaben.de

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