Kunst? Läuft!

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20. Juni 2018 - 13:34 | Bettina Kohlen

Es ist mal wieder eine große Runde zur Kunst fällig. Strategisch geplant, um möglichst viel zu sehen, oder nochmal zu sehen. Für manches muss man schnell sein, da Mitte Juli Schluss ist, aber keine Sorge: Einiges läuft bis zum Ende des Sommers.

Zum Auftakt geht es in die Galerie Noah, die in ihren fabelhaft lichtdurchfluteten Räumen vorzugsweise Großformatiges zeigt. Zur Zeit hat die koreanische Künstlerin SEO mit ihren irritierenden, menschenleeren, retro-futuristisch anmutenden Arbeiten übernommen. Kaltglatte moderne Villen schweben wie Raumschiffe über leuchtend bunten, aber latent bedrohlichen Landschaften. Im Studio der Galerie zeigt man neue Porträtmalerei auf Papier von Felix Weinold.

Zurück in der Innenstadt zieht es mich zum Kunstverein im Holbeinhaus. Jens Kabisch macht es den Besuchern seiner Ausstellung wahrlich nicht leicht: Keine Führungen, keine Erläuterungen zu den Arbeiten oder dem Konzept. Dafür in ihrer Unzugänglichkeit aufregende Bilder. In seinen brillanten schwarzweiß-Fotografien lässt Kabisch durch phosphoreszierende Farbe Bereiche hervortreten, die so eigentlich gar nicht gesehen werden können. Die vermeintliche Ausleuchtung erweist sich als trügerisch, scheinbare räumliche Erfahrungen sind Täuschungen der Wahrnehmung. Diese Bilder korrespondieren kontrapunktisch mit einer monumentalen hölzernen Wand, die den Durchblick im zentralen Raum versperrt. Beim Herantreten erkennt man, das sie ursprünglich mit zahllosen Plakaten versehen war, die abgerissen wurden, so dass nur noch vereinzelte Spuren zurückgeblieben sind. Goldene Fetzen springen ins Auge, Hinweis auf die Ikonostase, eine mit Goldgrund-Ikonen bestückte Wand in orthodoxen Kirchen, hinter der – für die Gläubigen unsichtbar – der Ritus vollzogen wird.

Der zunächst aufscheinende Verdacht, Kabisch setze sich mit Religion auseinander, erweist sich als falsch. Hier geht es um die Frage, was ein Bild ist, und wie sich das Unsichtbare, das Verborgene, das nicht Abgebildete erfahren lassen. Irritierend und schwierig, aber unbedingt erfahrenswert! Wer sich dennoch nicht völlig auf seine eigene Intuition verlassen möchte, kann es sich mit Hilfe des Einführungsvortrags, der auf der Website des Kunstvereins nachzulesen ist, ein wenig leichter machen…

Weiter geht es zur Ecke Galerie, die mit Arbeiten auf Papier von Max Kaminski ideal die derzeit im H2 laufende, umfangreiche Retrospektive dieses wichtigen Künstlers der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ergänzt. Am besten beides anschauen…Einen Abstecher wert ist auch die Galerie Süßkind, wo Gisela Frank mit Grafik und ihren zarten Objekten aus Draht Linien nachspürt und so den Übergang von der Fläche in den Raum markiert.

Jetzt wäre eine Pause nicht schlecht, hm? Dann auf zum Moritzpunkt, um dort inmitten von Karin Bauers wunderbar skurrilen Rieseninsekten einen Kaffee zu trinken. Gleich um die Ecke geht es anschließend in die Moritzkirche, die ohnehin immer einen Besuch lohnt. Die aktuelle Installation entzieht sich dem flüchtigen Blick. Elke Maier hat spinnwebfeine Fäden durch den Kirchenraum gespannt, deren Fluchtpunkte weit außerhalb des Baus liegen. Je nach Lichteinfall tanzen Sonnenstrahlen entlang dieser fragilen Installation, die sich mit Wirklichkeit und Wahrnehmung auseinandersetzt.

Die Runde durch die aktuellen Ausstellungen in der Stadt geht im Architekturmuseum zu Ende, wo die prägnante Landschaftsarchitektur der Brüder Gottfried und Anton Hansjakob detailliert anhand von Plänen, Fotos und Modellen erläutert wird. Namen nie gehört? Einige ihrer Arbeiten kennt aber sicher jeder in Augsburg: Zur Olympiade 1972 planten die Hansjakobs das Gelände rund um die Kanustrecke und auch der großzügige Campus-Park der Uni ist ihnen zu verdanken. Apropos Landschaft: Ein Kunstkucker braucht jetzt mal einen ausgleichenden Blick ins Grüne. Man setze sich also unbedingt einige Minuten in den Garten der Buchegger-Villa und tue gar nichts…

Noch ein P.S. für einen Extratag: Die bemerkenswerten Ausstellungen in der Memminger MEWO Kunsthalle sollte man unbedingt auf dem Schirm haben. Zur Zeit sind dort raumgreifende textile Installationen des in Tel Aviv lebenden Gili Avissar zu sehen, außerdem ein wunderbares Projekt des Südtirolers Hannes Egger, bei dem es erstmal nichts zu sehen gibt…

www.galerienoah.de – Der endlose Horizont – bis 15. Juli
www.kunstverein-augsburg.de – Ich lebe, und Ihr sollt auch leben – bis 26. August – Performance mit Jens Kabisch am 28. Juli, 20:30 Uhr
www.eckegalerie.de – Max Kaminski. Arbeiten auf Papier – bis 28. Juli
www.galeriesuesskind.blogspot.com – Von der Linie zum Objekt – bis 28. Juli
www.moritzkirche.de – Hochstapler, Überflieger und das ganze verdammte Zeug – bis 21. September / Beyond Target – bis 15. Juli
www.architekturmuseum.de – Landschaft für die Stadt – bis 19. August
www.mewo-kunsthalle.de – Schwarze Zunge – bis 14. Oktober / How to do things with Words – bis 23. September

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