Auf das Leben!

2. März 2015 - 18:01 | Patrick Bellgardt

Am 5. März feiern jüdische Gemeinden überall auf der Welt Purim – ein Fest der Lebensfreude, der Freundschaft und des Humors.

Haman, einst höchster Regierungsbeamter des persischen Königs Achaschwerosch, nutzt seine Macht selbstsüchtig aus: Als er die königliche Dienerschaft vor sich niederknien lässt, weigert sich der Jude Mordechai als Einziger, dem Befehl zu gehorchen. Aus Rache fasst Haman den Plan, »alle Juden vom Knaben bis zum Greis, Kinder und Frauen an einem einzigen Tag zu vertilgen, zu erschlagen, zu vernichten und ihre Habe als Beute zu plündern.« So steht es im Buch Ester geschrieben. Ester, ihres Zeichens jüdische Ehefrau des Königs und Adoptivtochter Mordechais, gelingt es jedoch, Haman durch geschickte Diplomatie zu stürzen und den Juden ein Recht auf Selbstverteidigung zuzusichern.

Das Purimfest erinnert heute überall auf der Welt an diese Errettung. Gefeiert wird der freudige Gedenktag am 14. des Monats Adar bzw. Adar II. In diesem Jahr fällt der Termin auf den 5. März. Eine Ausnahme bilden Städte, die zur Zeit des Propheten Josua eine Stadtmauer hatten. Dort – heute gilt dies nur für Jerusalem – ist es erst einen Tag später so weit. Grundsätzlich beginnen jüdische Feiertage beim Sonnenuntergang am Vorabend des jeweils angegebenen Tages, heuer also am 4. März. Purim, von hebräisch »Pur«, bedeutet so viel wie »Los« – eine Anspielung auf die Geschichte des Buchs Ester: Haman wollte den genauen Tag des von ihm geplanten Genozids durch einen Losentscheid bestimmen lassen.

Obwohl es sich um einen normalen Arbeitstag handelt, ist das Purimfest durch besondere Bräuche und Riten gekennzeichnet, die sich von Ort zu Ort stark unterscheiden können. Insgesamt lassen sich aber sieben Pflichten ausmachen, die Gläubige einhalten sollten: 1. Vollständige Lesung des Buchs Ester 2. Geschenke an Freunde und Verwandte 3. Geschenke an die Armen 4. Lesen der Tora 5. Aufsagen des Dankesgebets »Al ha-Nissim« 6. Abhalten einer Festmahlzeit 7. Verbot von Trauerreden und Fasten.

Purim ist ein Fest der Lebensfreude, der Freundschaft und des Humors. Viele Menschen, vor allem Kinder, verkleiden sich ähnlich wie im Karneval mit farbenfrohen Masken und Kostümen. In Israel ziehen bunte Umzüge durch die Straßen. In einigen Gemeinden werden »Purimspiele« aufgeführt, die die Geschichte Esters nacherzählen. Launenhafte Possen oder Parodien sind dabei keine Seltenheit. »Ad lo jada« – wörtlich übersetzt: »bis man nicht mehr weiß« – ist eine der bekanntesten Redewendungen zu Purim. Die Bedeutung: Man soll so viel trinken, bis man nicht mehr zwischen »Verflucht sei Haman« und »Gesegnet sei Mordechai« unterscheiden kann. An Purim ist das tatsächlich erlaubt. Der passende Trinkspruch dazu lautet: »L’Chaim!« – auf das Leben!

Die israelitische Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg lädt am 4. Februar um 17 Uhr alle Kinder, Gäste und Gemeindemitglieder zur Purimfeier in den großen Saal der Synagoge. Bereits am 3. März um 18 Uhr wird im Festsaal die Ausstellung »Purim – ein Fest aus Freude über die Rettung« eröffnet. Die Schau ist bis zum 22. März zu sehen.

www.jkmas.de


Foto (© Daniel Lilach): Der bunte Festzug in Tel Aviv gehört zu den bekanntesten Purim-Umzügen in Israel. Auf den Straßen sind farbenfrohe Masken und Kostüme wie im Karneval zu sehen

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