Leerstellen, die es zu füllen gilt

12. Juni 2020 - 10:01 | Juliana Hazoth

Buchbesprechung: »Zwiegespräch mit Liebeli« von Ioana Orleanu

Namhafte Literaturzeitschriften wie manuskripte und Lichtungen druckten bereits Geschichten der in Augsburg lebenden Autorin und Übersetzerin Ioana Orleanu. Ihr aktueller Sammelband »Zwiegespräch mit Liebeli« umfasst neun Erzählungen, darunter auch die titelgebende Geschichte, die 2019 in manuskripte erstveröffentlicht wurde.

Es braucht nur wenige Worte, bis sich die Sprachgewalt der Autorin abzeichnet. Doch mit jeder weiteren Zeile verstärkt sich der einnehmende Stil weiter. Orleanus Wortwahl ist nie zufällig, immer präzise und auf den Punkt. Was zunächst glasklar scheint, offenbart nach und nach weitere Schichten und zeigt, wie wirkungsvoll die Autorin ihre Sprache einzusetzen weiß. Dabei schafft sie die Balance zwischen roher, ehrlicher Direktheit und poetischer Leichtigkeit. Sie erzählt von dem Besonderen im Alltäglichen, vom Dramatischen der Normalität. Die Geschichten sind voll von stimmungsvollen Details und spielen gleichzeitig mit großen Leerstellen, die es selbst zu füllen gilt.

Das Ergebnis ist ein buntes Mosaik aus Sprache, Erzählungen und Stimmungen. Neun Geschichten, die jede für sich stark daherkommt und nur durch die Sprachgewalt und dem kraftvollen Stil verbunden scheinen. Orleanus Erzählband wartet sicher nicht mit Gute-Nacht-Geschichten auf, sondern fordert Raum und Aufmerksamkeit verdientermaßen ein.

Informationen zu diesem und weiteren Werken von Ioana Orleanu und ihrer Person finden Sie hier:
ioanaorleanu.wordpress.com

Ioana Orleanu – Zwiegespräch mit Liebeli
Paperback, 144 Seiten
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: März 2020

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