Klassik

Mozart – Bombe – Requiem – Gauck

Jürgen Kannler
15. April 2016

Am 13. Mai 2017 lädt der Pianist und Musikmanager zu einem Satellitenprojekt in den Kongress am Park. Auf dem Programm wird Mozarts Requiem stehen und am Pult kein geringerer als Mariss Jansons. Er wird an diesem Abend samt BR Rundfunkorchester, Chor und hochklassigen Solisten das Meisterwerk zur Aufführung bringen. Eine knappe Woche vor der Eröffnung des Deutschen Mozartfests (19.–28. Mai 2017) hat dieser absolute Spitzenevent genügend Potential dem Festival gehörig von seiner Strahlkraft abzusaugen.

Dementsprechend war Festivalleiter und Mozartbüro Chef Simon Pickel nicht wirklich angetan von den Neuigkeiten, die ihm und geschätzt 200 weiteren Klassikfreunden sein Kollege Knauer im Rahmen der Programmpräsentation von Mozart@Augsburg bescherte. Zumal der Hamburger Künstler kurz vor der Bombe den Besuchern in der Fuggerbank vom guten Verhältnis und einer möglichen künstlerischen Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Mozartbüro-Mann berichtete. 

Requiem als Satellit von Mozart@Augsburg im Mai 2017

Schon am Nachmittag erklärte Knauer im Interview mit a3kultur von »bedauerlichen Terminzwängen«, die dieses Projekt begleiten. Ursprünglich sollte das Requiem am 11. September 2016, also am 15. Jahrestag der Terrorangriffe auf die New Yorker Twin Towers und bestens eingebettet ins aktuelle Festivalprogramm in Augsburg angestimmt werden. Leider scheiterte diese verlockende Idee am Zeitplan des Weltstars Jansons. Als Ersatztermin offerierte sein Management dann den 13. Mai 2017 und Knauer unterzeichnete – zum Leidwesen des Mozartfestes? Man wird sehen. Dass nun gleich drei voraussichtlich gut bis sehr gut besuchte Klassikevents Pickels Premiere als Festivalleiter am 19. Mai einläuten ist wohl zumindest ungünstig zu nennen. Neben Jansons gibt sich nämlich auch Maestro Domonkos Héja an gleich zwei Terminen (15./16. Mai) mit seinen Augsburger Philharmonikern samt den Domsingknaben noch kurz vor dem Start des Deutschen Mozartfests im Kongress am Park die Ehre. Das Programm heißt übrigens »Wind un Wej«. Und hier pfeift Pickel der Wind ganz bestimmt aus den eigenen Reihen entgegen.

Doch auch ohne diese Bombe setzte Sebastian Knauers Spielplanpräsentation für Mozart@Augsburg 2016 (3.–7. September), das neuerdings mit dem Subtitel »Das Festival der deutschen Mozartregion« aufmacht, einige vielversprechende Impulse.

Zunächst eröffnet das Festival jedoch recht traditionell mit der Gala am 3. September in der Ev. St. Ulrichskirche. An diesem Abend heißt es mit dem Orchestera della Svizzera Italiana unter Markus Poschner alles Mozart. Die unverwechselbare Hannelore Elsner rezitiert dazu ausgesuchte Texte und der Tenor Michael Schade singt Arien aus Don Giovanni und der Zauberflöte.     

