Liebe, Macht und Tod in einer Sommernacht

6. Juli 2015 - 12:56 | Bettina Kohlen

Bluespots Productions haben ein Händchen für atmosphärische Orte. Zwei Wochenenden lang sind die Wassertürme am Roten Tor Schauplatz eines Dramas auf mehreren Etagen: Romeo und Julia.

Leonie Pichler und Martin de Crignis haben die Thomas-Brasch-Adaption des Shakespeare-Dramas in Szene gesetzt. Im Rahmen der Bewerbung zum UNESCO-Welterbe bespielen sie die Wassertürme und den Garten vor dem Handwerkermuseum.

In diesem Garten beginnt es. Hier steigt das „Fratzenfest“, der Maskenball des Grafen Capulet. Diverse Romeos und Julias flanieren und poussieren zwischen Rosenstöcken, der Graf streitet ein wenig mit seiner Tochter, Wunderwelt und Misuk spielen wunderbar im sanft beleuchteten Park. Der Theaterbesucher – ebenso hinter einer Maske verborgen wie die anderen Akteure – wird zum Ballgast und verbringt auf das angenehmste seine Zeit, bis er sich in einer kleinen Gruppe zum Wasserturm begibt.

Der Zuschauer steigt die Treppen hinauf und gerät auf jedem Stockwerk hautnah ins Geschehen – es ist ziemlich eng im Turm. Punktuell werden mit Schauspiel, Liedern (Vertonung: Misuk!), Tanz und Installation Szenen herausgegriffen, die sich allmählich zusammenfügen. In 13 Episoden durchwandert der Gast das Drama um Romeo und Julia. Auch die Balkonszene fehlt nicht: Julia agiert auf einer Brücke hoch über den Köpfen von Romeo und den Zuschauern. Am Ende steht der Tod. Jeder erhält eine kleine Phiole mit schnell wirkendem (Pfefferminz-)Gift.

Junge Darsteller, räumliche Enge und eine gewisse interpretatorische Distanz machen daraus eine runde Sache. Durch die schlaglichtartigen Ausschnitte geht dem Ganzen zwar mitunter das stringente und dramatische ab, doch insgesamt ist hier ein ungemein reizvolles Zusammenspiel von Ort, Thema und Atmosphäre gelungen: Theater, das alle Sinne anspricht. Noch dreimal zu sehen am nächsten Wochenende 10., 11. und 12. Juli. Eintritt: 5 Euro

www.bluespotsproductions.com

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