Kunst aus Schwaben

29. November 2019 - 7:22 | Bettina Kohlen

Wenn am 30. November die 71. Große Schwäbische Kunstausstellung eröffnet ist, liegen arbeitsreiche Wochen hinter den Beteiligten. Die Schau ist für den BBK Schwaben-Nord und Augsburg das wichtigste Ereignis des Jahres.

Im Glaspalast im Textilviertel war bis vor Kurzem eine Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zu Hause. Deren Engagement für spannende Ausstellungen ließ allerdings nach einem geglückten Einstand merklich nach. Das Besucherinteresse wurde schwächer. Diese Wechselbeziehungsspirale führte zum Rückzug der Münchner. Der für Ende 2019 geplante Auszug wurde dann vorgezogen, um so dem Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Raum für seine jährliche große Überblicksschau zu geben.

Nachdem die »Große Schwäbische« viele Jahre in der Toskanischen Säulenhalle des Zeughauses zu sehen war, fiel dieser Ort weg, als dort das Römische Museum einzog. Dessen Haus, die Dominikanerkirche, musste aus statischen Gründen überraschend geschlossen werden. Die Umzugscharade führte die Jahresausstellung des BBK Schwaben-Nord und Augsburg dann für einige Jahre ins Schaezlerpalais. Die äußerst reizvolle Verbindung der mattbunten Rokokoräume mit Gegenwartskunst forderte das Geschick der Ausstellungsmacher heraus, führte zu spannenden Kontrasten und Kombinationen. Allerdings rückten sich die Kunstwerke in den kleinen Zimmern der Enfilade ziemlich auf die Pelle, sehr Großformatiges oder raumgreifende Installationen ließen sich dort nicht realisieren. Den Ausweg boten schließlich die Kabinetträume des H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast, jedoch mit dem Nachteil zweier getrennter Spielorte. In der ehemaligen Staatsgalerie gleich nebenan findet nun alles wieder zusammen. Die Möglichkeiten dieser großen Fläche spiegelten sich in der Ausschreibung wider, die explizit zur Einreichung großformatiger Arbeiten oder Rauminstallationen aufforderte. Die Stadt bietet derzeit keinen anderen Ort für Ausstellungen mit so großzügigen Dimensionen –wäre nicht schlecht, wenn das noch eine Weile erhalten bliebe … Thomas Weitzel deutet in seinem Grußwort zum Katalog diese Option schon einmal an.

Für die aktuelle Große Schwäbische Kunstausstellung hat die elfköpfige Jury aus den eingereichten Arbeiten die Werke von 71 Künstler*innen ausgewählt. Der jährlich vergebene Kunstpreis der Ausstellung wurde dieses Mal von der Jury, neun Mitgliedern des BBK und drei Kunstwissenschaftler*innen, der Steinmetzin und studierten Bildhauerin Silvia Jung-Wiesenmayer (geb. 1966) zuerkannt. Gewürdigt wurde »Steinwindung«, eine Arbeit aus Sandstein, mit einem Winkelschleifer in Falten gelegt und auf einem flachen Stahlsockel platziert. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der jeweils auf einer Doppelseite sämtliche Arbeiten vorstellt, ergänzt um biografische Informationen zu den Künstler*innen.

Traditionell wird die »Große Schwäbische« am Samstag vor dem 1. Advent eröffnet. Zur Begrüßung sprechen der Bezirkstagspräsident Martin Sailer und Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel, der auch den Kunstpreis verleihen wird. Grußworte kommen auch von Dr. Thomas Elsen, Leiter des benachbarten H2 und Mitglied der Jury, und natürlich von Norbert Kiening, dem Vorsitzenden des BBK Schwaben Nord und Augsburg. Umrahmt werden die Worte von Musik, dieses Mal von Iris Lichtinger und Stefan Blum.

Dass ein solches Ausstellungsprojekt aufwändig ist und nicht nebenbei entsteht, liegt auf der Hand. Da sind zunächst natürlich die Künstler*innen, deren Arbeiten gezeigt werden. Doch wie wird aus diesen Einzelaspekten eine runde Ausstellung? Der BBK Schwaben-Nord und Augsburg ist als eingetragener Verein mit (Stand Mai 2019) 297 Mitgliedern ein Regionalverband des BBK-Landesverbands Bayern, der wiederum dem Bundes-Dachverband angehört. Der BBK vertritt die Interessen bildender Künstler*innen, berät in rechtlichen und sozialen Fragen, informiert über Ausschreibungen, sorgt aber vor allem für Präsenz der Akteur*innen. Wer sich dem Verband anschließen möchte, muss ein abgeschlossenes Studium der bildenden Kunst vorweisen, Künstler*innen ohne Akademieabschluss müssen eine professionelle Ausstellungstätigkeit nachweisen bzw. über qualifizierte künstlerische Praxis verfügen. In diesen Fällen entscheidet eine interne Jury über die Aufnahme.

Wie jeder Verein hat auch der BBK einen gewählten Vorstand. Eigentlich sollte es zwei Vorsitzende geben, doch hat sich nach dem Rückzug von Annemarie Helmer-Heichele bislang noch kein*e Kandidat*in gefunden, sodass Norbert Kiening als alleiniger Vorsitzender agiert. Für das Ausstellungsprogramm, die Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr ist der zehnköpfige Arbeitsausschuss zuständig. Die »Große Schwäbische« ist für den BBK das wichtigste Ereignis des Jahres, das alle Vorstandsmenschen einige Zeit auf Hochtouren laufen lässt: Die Ausschreibung muss formuliert, Einreichungs- und Abholungstermine müssen organisiert werden, Pressearbeit wird gemacht, die Ausstellung muss geplant und eingerichtet werden, Einladungen werden erstellt und versandt und und und … Der Katalog wurde von Norbert Kiening konzipiert und gestaltet. Dies alles leisten Vorsitzender und Arbeitsausschuss weitgehend ohne Honorar, denn der BBK ist ein Verein und die Akteur*innen des Vorstands sind ehrenamtlich tätig.

Nicht zu vergessen: Seit rund sieben Jahrzehnten stellt der BBK seine Jahresausstellung auf die Beine! Mögen Aufwand und Anspruch in früheren Jahren geringer gewesen sein – die dauerhafte Arbeit des BBK kann gar nicht hoch genug gewertet werden und die »Große Schwäbische« stellt nach wie vor ein zentrales Ereignis der regionalen Kunstlandschaft dar. Der Erfolg der »Großen Schwäbischen« steht und fällt nicht nur mit der Qualität der einzelnen Kunstwerke, sondern beruht ebenso auf der gelungenen Inszenierung, dem Zusammenspiel von Ort und Kunst. Hier beweisen seit Langem der Bildhauer Josef Zankl und der Künstler Norbert Kiening ihr intelligentes gestalterisches Gespür. So hat sich die Große Schwäbische Kunstausstellung entwickelt, nicht mehr nur »die üblichen Verdächtigen« sind vertreten, eine leise allmähliche Verjüngung ist zu spüren. Sicher hat es der BBK wie alle Vereine und Berufsverbände nicht mehr so leicht, jüngere Mitglieder anzuziehen, doch das Schaufenster respektive die »Große Schwäbische« lädt nun groß und attraktiv ein. Das ist ein unbestreitbarer Gewinn für Künstler*innen, Kunstinteressierte und nicht zuletzt für die Stadtgesellschaft.

Die 71. Große Schwäbische Kunstausstellung wird am Samstag, 30. November, um 11 Uhr im Glaspalast (in der ehemaligen Staatsgalerie Moderne Kunst) eröffnet.

www.kunst-aus-schwaben.de

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