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18. Oktober 2019 - 9:57 | Jürgen Kannler

Das Modular Festival im Gaswerk macht Defizit im sechsstelligen Bereich. Die CSU-Fraktion plant eine Rettungsaktion – in eigener Sache. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

Das Modular ist das größte Festival für Jugendkultur in der Region. Die Stadt Augsburg förderte das Projekt zuletzt mit gut 100.000 Euro. Nach Offenlegung der Zahlen für 2019 wird sich die Politik gezwungen sehen, den Betrag zu verdoppeln. Mit rund 108.000 Euro fällt das Defizit des Festivals heuer deutlich höher aus, als von den Verantwortlichen vorab prognostiziert.

Dieser Misserfolg hat viele Väter und Mütter. Fakt ist, das der Umzug des Festivals vom Kongress am Park auf das Gaswerkgelände zu früh erfolgte. Die bestehende Infrastruktur vor Ort war zu keiner Zeit in der Lage, einen Event mit bis zu 10.000 zahlenden Besucher*innen täglich zu stemmen. Auch wenn sich 2019 letztendlich deutlich weniger Jugendliche für das Modular interessierten als in den Vorjahren.

Es war höchster politischer Wille, das Gaswerkgelände in seiner Entwicklung von der Industriebrache hin zum Kreativumfeld mit einem Publikumsmagneten zu adeln. OB Kurt Gribl selbst bezeichnete den Umzug als »alternativlos« und stellte die damaligen Festivalmacher*innen mehr oder weniger vor die Wahl, entweder der neuen Location zuzustimmen oder das Modular zu begraben.

Für Wirtschaftsreferentin Eva Weber, die Kurt Gribl als CSU-OB in Augsburg nur zu gerne beerben würde, kommt das Thema zur Unzeit. Die Stadt ist chronisch klamm. Die Referentin hat eigentlich keine sechsstelligen Geldreserven in ihrer Schatulle. Aber eine OB-Kandidatin, die das größte Festival für Jugendkultur in der Stadt nur sechs Monate vor der Wahl beerdigt, würde vom Zielpublikum wohl »gegrillt« werden. Das Thema wurde nun zur Chefinnensache gemacht und die CSU-Fraktion in Sachen »Finanzielle Absicherung des Modular Festivals« in Stellung gebracht. Eine »Rettungsaktion« in eigener Sache, wenn man so will.

Natürlich hat auch der Stadtjugendring (SJR) Verantwortung für das Finanzdesaster und die Folgen zu übernehmen. Mit dem Umzug und den Preiserhöhungen blieben 2019 die Erträge aus dem Kartenvorverkauf zurück. Eine Tatsache, die niemand auf die widrigen Wetterverhältnisse in diesem Sommer schieben kann. Wir erinnern uns: Im Vorjahr waren die Tickets bereits im Vorverkauf restlos vergriffen. 

Bei allen Meriten, die sich der SJR in Sachen Jugendkultur in den letzten 25 Jahren erworben hat, muss dieser Zusammenschluss diverser lokaler Jugendverbände das Konzept des Festivals und seine eigenen Positionen gegenüber der Politik offen diskutieren. Stimmt die Zielgruppenausrichtung des Modular? Spricht der SJR damit alle Jugendlichen an? Was läuft bei der Programmgestaltung falsch? Warum findet das Jugendkulturfestival nicht gratis in der City statt, wie sein legendärer Vorgänger X-Large? Lässt sich der SJR von der Politik instrumentalisieren?

Sobald diese Fragen geklärt sind, sollte man sich gemeinsam an die Arbeit für das Modular 2020 machen.
  
Foto: SJR Augsburg

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