Die Kunstarbeiterin wird 80

6. November 2020 - 7:05 | Martin Schmidt

Am 6. November 2020 feiert Rose Maier Haid ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin prägt mit ihren Aktionen, Veranstaltungen und Ideen seit 37 Jahren das kulturelle Leben der Stadt Friedberg. Ein Blick auf Tun und Werk einer Kunstbotschafterin in und für Friedberg.

»800 Jahre« werde sie nun alt, sagt Rose Maier Haid – die 80-jährige Jubilarin (*6.11.1940) hat eine ganze eigene Zeitrechnung. Denn die unorthodoxe Künstlerin mag es, mit Kreativität und Fantasie Dinge zu hinterfragen, Menschen zum Nachdenken zu bringen und neue Blickwinkel zu eröffnen. Seit mittlerweile 37 Jahren tut sie das in Friedberg – und führte vieles ein, was in Friedberg in Sachen Kunst und Kultur zur Tradition geworden ist. So gehen die Kinderkulturtage, der Skulpturenpfad oder die Aktion »Menschenskulpturen« (zuletzt am 8. August in Friedbergs Innenstadt) auf das Konto der umtriebigen Initiatorin, die 1984 auch federführend die Organisation der jährlichen Friedberger Kunstausstellung übernahm.

Die Kunstarbeiterin, wie sie sich selber nennt, stellte noch viel mehr auf die Beine. Alles begann jedoch zunächst 1983 mit der Gründung ihrer Malschule, damals noch in der Jesuitengasse. Heute steht sie als »KunstSchule« in der Bauernbräustraße. Ein Jahr später zog die Jubilarin dann von Augsburg in die Schlossstadt nach. 1990 initiierte sie den Kinderkulturtag, 1992 den Skulpturenpfad, der seit 1999 alle drei Jahre stattfindet.

Ebenfalls im Jahr 1992 holte Maier Haid die 1989 von Christoph Stählin († 2015) gegründete Schule für Poesie und Musik »Sago« nach Friedberg. Unterstützt von Stadt und Sparkasse bereicherte die Liedermacherschule fortan das Kulturleben mit jährlichen Workshops und Konzerten. Von sich reden machte auch Maier Haids 1991 ersonnene Gesprächsreihe »100 Werke und ihre Meister«. Und dann gibt es auch noch den von ihr 1995 ersonnenen »Friedbären«. 1999 stand dieser »Pegursus Friedbergensis Poetikuss« im Zentrum vieler Veranstaltungen und Aktionen.

»Mein Tun war immer, nicht das zu machen, was andere machen, oder das, was andere Städte machen, hier zu wiederholen«, sagt sie. Davon profitierte Friedberg, und die Stadt unterstützt ihre Kunstbotschafterin bis heute dabei. Auch bei einem weiteren Leitsatz der Künstlerin: Friedberg, die Stadt der Kinder und der Kunst. Neben den Kinderkulturtagen und der pädagogischen Arbeit in der eigenen Kunstschule steht hier die Aktion »Kann ohne Kanone«. Das 1991 gegründete Projekt will für Abrüstung in Kinderzimmern sorgen.

Maier Haid, die auch Mitbegründerin der Kunstsoziale und Mitglied der Künstlergruppe Friedberg ist, stellte schon bei Beuys aus und sorgte mit ihren Gipsplastiken für Aufsehen. 2006 wurde die Künstlerin mit dem Innovationspreis »Friedberger Flügel« ausgezeichnet, 2016 erhielt sie den Goldenen Ehrenring der Stadt Friedberg. 2017 wurde Maier Haid auf Vorschlag des Bayerischen Ministerpräsidenten die Verdienstmedaille der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland zugesprochen.

Ideen und Pläne für die Zukunft hat Maier Haid jede Menge: So will sie zum Beispiel eine »Bächles-Wanderung« veranstalten. Gewandert wird ganz so, wie es der Künstlerin gefällt: gegen den Strom. »Keine Ahnung, wie weit man hier kommt – wir werden sehen«, sagt Maier Haid abenteuerlustig. Eine weitere Idee: Sie möchte Gedichte in der Stadt verteilen. Und zwar genauso, wie der »Kartoffelmann« seine Feldfrüchte feil bietet: mit Ruf und Glocke, mit dem Wagen durch die Stadt.
www.kunstschule-friedberg.de

Bild: Rose Maier Haid bei einer Kunstaktion in den frühen 80er-Jahren. Auf einem Acker verstreute sie wie ein Sämann Seiten aus einem ihrer Gedichtsbände. Das Foto machte ihr Sohn Daniel. | Foto: Daniel Maier

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