Festival

Mozartbürgermeister

Jürgen Kannler
29. April 2016

a3kultur: Herr Pickel, Sie kamen ja eigentlich nach Augsburg, um das Mozartbüro aufzubauen. Nun leiten Sie, noch keine zwölf Monate im Amt, den Internationalen Violinwettbewerb Leopold Mozart. Was machen Sie dabei anders als Ihre geschätzte Vorgängerin Agnes Schilling, die nun Ehrenvorsitzende des Leopold-Mozart-Kuratoriums ist?
Simon Pickel: Allzu viel möchte ich gar nicht anders machen. Wie der Wettbewerb zum Beispiel gestaltet wird, das stand natürlich schon vor meinem Start hier fest. Ich konnte noch an kleinen Schräubchen drehen, kleine Ergänzungen machen, kleinere Schwerpunkte setzen, vor allem programmatisch. Da hat sich dann doch noch einiges ergeben, wie etwa die Zusammenarbeit mit der Kronberg Academy. Diese Partnerschaft ist auch in einem größeren Zusammenhang mit dem Mozartfest im kommenden Jahr zu sehen. Wo es Sinn macht, versuche ich Wettbewerb und Fest programmatisch unter einen Hut zu bekommen. Ansonsten haben wir uns in der Werbung neu aufgestellt und zeigen damit eine stärkere Präsenz. Im Endeffekt läuft die Basisarbeit gut, auch dank meines tollen Teams.

Sie erwarten 54 junge Musikerinnen und Musiker zum Wettbewerb. Wie alt sind die denn so im Schnitt?
Wir haben die komplette Bandbreite abgedeckt, die vom Teilnahmealter her möglich ist. Die jüngste Teilnehmerin ist 2000 geboren und wird jetzt 16, die älteste ist 29. Der Großteil liegt bei Anfang 20.

Was erwarten diese jungen Leute von Augsburg? Geht es in dem Alter schon knallhart um die Karriere oder können Sie den Gästen auch andere Dinge mit auf den Weg geben?
In erster Linie ist es ein Wettbewerb. Ich glaube aber, dass ein Wettbewerb nicht nur dazu da ist, sich mit anderen zu messen. Wichtige Punkte sind auch die Möglichkeit, sich mit den Mitgliedern einer großartigen Jury austauschen zu können, dass man Kritik bekommt von Leuten, die man schätzt, und dass man ganz nebenbei sein Netzwerk für seine weitere Karriere ausbauen kann. Unser Wettbewerb ist eine gute Gelegenheit, Leute aus der ganzen Welt zu treffen, sich mit ihnen auszutauschen, Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund kennenzulernen und festzustellen, dass man dieselbe musikalische Sprache spricht, dieselbe Leidenschaft teilt. Diesen Austausch, dieses Miteinander und nicht nur die Konkurrenz, das würde ich sehr gerne in den Mittelpunkt stellen.

Sie haben Gäste aus allen Kontinenten, mit Ausnahme von Afrika und Südamerika. Die Violine ist wohl kein Instrument für die ärmere Hälfte der Menschheit. Stört Sie das?
Die Realitäten sind, wie sie sind. Man muss dazu auch sagen, dass sich die Struktur des Teilnehmerfelds bei dem Wettbewerb anders darstellt, als wenn es dann später tatsächlich einmal um die große Karriere geht. Die Asiaten haben eine unheimlich gute technische Ausbildung. Sie sind technisch schon sehr früh sehr reif. In Amerika ist es ähnlich. Ich glaube allerdings, dass in der europäischen Ausbildung mehr Wert auf das Musikalische, das Künstlerische gelegt wird und sich dieser Aspekt später mehr durchsetzt. Wenn Sie die großen Geiger von heute nehmen, dann sind das meist Europäer.

Welche Erfahrungen im Organisieren von Klassikwettbewerben konnten Sie bisher sammeln?
Für die Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände habe ich den internationalen Kammerchor-Wettbewerb Marktoberdorf mitorganisiert und ich habe tatsächlich auch einiges davon hier eingebracht. Wir werden zum Beispiel alle Wettbewerbsrunden moderieren lassen. Das ist eine gute Art der Vermittlung für das Publikum und sorgt für eine schöne Atmosphäre. Auch bei der Programmgestaltung wird sich einiges ändern, denken Sie nur an die Sonderkonzerte.

