Mozärtliche Ausrufezeichen

11. Mai 2019 - 16:29 | Renate Baumiller-Guggenberger

Das Deutsche Mozartfest feiert vom 11. bis 26. Mai 300 Jahre Leopold Mozart und beleuchtet die Facetten von Wolfgang Amadés »Schöpfer«. Ein Programmüberblick

Eigentlich muss man Klassikliebhabern und Mozartfest-Stammgästen den Besuch aller sechs bzw. sieben Jubiläumsjahr-Konzerte – zählt man das große Orchester-Festkonzert an Leopolds Geburtstag am 14. November im Kongress am Park mit – nachdrücklich ans Herz bzw. Ohr legen! Wann hat man schon die einmalige Chance, innerhalb von zwei Wochen und damit wirklich geballt so hochkarätige Solist*innen und Ensembles von internationalem Rang in Augsburg zu genießen? Interessant mag auf den ersten Blick die Tatsache erscheinen, dass drei Konzerte gänzlich Mozart-frei sind. Um das mit dramaturgischer Finesse und Fingerspitzengefühl komponierte Programm des Deutschen Mozartfestes zu verstehen – das an den restlichen Abenden durchaus den Jubilar und Komponisten Leopold präsentiert – orientiert man sich am besten an den entsprechenden Subtiteln und akzeptiert die Konsequenz, mit der das Mozartbüro im komplexen LEO 300-Festjahr 2019 eben alle Facetten des Jubilars berücksichtigt und inhaltlich raffiniert in Szene setzt.

Die Aufführung des womöglich farbigsten Oratoriums der Musikgeschichte – »Die Schöpfung« (13. Mai, 19:30 Uhr, Ev. Heilig Kreuz) mit Il Giardino Armonico, dem Chor des BR und den drei Vokalvirtuosen Anna Lucia Richter, Maximilian Schmitt und Florian Boesch unter der Leitung von Giovanni Antonini – spielt auf Haydns kompositorische Einflussnahme als »zweitem Papa« von Wolfgang A. Mozart an. Entsprechend lautet der doppeldeutige Zwischentitel »Der Schöpfer eines Wunders«.

Wenn die Star-Violinistin Isabell Faust am 16. Mai um 19:30 Uhr im Goldenen Saal mit Partiten und Sonaten von J.S. Bach bezaubert, ist das Konzert dennoch mit »Die Gründliche Violinschule« übertitelt. Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass Leopold als Autor des legendären Lehrwerks die zu seiner Zeit schon Maßstäbe setzende Geigenkunst von Bach wertschätzte und von ihr profitierte: »Die von Leopold beschriebenen Grundlagen finden in diesem Konzert also ihre Vollendung.«

Das Finale, das am 26. Mai um 18:30 Uhr in Ev. Heilig Kreuz stattfindet, fokussiert sich programmatisch auf Leopold als weitsichtigen und clever netzwerkenden »Manager« und spürt in Beethovens berühmten Triplekonzert C-Dur und Tschaikowskys Pathétique den musikalischen Resultaten geglückter väterlicher Talentförderung nach. Das mozärtliche Ausrufezeichen der Geburtstagsfestspiele setzt Mozartfest-Leiter Simon Pickel allerdings im sinfonischen, »Father and son« versöhnlich vereinenden Eröffnungskonzert, das am 11. Mai um 19:30 Uhr in den akustisch hervorragend geeigneten Kleinen Goldenen Saal lädt. Die Sopranistin Christina Landshamer sowie die beiden Hornisten Erwin Wieringa und Miroslav Rovensky werden klanglich vom Mozartfest-Residenzorchester Akademie für Alte Musik Berlin auf Händen getragen, wenn sie sich W.A. Mozart in Konzertarien sowie seiner D-Dur Sinfonie KV 81 und der Sinfonie Nr. 40 widmen – und sie mit dem gern gespielten Konzert für zwei Hörner Es-Dur aus der väterlichen Feder in Kontrast setzen.

