Die Liebe? Die Liebe!

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5. Juni 2018 - 16:01 | Bettina Kohlen

Als letzte große Indoor-Produktion dieser Spielzeit geht Shakespeares Komödie »Viel Lärm um nichts« im martini-Park über die Bühne.

Der Garten des Edelmanns Leonato (Gerald Fiedler) erweist sich als rutschiges Parkett. In William Shakespeares abgedrehtem Verwirrspiel agieren die 11 Protagonisten unentwegt auf einer verdammt schiefen Ebene. Regisseur Malte Kreutzfeldt, der auch die Bühne eingerichtet hat, zitiert mit seiner knallgrünen Kunstrasen-Rampe einerseits die bewährte Praxis, mit Hilfe eines ansteigenden Bodens Raumtiefe zu erzeugen, aber vor allem macht er das tragikkomische Unterfangen der Akteure deutlich, trotz aller Liebeswirren dem kompletten Abrutschen zu trotzen.

Zwei Paare stehen im Mittelpunkt des Geschehens, das beim englischen Landadel angesiedelt ist: Claudio (Daniel Schmidt) und Hero (Karoline Stegemann) stehen für eine romantische Liebe wie aus dem Bilderbuch. Das andere Paar, Benedikt (Andrej Kaminsky) und Beatrice (Katja Sieder), scheint mehr wie Hund und Katze, reibt sich mit geschliffenem Worten aneinander. Mit Hilfe zweier Intrigen höchst unterschiedlicher Absicht wird das Liebestreiben aufgemischt. Don John, der Böse (Sebastian Baumgart), streut (erstmal erfolgreich) rufschädigende Fake News, um die sittsame Hero zu kompromittieren, so dass der maßlos enttäuschte Claudio sie am Altar stehen lässt. Don Pedro, der Gute (Patrick Rupar), sorgt dafür, dass Benedikt und Beatrice, einander in herzlicher Abneigung zugetan, den jeweils anderen äußerst begehrenswert finden. Das unausweichliche schräge Durcheinander nimmt Fahrt auf, ohne Angst vor Slapstick. So sorgen die beiden etwas dämlichen Polizisten Seacoal (Ute Fiedler) und Dogberry (Roman Pertl) für Chaos, die leicht wirre Kammerzofe Margarethe (Natalie Hünig) und Konrad, der schurkische Gehilfe Don Johns (Kai Windhövel) spiegeln mit Aktionismus die Intrigen der Herrschaften.

Inmitten der zahlreichen Einfälle und Späßchen rückt das Spiel gelegentlich gefährlich nah an ein Nummernfeuerwerk – doch Kreutzfeldt und das wunderbare Ensemble kriegen immer wieder elegant die Kurve. Zweieinhalb Stunden sind ruckzuck vorbei und es erweist sich – wieder einmal – dass Shakespeares Blick überzeitlich gültig ist. Diese Sache mit der Liebe, dem Vertrauen, Intrigen und Gerüchten läuft heute noch ebenso, oder? Doch das wunderbare Schlussbild, zu dem sich schließlich fünf Paare finden, lässt uns hoffen …

Ach ja: Wer es in diesem Sommer nicht mehr in den martini-Park schafft, muss sich keine Sorgen machen. Das wilde Spiel um Liebe undsoweiter steht auch in der nächsten Spielzeit auf dem Programm.

www.theater-augsburg.de

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