Ein Meilenstein

26. Dezember 2017 - 8:01 | Gast

Das Wittelsbacher Schloss in Friedberg steht vor der Wiedereröffnung. Ein Gastbeitrag von Frank Büschel

Friedberg kann 2018 einen Meilenstein in sein Geschichtsbuch setzen. Das Wittelsbacher Schloss, die Wiege der Herzogstadt, wurde die vergangenen Jahre rundum saniert und erneuert. Mit rund 21 Millionen Euro wird der Kostenrahmen wohl eingehalten werden, knapp neun Millionen fließen über Zuschüsse und Spenden an die Stadt Friedberg zurück. Die feierliche Eröffnung des auf der Lechrainhöhe thronenden Wahrzeichens steht bevor. Es hat gute Voraussetzungen, gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt Friedbergs als Bürgerschloss zu werden und künftig zahlreiche Gäste aus nah und fern zu begrüßen.

Einen ersten Ritterschlag haben Friedberg und sein Schloss schon vor der Eröffnung erhalten. Die Bayerische Landesausstellung wird 2020 in Friedberg präsentiert. Dann geht es im Schloss freilich nicht um mittelalterliche Ritter, sondern um die Wittelsbacher als Städtegründer.

Das Schloss hat gute Voraussetzungen, gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt Friedbergs zu werden.

Die Burganlage, noch vor der Stadtgründung 1257 als Grenzfeste erbaut, diente im 16. Jahrhundert Christina von Lothringen als Witwensitz. Sie feierte dort ausgelassen mit ihren Gästen. Sogar Orlando di Lasso soll dabei gewesen sein. Und schon seit über 130 Jahren zeugt das Museum, zunächst als Heimatmuseum, von einer bewegten Geschichte im Schloss.

Diese beiden Säulen, ein Museums- sowie ein Veranstaltungs- und Tagungsbetrieb sind in moderner und ausgebauter Form auch in Zukunft die Betriebsstützen. Besucher können künftig in den Gewölben des Rittersaals und der Remise ihren Geburtstag zelebrieren, im Renaissancehof unterm Sternenhimmel der Musik lauschen, auf der Schlossterrasse einen Cappuccino, und vom Schlossturm die Aussicht Richtung Alpen und dem Lechfeld genießen. Für Firmenevents und Tagungen stehen Veranstaltungsräume verschiedener Größe zur Auswahl: vom Herzog-Ludwig-Zimmer für 15 Personen bis zum Großen Saal mit 350 Personen.

Aus architektonischer Sicht ist der Große Saal das Herzstück der Veranstaltungsräume. Ihm ist die Fürstengalerie als Foyer vorgelagert. Er entfaltet mit 20 Metern Länge, einer Breite von 15 Metern und einer Höhe von 13 Metern eine Dimension, die in diesem Gebäudeabschnitt so zuletzt nicht erlebbar war, da er zuletzt über drei Ebenen verfügte. Der Saal, der über die statisch notwendigen Tragsäulen verfügt, erhält einen stilvollen Eichendielenboden und wird mit moderner Technik für vielfältige Veranstaltungsformate von Hochzeiten, Musikdarbietungen, Kabarett bis hin zu Preisverleihungen und Galaveranstaltungen zur Verfügung stehen.

Aus architektonischer Sicht ist der Große Saal das Herzstück der Veranstaltungsräume

Das Museum – es zählt zu den frühen Gründungen Bayerns – zieht innerhalb des Burggemäuers in den Südflügel um. Topmodern wird es sich mit Mitmachangeboten, Medien- und Hörstationen präsentieren. Erwachsene und Kinder sind eingeladen, Dinge selbst auszuprobieren und in die Hand zu nehmen. Die bauliche und gestalterische Herausforderung mit vielen kleinen Räumen wurde gut gemeistert, rund 900 Objekte werden platziert und erstmals kann das Museum in einem Rundgang besucht werden.

Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Präsentation der international bedeutsamen Uhren, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert von Friedberg als ein Zentrum der Uhrmacherei in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, nach Ungarn, Venedig und das Osmanische Reich geliefert wurden. Daneben entwickelte sich im 18. Jahrhundert ein weiterer Wirtschaftszweig: Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern ließ im Wittelsbacher Schloss einige Jahre Fayencen produzieren, die heute wieder an Ort und Stelle zu bestaunen sind.

Im Fokus stehen im Museum auch die Archäologie-Abteilung, die Themen Wallfahrten (Herrgottsruh und Sankt Afra im Felde) und sakrale Kunst sowie bedeutende Friedberger Künstler des 20. Jahrhunderts. Zu sehen und lesen sind Buchillustrationen zur schwarzen Romantik und Phantastik von Fritz Schwimbeck. Auch Reinhart Heinsdorff ist ein Kabinett gewidmet. Von ihm besitzt europaweit fast jedermann ein Werk in seinem Portemonnaie. Er entwarf die 2-DM-Münzen mit dem Porträt Konrad Adenauers sowie die deutschen Cent-Stücke des Euro mit dem Brandenburger Tor.

Frank Büschel ist bei der Stadt Friedberg als Abteilungsleiter für die Öffentlichkeitsarbeit und für Kultur zuständig. Er ist Vorstandsmitglied im bayerischen Netzwerk Stadtkultur. Unter seiner Federführung findet alle drei Jahre das Altstadtfest »Friedberger Zeit« statt. Büschel ist verantwortlich für den Aufbau der Betriebsstrukturen im Museum und im Veranstaltungsbereich des Wittelsbacher Schlosses, das 2018 sein Tor nach der Umbauphase wieder öffnet.

www.friedberg.de


Was bringt das neue Jahr? Die a3kultur-Redaktion hat 16 Kulturmacher*innen aus unserer Region um einen Gastbeitrag zu ihren Projekten 2018 gebeten. Mehr in unserer aktuellen Printausgabe: http://a3kultur.de/ausgabenarchiv

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