Kunstexperimente

29. Oktober 2018 - 8:43 | Iacov Grinberg

Impressionen vom diesjährigen lab30-Festival im Kulturhaus abraxas

Ein Wal nimmt beim Futtern einen vollen Mund Wasser, filtert es und schluckt das Genießbare. Ähnlich sehe ich Kunstausstellungen an: Ich filtriere alles Ausgestellte und suche nach Genießbarem. Ich weiß, dass mein Verständnis des Begriffes „Kunst“ wesentlich enger ist, als bei Kuratoren, Kunstwissenschaftlern und Experten. Ich aber schaue alles, wie auch Sie, liebe Leser, mit einem eigenen Inhalt des Begriffes „Kunst“ an. Meine Erfahrung sagte mir, dass ich beim lab30 etwas Genießbares finden kann. Das diesjährige, bereits 17. Festival war keine Ausnahme.

Das erste, das ich gesehen habe, waren Workshops mit Kindern. Dieser Teil von lab30, wenn Kleine mit ihren Händen etwas Vernünftiges machen, ist immer erfolgreich, bringt den Kindern, ihren Eltern und Zuschauern Vergnügen und kann als guter Stimmungsgeber dienen.

Wie beim vorigen lab30 waren die ausgestellten Kunstexperimente künstlerisch nicht unbedingt stark. Man erwartet von Kunstexperimenten neue Wörter in der Kunst zu schaffen, die meisten Arbeiten waren dagegen maximal vage Versuche neue Buchstaben zu kreieren oder bereits existierende ein bisschen zu verändern. Meine Gespräche mit einigen Künstlern haben gezeigt, dass sie in ihre Arbeiten keinen tiefen Sinn hineingelegt haben: „Das ist nach unserem Geschmack schön und diese Schönheit genügt uns“.

Es waren zwei Ausnahmen zu sehen: Arbeiten, die deutlich neue Silben präsentierten, mit welchen ein neues Wort in der Kunst geschaffen werden kann. Erstens „Breaking“: Neun alte Fernsehröhren, auf welchen einige Pixel ihre Farbigkeit verloren haben und das gebrannte Wort „NEWS“ sichtbar wurde. Diese Metapher eines ständigen Suggerierens bestimmter Ansichten hat im Publikum eine breite Zustimmung gefunden. Es wurde vorgeschlagen anstatt eines Wortes, verschiedene Wörter auf verschiedenen Röhren zu zeigen, die Röhre nicht linear zu platzieren, sondern als eine Kuppel, was die Impressionen von ständigem Druck erhöhen kann. Zweitens: „AETHER“ (Foto), eine Wiederspiegelung auf einem großen Bildschirm der üblicherweise unsichtbaren WLAN-Funkwellen, die momentan im Raum vorhanden sind, und ihrer Verbindungen zu den Geräten, die sich ständig verändern. Dies zeigt einerseits unsere Strahlenumgebung, andererseits sagen solche Bilder etwas über unsere moderne Gesellschaft aus, wie ein Kardiogramm oder eine Röntgenaufnahme über den Gesundheitszustand eines Menschen. Eine neue unübliche Charakteristik kann in der Kunst nur willkommen sein.

Ganz schön waren die insgesamt 13 preisgekrönten Kurzfilme des Linzer Festivals. Sie veranschaulichen die breiten und manchmal wunderbaren Möglichkeiten der Formbildung und -umwandlung mittels Computertechnik. Der Film „Light of Birth (3D Laser Mist Hologram)“ entpuppte sich als ein sehr guter Lehrfilm, der die Entstehung von Hologrammen veranschaulicht und der Film „Screens of the Future“ zeigte wunderbare Lehrlogik. Die Krönung des Gezeigten war der Kurzfilm „Garden Party“ mit einer wunderbaren Kombination von Naturaufnahmen und Animation. Die Frösche und Kröten sahen wirklich lebendig aus. Mit schöner Musik und exzellenter Dramaturgie verdient dieser Film eine Empfehlung: Suchen sie ihn, in YouTube etc., es lohnt sich ihn zu bewundern.

Besuchen Sie das nächste lab30-Festival, ungeachtet davon, wie breit oder eng Ihr Verständnis des Begriffes „Kunst“ ist. Sie finden dort mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit etwas, das für Sie schön und interessant ist.

www.lab30.de

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