Liebe, Kampf und glückliche Lösung

8. Mai 2019 - 11:37 | Dieter Ferdinand

Im martini-Park gibt das Staatstheater Augsburg das große historische Ritterschauspiel »Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe« von Heinrich von Kleist.

Schon in der ersten Szene zeigt sich die außerordentliche Sprachmächtigkeit des Dichters Heinrich von Kleist (1777–1811). Der Waffenschmied Theobald Friedeborn klagt vor Gericht den Grafen Friedrich Wetter vom Strahl an, er sei mit dem Satan im Bund, weil seine 15-jährige Tochter Käthchen dem Grafen immer hinterher laufe. Es erfolgt Freispruch.

Käthchen kämpft unbeirrbar um ihre Liebe zu Graf vom Strahl, beruft sich auf eine Prophezeiung und den ihr erschienenen Engel. Sie fällt oft in Ohnmacht oder Schlaf, erträgt Demütigungen und meistert zwei Proben. Die Wasserprobe besteht in der Überquerung eines reißenden Forellenbachs. In der Feuerprobe muss sie für die eifersüchtige Kunigunde von Thurneck aus deren brennendem Schloss Wichtiges holen. Das gelingt.

Graf vom Strahl hat sich inzwischen in Kunigunde verliebt, diese will Käthchen beseitigen, was misslingt. Der Graf nimmt die Liebe Käthchens wahr, erkennt seinen Irrtum und bittet um Verzeihung. Den Standesunterschied löst der Kaiser höchstselbst auf. Er gesteht einen Seitensprung neun Monate vor Käthchens Geburt, ernennt sie zur Prinzessin von Schwaben und befiehlt dem Grafen die Aufnahme von Käthchens Vater in sein Schloss. Es folgt die Hochzeit des hohen Paars. Kunigunde fühlt sich ausgespannt und schwört Rache.

Regisseur Christian von Treskow ist ein pralles Volkstheater gelungen, bei dem Komik, Satire und tiefere Bedeutung zu ihrem Recht kommen. Eingesetzt werden viele, auch technische Mittel: mittelalterliche Kleidung, Ritte auf Steckenpferden, sprießende Natur, starkes Gewitter und verwitterte Bauten. Klaus Müller lebt sprachlich und mimisch überzeugend den gekränkten, kampfbereiten Theobald. Karoline Stegemann agiert als liebende, duldsame, sich selbst und ihrem Engel treue Käthe. Patrick Rupar als Graf vom Strahl gibt den harten, abweisenden, demütigenden Ritter, der schließlich seinen weichen Kern sprechen lässt. Ute Fiedler verkörpert die durch den Irrtum des Grafen glückliche, Käthchen verfolgende und Rache schwörende Kunigunde. Als würdiger Richter tritt Thomas Prazak auf. Die verhüllten Richter des heimlichen Gerichts begleiten chorisch dräuend den Prozess zu Beginn des Theaterstücks. Alle Darsteller*innen artikulieren hervorragend und spielen begeistert.

Anhaltend-dankbarer Applaus für alle Mitwirkenden.

Weitere Termine:
www.staatstheater-augsburg.de

Abbildung (Klick hier zum Vergrößern): Käthchen (Karoline Stegemann) ist verwirrt, sie kennt noch nicht die Bedeutung ihres Hochzeitskleids. Im Hintergrund: Katja Sieder als Eleonore. (Foto: Jan-Pieter Fuhr)


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