In den kommenden Jahren werden Sie das Deutsche Mozartfest in Augsburg leiten. Welche Erfahrungen hoffen Sie aus dem Wettbewerb für diese Aufgabe mitzunehmen?
Der Wettbewerb ist eine gute Möglichkeit, zu erfahren, wie die Klassikszene in Augsburg funktioniert. Wer welche Rolle spielt, wer sich wie einbringt, wie man hier vernünftig auf eine Veranstaltung aufmerksam machen kann oder auch wie verschiedene Konzertformate angenommen werden.

Welche Bedeutung hat für Ihre Arbeit das anstehende Leopold-Mozart-Jubiläum? Am 14. November 1719 wurde er in Augsburg geboren.
Eine sehr große. Klar, wir sind jetzt erst im Jahr 2016, doch in unseren Köpfen spielt 2019 bereits eine sehr, sehr große Rolle. Wir wissen noch nicht ganz genau, was wir machen werden. Uns schwebt eigentlich ein Zusammenschluss von Wettbewerb und Mozartfest vor. Inwieweit das umsetzbar ist, hängt auch davon ab, wie die finanziellen Voraussetzungen sein werden. Und dann wird es natürlich einige Zusatzveranstaltungen geben. Man sollte dabei aber immer im Hinterkopf behalten, dass Leopold Mozart nicht der große Komponist war. Er war in erster Linie Pädagoge, doch in der heutigen Zeit hat man große Chancen, dieses Potenzial zu nutzen.

Die Bayerische Kammerphilharmonie kommt dieses Jahr noch mit einer CD zum Thema auf den Markt. Planen Sie ebenfalls Aufnahmen? Kulturreferent Thomas Weitzel hatte vor einiger Zeit so etwas erwähnt.
Wir planen Aufnahmen und hoffen, dass wir zum Jahr 2019 eine wirklich schöne CD-Box herausbringen können. Da wird der Bayerische Rundfunk groß beteiligt sein. Es gibt tatsächlich Felder bei Leopold, die noch nicht so abgearbeitet sind, unter anderem die kirchenmusikalische Seite. Das ist glaube ich die wertvollste Seite von Leopolds kompositorischem Wirken. Er hat mehrere großartige Messen geschrieben, die würden wir sehr gerne aufnehmen und auch sehr gerne aufführen. Das ist auch insbesondere in Verbindung mit dem kirchenmusikalischen Schaffen von Wolfgang sehr spannend, da gibt es starke Anknüpfungspunkte. Wenn Leopold kompositorisch ganz allgemein auch etwas belächelt wird, im kirchenmusikalischen Bereich kann er durchaus mit dem Sohn mithalten.

Apropos Weitzel. Er ist ja neben seinem Amt in der Stadtregierung auch Präsident der Deutschen Mozartgesellschaft. Welche Rolle ist eigentlich Ihre in der DMG?
In der DMG spiele ich keine Rolle. Noch nicht, vielleicht kommt das noch. Aber die DMG spielt eine große Rolle für mich. Die Zusammenarbeit ist ganz hervorragend.

Ihre Künstler spielen in mehr als fünf verschiedenen Konzertsälen. Welcher davon ist Ihnen der liebste?
Das lässt sich schwer sagen. Persönlich fühle ich mich im Kleinen Goldenen Saal am wohlsten, aber alle Konzertsäle in Augsburg haben ihre Stärken – und leider vor allem auch Schwächen. Es gibt in Augsburg keinen idealen Konzertsaal. Das ist tatsächlich ein Problem.

München bekommt in absehbarer Zeit einen neuen Konzertsaal. Wann könnte das erste Konzert im geplanten neuen Konzertsaal im ehemaligen Postgebäude an der Grottenau stattfinden?
Nicht bevor der Flughafen in Berlin eröffnet ist. Momentan plane ich nicht mit der Grottenau. Ich bin für die Unterstützung durch das Leopold-Mozart-Zentrum sehr dankbar. Aber es ist natürlich absolut wünschenswert, dass wir irgendwann räumliche Voraussetzungen haben, die den Ansprüchen des Mozartbüros und des Leopold-Mozart-Zentrums gerecht werden. Die Gegebenheiten in der Maximilianstraße sind suboptimal, um es einmal sehr freundlich auszudrücken.

Der Internationale Violinwettbewerb Leopold Mozart findet vom 3. bis 14. Mai in Augsburg statt. Alle Infos unter www.leopold-mozart-competition.de

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