Maskenball

13. Februar 2017 - 10:36 | Michael Friedrichs

Das Brechthaus präsentiert wertvolle Exponate aus dem Nachlass von Barbara Brecht-Schall. Ein Gastbeitrag von Michael Friedrichs

Man merkt Thomas Weitzel die Freude an, als er an Brechts 119. Geburtstag die Sonderausstellung im Brechthaus eröffnet. Nach mehreren Jahren ist wieder ein substantieller Ankauf von Werken aus Brechts Nachlass durch die Stadt Augsburg gelungen. Die Töchter von Barbara Brecht-Schall haben diese Stücke zuerst der Stadt Augsburg angeboten, und diese hat zugegriffen, mit freundlicher Unterstützung der Wilhelm-Carl-Nagel-Stiftung.

Zu sehen sind im Augsburger Brechthaus noch bis 23. April: Zwei Brecht-Lebendmasken aus Gips und eine in Bronze, 1930 von Paul Hamann abgenommen – dazu gibt es ein bekanntes Foto, das Brecht mit seiner Lebendmaske zeigt; die Original-Totenmaske, 1956 von Gerhard Thieme abgenommen; ein Entwurf von Caspar Neher für ein unbekanntes Stück, betitelt »Ich will ES WISSEN« (Wasserfarbe auf Holz); fünf Szenenbilder von Caspar Neher zu Brechts Fragment »Der Wagen des Ares« (1948).

Die Neher-Aquarelle waren Barbara Brecht-Schall offenbar besonders wichtig – es gibt ein Foto, auch in der Ausstellung zu sehen, das sie bei ihrem 80. Geburtstag vor diesen Bildern zeigt. Sie sind sehr lebendig und detailreich. Sarah Klein (Kunstsammlungen) teilt mit, dass in München und Wien weitere Szenenbilder zu diesem Stückentwurf liegen. Von Brecht gibt es hierzu nur Fragmente im Umfang von 16 Druckseiten, begonnen 1947 in den USA mit Blick auf seine Rückkehr in das vom Krieg zerstörte Europa. Es geht um das Verhältnis von Kriegsgott Ares und der Göttin des Handels, die im Stück tatsächlich ein Verhältnis haben. Mit Caspar Neher hat Brecht im April 1948 in Zürich daran gearbeitet. Es wäre prachtvoll, alle zugehörigen Neher-Entwürfe einmal zusammenzuführen und mit Brechts Text szenisch-experimentell umzusetzen. Wie wär’s, Patrick Wengenroth?

Die Masken sind sehr detailreich gearbeitet, nach einem von Paul Hamann entwickelten Verfahren. Er hat insgesamt 160 Lebendmasken von zeitgenössischen Künstlern und Schauspielern abgenommen. Bereits 1930 zählte er offenbar Brecht zu den Wichtigen. (Michael Friedrichs)

Thema:

Weitere Positionen

6. Dezember 2019 - 10:46 | Renate Baumiller-Guggenberger

Die Operette – kokett und frivol, altbacken und harmlos, Kitsch oder Kunst? Ganz klassisch – die a3kultur-Klassik-Kolumne

6. Dezember 2019 - 6:30 | a3redaktion

Leseempfehlung 2019 – Nr. 10: Ein möglichst intensives Leben – Die Tagebücher von Lion Feuchtwanger

5. Dezember 2019 - 9:27 | Susanne Thoma

Kreativquartier Gaswerk als Gemeinschaftsaufgabe. Wie ist der Stand der Umsetzung? Die Ständige Konferenz fragt nach.

5. Dezember 2019 - 6:30 | a3redaktion

Leseempfehlung 2019 – Nr. 9: Archiv der verlorenen Kinder von Valeria Luiselli, übersetzt von Brigitte Jakobeit

4. Dezember 2019 - 6:30 | a3redaktion

Leseempfehlung 2019 – Nr. 8: Mozarts vergessene Vorfahren – Eine Künstlerfamilie aus Augsburg und Schwaben von Bernhard Graf

3. Dezember 2019 - 6:30 | a3redaktion

Leseempfehlung 2019 – Nr. 7: Grüner Reis und Blaubeerbrot – Lieblingsrezepte für Kinder aus aller Welt von Felicita Sala

2. Dezember 2019 - 9:16 | Iacov Grinberg

Familienfest Weihnachten – die Märchenstraße des Augsburger Christkindlesmarkts

2. Dezember 2019 - 6:30 | a3redaktion

Leseempfehlung 2019 – Nr. 6: Kaltes Licht von Garry Disher

tiepolo_flucht_nach_aegypten_3303_klein.jpg
1. Dezember 2019 - 7:26 | Bettina Kohlen

Bettina Kohlen schlägt in ihrem Kunstrundgang einen Bogen von hochbedeutenden Heroen der Kunstgeschichte wie Albrecht Dürer hin zu kleinformatiger »affordable art« aus der Region, die bescheidener ist, aber nicht weniger wichtig ...

1. Dezember 2019 - 6:30 | a3redaktion

Leseempfehlung 2019 – Nr. 5: Auf Erden sind wir kurz grandios von Ocean Voung