Merci, merci, merci

4. April 2020 - 14:27 | Gast

Serie »75 Jahre Befreiung« – Teil 3: Amerikanifiziert in Bayern. Ein Gastbeitrag von Franz Dobler

 Als ich geboren wurde, hatten die US-Streitkräfte seit über vier Jahren Bayern weitgehend wieder seinem Schicksal überlassen, aber die Spuren und Einflüsse in der ehemaligen amerikanischen Besatzungszone waren zum Glück auch weiterhin so stark, dass ich extrem amerikanifiziert wurde, obwohl meine Eltern das in keinster Weise unterstützten. Alles Angloamerikanische war für sie und wahrscheinlich den allergrößten Teil der Erwachsenen in meiner Umgebung ein Angriff auf ihre bayerische Welt – für mich aber tatsächlich eine Befreiung.

Ich möchte mir nicht vorstellen, was aus mir ohne diesen Einfluss geworden wäre – weiß der Teufel – ich weiß es nicht und wills nicht wissen.

Deshalb bin ich den Amerikanern dermaßen dankbar, dass ich das hier so pauschal sagen kann, ohne das jetzt mit irgendwas zu relativieren. Es gibt nur eine Sache, die ich ihnen vorwerfe: Sie haben die Entnazifizierung nicht mit aller Konsequenz durchgezogen. Und selbst das ist weniger ein Vorwurf, sondern vor allem Selbstmitleid. Die US- und die anderen Streitkräfte der Alliierten hatten ja genug bezahlt, um die Kapitulation Deutschlands zu erkämpfen und die Nazi-Opfer zu befreien.

Um es mit Cannonball Adderley zu sagen: Merci, merci, merci.

Franz Dobler, geboren 1959 in Schongau, ist Schriftsteller, Journalist und DJ. Er lebt in Augsburg und engagiert sich unter anderem im dortigen Flüchtlingsrat. www.franzdobler.de


Zum 75. Jahrestag der Befreiung Augsburgs durch die Amerikaner am 28. April 1945 hat die a3kultur-Redaktion eine Reihe von Autor*innen, Historiker*innen und Menschen der Stadtgesellschaft um einen Gastbeitrag gebeten – zu lesen in den kommenden Wochen hier auf a3kultur.de!

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