Mode im Nationalsozialismus

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18. Mai 2017 - 10:52 | Bettina Kohlen

Mode war im NS-Staat vor allem Kleidung des Alltags. Wie das aussieht, warum es so aussieht und warum dies keineswegs harmlos ist, zeigt eine neue hervorragende Ausstellung im Textil- und Industriemuseum Augsburg.

Die Alltagsmode im Nationalsozialismus war keineswegs so unpolitisch und dem Einzelnen überlassen wie es zunächst scheint. Die Bedeutung der Uniformierungen von Mann, Frau und Kind ist offensichtlich und der Judenstern ist ein evidentes Zeichen der Ausgrenzung. Doch die Alltagskleidung lässt nicht gleich erkennen, welchen Regeln sie gehorchte. Die grundsätzlichen Linien unterlagen auch in Deutschland der internationalen Mode, doch bestimmend für Aussehen, Schnitt und Material wurden zunehmend die Restriktionen zur Kompensation des textilen Mangels auf Grund der Kriegsvorbereitung. Schonen, ändern, selbermachen (Abbildung: eine selbstgehäkelte Bluse) wurde der „Volksgemeinschaft“ verordnet, Glamour gab es nur auf der Leinwand. Für die politische Elite galt dies allerdings nicht, sie trug verschwenderisch-elegante Kreationen. Und Edelweißpiraten und Swings setzten sich mit herunter geschobenen Socken oder schicken Anzügen bewusst ab. Um den Rohstoffmangel auszugleichen, setzte der Nationalsozialismus auf Rationierung, Raub und Ersatz. Welche perfiden Methoden man zur Materialforschung einsetzte, zeigt sich eindringlich an der schematisch dargestellten KZ-„Schuhprüfstrecke“, auf der Häftlinge sich buchstäblich zu Tode liefen. Ein einzelnes Paar Schuhe wird so zu einem Baustein des nationalsozialistischen Grauens.

Die Ausstellung zeigt anschaulich durch rund 130 Exponate die Aspekte der politischen Bedeutung von Kleidung im Nationalsozialismus. Das ist erhellend und wesentlich, das ist unbedingt einen Besuch wert!

Glanz und Grauen. Mode im „Dritten Reich“. Bis 22. Oktober im Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim)
www.timbayern.de

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