Sebastian Knauer greift als Künstler aktiv erst am zweiten Festivaltag ins Programm ein, und zwar am Luthéal sitzend, über das es auf Wikipedia heißt: Das Luthéal ist eine zusätzliche mechanische Ausrüstung für Konzertflügel. Es wurde 1919 von dem Belgier George Cloetens entwickelt und hat den Zweck die Klangfarbe von Saiteninstrumenten, die über eine Tastatur oder von Hand gespielt werden, zu verändern. Das einzig noch vorhandene Luthéal, im Musikinstrumenten-Museum Brüssel, kann in jeden Konzertflügel eingesetzt werden. Es hat vier Registerknöpfe, je zwei für den Bass bzw. Diskant. Mit ihnen kann der Klang so geändert werden, dass er dem eines Cimbalons oder dem des Lautenregisters eines Cembalos ähnlich ist. Maurice Ravel schrieb 1924 die Rhapsodie Tzigane für Luthéal und Violine – das heute meistens mit dem Klavier gespielt wird – um ihm einen folkloristischen Klang ähnlich dem des ungarischen Hackbretts zu verleihen …

Das überaus spannende Programm für diesem Abend titelt unter dem Claim »East meets West – eine Hommage an Yehudi Menuhin zum 100. Geburtstag« und wird musikalisch neben Knauer von Daniel Hope (Violine), Gaurav Mazumdar (Sitar) und Shahbaz Hussain Khan (Tabla) getragen. Zur Aufführung kommen an diesem besonderen Abend im Parktheater natürlich Kompositionen aus Ost und West.

Mit dem Programm Ave Verum präsentieren sich die Augsburger Domsingknaben mit ihrem Leiter Reinhard Kammler am 6. September zum ersten Mal bei Mozart@Augsburg. Auch der Auftrittsort, den sie gemeinsam mit dem ebenfalls von Künstlern aus der Region geprägten Armida Quartett für die Klassik wiederbeleben, ist ein Novum beim Festival. Es handelt sich um St. Georg, die Taufkirche von Leopold Mozart. Zur Aufführung an diesem Abend kommen nicht weniger als neun Titel zwischen Byrd, Mendelssohn und W. Mozart.

Das Herrenhaus Bannacker, Heimat von Johannes Boecker, dem Geschäftsführer der Festival gGmbH, steht am 10. und 11. September im Programmfokus. Am ersten Tag stehen junge Talente der georgischen Paliaschvili Akademie unter dem Titel »Rising Stars« auf der Bühne des privaten Konzertsaals, bevor es am nächsten Tag heißt: »Haydn Pur«.

Neben Sebastian Knauer, diesmal am Klavier, wird das Solistenensemble des Kammerorchesters Basel dem Publikum unter anderem die Klavierkonzerte F-Dur Hob. XVIII:3 und G-Dur Hob. XVIII 4 präsentieren. Neben großer Musik ist für den Tag bei entsprechender Witterung ein Picknick im wunderbaren Park des Anwesens geplant und es kommt womöglich ein besonderer Gast, nämlich  Bundespräsident Joachim Gauck. Zum Hintergrund: Die Konzerte am 11. September in Bannacker sind in diesem Jahr die offizielle Eröffnungsveranstaltung der Stiftung »Tag des offenen Denkmals«, bei der Gauck für gewöhnlich anwesend ist. Chapeau wenn das gelänge auch hier Glückwunsch, Herr Boecker und Herr Knauer.

An den folgenden Tagen haben sich Sir András Schiff (12. 9., Ev. St. Ulrichs Kirche) mit einem Programm von Mozart bis Schubert und am 15. 9. Wu Han (Klavier), David Finckel (Cello), Paul Neubauer (Viola) sowie Daniel Hope (Violine) angesagt. Im Kleinen Goldenen Saal präsentiert das Quartett, deren Mitglieder im Zusammenspiel mit anderen Künstlern in Augsburg dank des Festivals bestens bekannt sind, ihr Programm »Brahms, Mahler, Schumann«.  

Zum Abschluss von Mozart@Augsburg heißt es am 17. September im Goldenen Saal »Vivat Augsburg Vivat«. Klaus Maria Brandauer rezitiert und Sebastian Knauer musiziert. Wer die beiden kennt, weiß was an diesem Finale auf das Publikum zukommen kann.

Der Vorverkauf für Mozart@Augsburg 2016 läuft. Karten für das Mozartrequiem gibt es ab Oktober.
www.mozartaugsburg.com

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