Wer Leopold Mozarts kirchenmusikalisches Schaffen zunächst live erleben, dann aber auch gebrannt auf CD dauerhaft mitnehmen will, der sollte sich schnell Karten für die opulent besetzte  »Missa solemnis« sichern. Am 19. Mai um 18 Uhr wird die Taufstätte Leopolds, die Stifts- und Stadtpfarrkirche St. Georg, erstmals in den Rang der Mozartfest-Stätten erhoben und dank der virtuos engagierten musikalischen Mission der Bayerischen Kammerphilharmonie der Kirchenkompositeur nachdrücklich rehabilitiert.

Ach ja – er dürfte ein Selbstläufer sein, dieser Abend mit den längst nicht mehr nur in ihrer Heimatstadt Augsburg gefeierten Lokalmatadoren Sarah Christian und Maximilian Hornung: Dennoch darf man auf die »Emanzipation der Kammermusik« gespannt sein, die am 20. Mai um 19:30 Uhr im Kleinen Goldenen Saal Schuberts düster-berühmtes Streichquartett »Der Tod und das Mädchen« zum Vergleich mit Kammerwerken von Vater und Sohn Mozart anbietet.           

Alle Programmpunkte im Überblick und weitere Infos unter:
www.mozartstadt.de

Foto: Fabian Schreyer

Thema:

Weitere Positionen

17. September 2019 - 14:26 | Renate Baumiller-Guggenberger

Auch in die dritte Spielzeit startet Augsburgs Ballettdirektor Ricardo Fernando voller Tatendrang und Optimismus, mit sieben neuen Tänzern und einem bewegten Spielplan

15. September 2019 - 14:34 | Iacov Grinberg

In seiner Kunsthalle im abraxas zeigt der Berufsverband Bildender Künstler die Ausstellung »besSITZen – Objekt Stuhl«.

12. September 2019 - 14:34 | Renate Baumiller-Guggenberger

Ursula Anna Neuner feiert im Kulturhaus abraxas das 25-jährige Jubiläum ihrer »tanzwerkstatt«

11. September 2019 - 13:30 | lab binaer

Am Wochenende ging die Ars Electronica unter dem diesjährigen Motto »Out of the Box – The Midlife-Crisis of the Digital Revolution« zu Ende. Benjamin Stechele vom Augsburger Labor für Medienkunst LAB BINÆR berichtet für a3kultur vom Linzer Festival.

Freie Plätze
9. September 2019 - 10:25 | Gast

In einem Gastbeitrag fordert der Leiter des Augsburger Sensemble Theaters, Sebastian Seidel, einen großen kulturpolitischen Wurf für die freien darstellenden Künste.

9. September 2019 - 9:57 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Filmkolumne im September

23. August 2019 - 10:35 | Bettina Kohlen

Die Vergänglichkeit ist ein grundsätzlicher Bestandteil des Lebens, das einem permanenten Wandel unterliegt. Doch können wir nicht nur daneben stehen und unbeteiligt tun – Menschen gehören zu diesen Veränderungen, sind Teil, aber beeinflussen auch massiv. Was das mit Kunst zu tun hat? Viel. Diesmal in Augsburg und Bregenz.

22. August 2019 - 23:23 | Iacov Grinberg

Während der allgemeinen Ferienruhe hat die Galerie Krüggling uns Zuschauern eine neue Ausstellung beschert: Metamorphosis Floralis, welche die Arbeiten der Künstlerin Valeria Koxunov zeigt.

18. August 2019 - 18:13 | Martin Schmidt

Schneidemaschine, Jazz, Neues aus Noise – hochqualifizierte Verstöße gegen die allgemeine Pop-Verordnung. Das Augsburger Duo Schnitt legt das Album des Jahres vor. Eine Rezension von Martin Schmidt.

14. August 2019 - 9:08 | Patrick Bellgardt

Am 24. August gastiert Purple Schulz im Wittelsbacher Schloss in Friedberg. Die 80er-Jahre-Ikone präsentiert ihr neues Album »Nach wie vor« open air im Innenhof. Ein Interview