»Metamorphosen«

28. November 2019 - 17:54 | Juliana Hazoth

Vor großem Auditorium überreichte Bezirkstagspräsident Martin Sailer am 26. November den 15. Schwäbischen Literaturpreis. Aus über 200 Einsendungen aus dem gesamten schwäbisch-alemannischen Kulturraum wählte die Jury die vier Gewinner der diesjährigen Preisverleihung.

Der Bezirk Schwaben rief dieses Jahr dazu auf, zum Thema »Metamorphosen« Texte zu verfassen und einzusenden. Dieses Thema sei nah am Menschen, betonte Martin Sailer und zitierte Ovid, dessen »Metamorphosen« die antike Literatur maßgeblich prägten: »Alles verändert sich nur. Nichts stirbt!« Auch der Initiator des Preises, Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl, zeigt sich über das Thema erfreut. Sich zu verwandeln sei eine menschliche Grunderfahrung, die auf unterschiedliche Weisen erlebt wird. Wie breit gefächert diese Erfahrungen sein können, zeigt sich in den fantasievollen Interpretationen der ausgezeichneten AutorInnen:

1. Preis: Dr. Ruth Johanna Bernrath (Berlin)
In der dramatischen Erzählung »Auftauen« gleitet die namenlose Protagonistin unaufhaltsam in schlechte Verhältnisse, sieht sich mit einem gescheiterten Leben konfrontiert. Die raffinierte Perspektive der Geschichte sowie deren »kafkaesken Qualitäten« wurde gelobt.

2. Preis: Joachim Off (Gerlingen/Baden-Württemberg)
In Offs Erzählung »Der Hall« verwandelt sich ein Staat, nämlich die DDR. Im Fokus steht ein Vernehmungsoffizier im Ruhestand, die Vernehmung findet im Kopf statt. Zwischen Verzweiflung und Selbstgerechtigkeit arbeitet er seine damaligen Fälle wieder auf, sucht nach Vergebung.

3. Preis: Erik Wunderlich (Freiburg/Baden-Württemberg)
In Wunderlichs Geschichte sieht H in der Verwandlung in einen Frosch die Lösung für seine Einsamkeit als Mensch. Durch die Perspektive werden bekannte Erzählmuster so verfremdet, dass es mehrmaliges Hinsehen bedarf, um sich einen Reim darauf bilden zu können.

Sonderpreis junge Autorin: Maya Baumann (Senden/Augsburg)
»Family Romance« zeigt ein Geschäftsmodell, das es Menschen ermöglichen soll, sich bewusst zu verwandeln und dies durch ihren eigenen Willen wieder zu reversieren. Als dies misslingt, wird es unplanbar und unübersichtlich.

Die Jury bildeten ausgewählte Literatur- und Kulturexperten: Oswald Burger (Literarisches Forum Oberschwaben), Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl, Dr. Michael Friedrichs (Wißner-Verlag), Dr. Friedmann Harzer (Universität Augsburg), Dr. Sylvia Heudecker (Studienleitung Schwabenakademie Irsee), Dr. Ulrike Längle (ehemals Franz-Michael-Felder-Archiv Bregenz), Dr. Sebastian Seidel (Sensemble Theater Augsburg).
 
Die Texte der vier PreisträgerInnen, sowie die von 18 weiteren AutorInnen, erscheinen in der Anthologie Metamorphosen.

Anthologie Metamorphosen, Wißner-Verlag Augsburg, ISBN 978-3-95786-224-2, 276 Seiten, 14,80 Euro; Herausgeber Dr. Peter Fassl

Abbildung, v. l. – Joachim Off, Bezirkstagspräsident Martin Sailer, Maya Baumann, Erik Wunderlich, Preisträgerin Dr. Ruth Johanna Benrath, Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl. Foto: Andreas Lode
 

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