Der lange Marsch zur Schule der Zukunft

26. Juni 2018 - 9:30 | a3redaktion

Das Erasmus-Projekt »Owning the Future – Preparing Students for Success in Learning & Life«. Ein Gastbeitrag von Peter Bommas

Dieses auf zwei Jahre angelegte europäische Schulprojekt, initiiert vom Holbein- und Maria-Theresia-Gymnasium in Kooperation mit weiterführenden Schulen in England, Spanien und den Niederlanden, arbeitet sich über fünf intensive, partizipativ strukturierte Projekttreffen an dem eigentlich uralten Thema »Lernen fürs Leben« ab und diskutiert konkrete Visionen einer noch immer nicht allgemein durchgesetzten »demokratischen Schule«. Im Mittelpunkt stehen die nur zum Teil eingelösten pädagogisch-didaktischen Vorgaben von diskursivem Unterricht durch fächerübergreifende Projektarbeit, die Bedeutung außerschulischer Lernorte und der damit verbundene Kompetenzgewinn sowie Formen interkulturellen und aufsuchenden Lernens.

Insgesamt eine ziemlich schwierige Nummer, berücksichtigt man die in Europa sehr unterschiedlichen schulischen Lerntypen, organisatorischen Strukturen und partizipativen Möglichkeiten für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Den teilnehmenden Schulen, Schüler*innen und Lehrkräften wird so ein hohes Maß an Empathie für »learning by doing«, Improvisationstalent und kreatives Denken abverlangt. Aber das macht dieses Projekt gleichzeitig zu einer sehr interessanten, zielgerichteten und doch ergebnisoffenen Veranstaltung.

Den grundsätzlichen Input zu diesem europäischen Diskurs übers Lernen erhielten alle Teilnehmer beim ersten Treffen im November in Augsburg durch die Teilnahme am »Begabungstag« des Bildungsbündnisses mit dem Schwerpunkt »Demokratische Schule« und verschiedenen Best-Practice-Beispielen mit der Frage nach deren Implementierung in den jeweiligen Schulalltag. Als Zwischenziele für den Sommer 2018 wurden formuliert: das Ausprobieren neuer Lernformen, die Umsetzung von Projekten mit Recherchearbeit, die Arbeit in Workshops mit außerschulischen Expert*innen und konkrete Überlegungen zur Präsentation dieser Resultate im Rahmen des Augsburger partizipativen Schüler*innen-Festivals »Just Kids – Pop, Poetry & Palaver«, das vom 25. bis 28. Juni im Kulturhaus abraxas, Kulturpark West, der Stadtbücherei und an den Schulen stattfindet..

Für das zweite Austauschtreffen in Murcia (Spanien) Ende Februar 2018 waren damit die Grundlagen gelegt, die »Hausaufgaben« waren klar und das Rahmenthema »Die Kulturrevolution von 1968 und die Folgen bis heute im europäischen Vergleich« definierte den Diskussionsverlauf. Wobei der Vorschlag mehrerer Schüler*innen, als Ausgangspunkt der Recherche die aktuelle Wahrnehmungsoberfläche der heutigen Generation zu verwenden und dann Schicht um Schicht, geordnet nach Generationen, zum Kern von 68 vorzustoßen und so den verbindenden »roten Faden« zu finden, große Zustimmung erfuhr. Und vor diesem Hintergrund ergaben sich auch gleich zentrale Fragen, die von den Schüler*innen aufgeworfen und in den Arbeitsgruppen diskutiert wurden: Warum ist die Idee der demokratischen Schule als ein Ergebnis der 68er-Revolte bis heute noch nicht verwirklicht? Kann Schule überhaupt so was wie »cool« sein? Was heißt denn »Coolness« bezogen auf die Pflichtveranstaltung der Schule? Kann schulisches Lernen für den jugendlichen Alltag Inspirationsquelle sein? Ist die Ganztagsschule für diese Entwicklung das richtige Konzept oder zerstört sie nicht gerade wichtiges außerschulisches Erfahrungslernen? Muss »Lernen« als unabdingbare Kulturtechnik nicht auch außerhalb von Schule verankert sein, da sonst die Aussage von »lifelong learning« nur Gerede bleibt? Wie und wo kann man Schüler*innen abholen, um ihnen Lernen als Prozess von Erkenntnis und Handlungsanleitung begreifbar zu machen? Welchen Stellenwert haben außerschulisches Lernen und Kompetenzerwerb als neue Form von »Brainwashing« im Sinne von Ideologiekritik?

Dieser überraschend offen zwischen Lehrkräften und Schüler*innen geführte Diskurs konnte in Murcia nicht abschließend behandelt werden, macht aber deutlich, dass im Unterschied zu vorangegangenen Erasmus-Projekten die Phasen zwischen den Treffen eine viel größere Bedeutung gewonnen haben, dass eine echte prozessuale Beschäftigung mit dem Thema »Own Your Future« initiiert werden konnte. Gespannt sind jetzt alle, wie sich dieses Vorgehen in den Präsentationen beim »Just Kids«-Festival Ende Juni niederschlagen wird.

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