Meisterhafte Polyphonie

15. Mai 2018 - 13:44 | Renate Baumiller-Guggenberger

Göttliches Finale: Mozarts Messe in c-Moll für Soli, Chor und Orchester, KV 427 zum Abschluss des Deutschen Mozartfests 2018 in der Basilika St. Ulrich und Afra.

Ja, auch so kann man, bzw. konnte Mozart es: Seine Liebe (zu Constanze) und seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen! Hagel, Blitz und Donner waren die Vorboten dieses wahrlich himmlischen Festfinales in der vollbesetzten Basilika St. Ulrich und Afra. Sie bot die perfekte räumliche Kulisse und das Podium für den in allen Lagen souveränen Chor des BR, für die feinsinnig gestimmten Instrumentalisten der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung des profunden Mozartkenners Howard Arman sowie für ein höchst virtuoses Solistenquartett (Christina Landshamer, Anke Vondung, Steve Davislim und Tobias Berndt). In harmonischem Einklang und bezwingender künstlerische Intensität brachen sie alle auf, um Mozarts (hier von Clemens Kemme komplettierte) Kirchenkomposition in ihrem unermesslichen Ausdrucks-Kosmos zu präsentieren. Vorangestellt als sanftes Warm-up gab es die musikalische Referenz an die geistliche Musik des  Vaters Leopold Mozart mit dessen »Litanei Es-Dur«.

Nur zwei Jahre nachdem Mozart seine Geburtsstadt verlassen hatte, brachte er als Frischvermählter seine frisch komponierte Messe im Gepäck zum Vater nach Salzburg, wo sie (vermutlich) am 26. Oktober 1873 in der Kirche Sankt Peter erstmals erklingen durfte. Befreit vom strengen Fürsterzbischöflichen Diktat, das ihn als Hoforganist aus Salzburg vertrieben hatte, machte er deutlich, wie lustvoll und beseelt sich der liturgische Messe-Text in seine Tonsprache übersetzen lässt. Gratias agimus tibi propter magnum gloriam tuam – Dank sagen wir Dir ob Deiner großen Herrlichkeit. Diese Textzeile im GLORIA dürften die zutiefst berührten Zuhörer an diesem Abend auch an Mozart »ausgesendet« haben. Erhebend kann man den Effekt nennen, mit dem diese Komposition die Hörer für sich einnimmt und dabei ganz selbstverständlich den Glaube an das Spirituelle lehrt. Weitgespannte Solonummern wie das Andante des »Et incarnatus est« – zumal wenn es von einer Sopranistin wie Christina Landshamer interpretiert wird, die ihre Partien betörend klar gestaltete und in innigste Höhen hinaus modulierte – verzahnten sich spannungsreich mit den polyphonen Chorsätzen und hielten eine sich gegenseitig befruchtende Balance von Freude und Schmerz, Andacht und Jubel, von kunstvollen Fugen und gregorianischem Choral, von eruptiven Doppelchören und sinnlichen Arien. Unvollendetes wurde vollendet interpretiert, Mozarts musikalische Machtfülle an diesem Abend, der ein weiteres Ausrufezeichen hinter das in diesem Jahr extrem facettenreiche Deutsche Mozartfest in Augsburg setzte, einmal mehr eindrucksvoll gespiegelt!

www.mozartstadt.de

Foto, Astrid Ackermann: Chor des Bayerischen Rundfunks

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