Das Mozartfest überzeugte

23. Mai 2018 - 11:12 | Jürgen Kannler

Die Programmauswahl des Mozartfests verzauberte, auch abseits gewohnter Hörstrukturen. Ein Kommentar

Es ist nun einige Jahre her, da haben es sich die für das Thema in der Stadt Verantwortlichen zur Aufgabe gemacht, Augsburg zu einer Mozartstadt zu machen, die den Titel verdient und nicht nur trägt. Nach den letzten Klängen der Großen Messe in c-moll des Meisters Wolfgang Amadeus am 13. Mai in der Basilika St. Ulrich und Afra – sie setzte den Schlusspunkt zum fulminantesten Mozartfest seit dem Jubeljahr 2006 – kann man dem Macher des Festivals und damit des Projekts Mozartstadt Augsburg bestätigen, mehr als nur auf einem guten Weg zu sein. Die Konzerte an den zehn musikalischen Festtagen begeisterten Publikum und Kritik in gleichem Maße. Sie boten Raffinesse, Lebendigkeit und musikalische Leistungen auf hohem internationalen Niveau. Dabei gelang es Mozartbürochef und Festivalleiter Simon Pickel in seinem dritten Augsburger Jahr, das Publikum mit seiner Programmauswahl aufs Neue zu verzaubern, auch abseits gewohnter Hörstrukturen.

Als Beispiel dafür sei der Auftritt des Belcea Quartet genannt. Das Programmheft verriet lediglich, dass Beethovens monumentale Streichquartette op. 130 und 133 zur Aufführung kommen würden. Der Rest des Programms blieb vorab unveröffentlicht. Die Besucher*innen im ausverkauften Kleinen Goldenen Saal ließen sich auf das Experiment ein und wurden mit einer Darbietung des in London beheimateten Ensembles belohnt, die wohl den meisten der Anwesenden noch lange in bester Erinnerung bleiben wird. Zwischen den einzelnen Sätzen präsentierte das Belcea Quartet verschiedenste Werke von Komponisten bis in die Gegenwart, die allesamt in ihrer Arbeit in Bezug zu Beethovens Werk standen und stehen. Diese ebenso kluge wie ansprechende Dramaturgie eröffnete einen Spannungsbogen, der in alle Richtungen bestens funktionierte und den Künstler*innen nach anhaltendem, donnerndem Applaus drei Zugaben abverlangte.

Nun darf man gespannt sein, mit wie viel Verve Augsburg das nächste Festjahr ansteuert. 2019 feiert die internationale Musikwelt nämlich den 300. Geburtstag von Leopold Mozart, dem echten Augsburger.

www.mozartstadt.de

Thema:

Weitere Positionen

27. November 2020 - 11:29 | Patrick Bellgardt

Als Vorstand des BBK Schwaben Nord und Augsburg e.V. ist Norbert Kiening einer der wichtigsten Ansprechpartner für Künstler*innen in unserer Region. Die Große Schwäbische Kunstausstellung betreut er als Organisator und Jurymitglied. Ein Interview

26. November 2020 - 10:53 | Jürgen Kannler

Der Teil-Lockdown geht verschärft in die Verlängerung. Die Stimmung bei den Kulturmacher*innen sinkt in den Keller. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

24. November 2020 - 15:33 | Jürgen Kannler

Die Politik behandelt Kulturschaffende wie lästige Verwandtschaft, die sich aushalten lässt. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

20. November 2020 - 10:40 | Martin Schmidt

Während der Corona-Pandemie gewinnen Stadthallen in der Region eine neue Bedeutung: Ihre Größe und Kapazität erlaubt ein hohes Besuchervolumen bei Einhaltung der notwendigen Distanzregeln. Ein Blick auf die Hallenkultur.

16. November 2020 - 15:48 | Gast

Der Kunstführer »Universität Augsburg. Kunst am Campus.« wurde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Universität in diesem Jahr neu aufgelegt.

13. November 2020 - 9:18 | Martin Schmidt

»Dämonenräumdienst«, der neue Gedichtband von Büchner-Preisträger Marcel Beyer

10. November 2020 - 13:07 | Jürgen Kannler

50 Jahre Universität Augsburg – Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel im Gespräch mit a3kultur-Herausgeber Jürgen Kannler

7. November 2020 - 10:47 | Renate Baumiller-Guggenberger

Eine »Rote Liste 2.0« des Deutschen Kulturrats zählt die durch Corona bedrohten Kulturprojekte auf. Der Bayerischen Kammerphilharmonie mit Sitz in Augsburg wird die »Kategorie 2« attestiert: »gefährdet«. Auch in Augsburg beteiligten sich Kulturschaffende an der Online-Aktion #sangundklanglos. Ein Kommentar

7. November 2020 - 8:27 | Gudrun Glock

a3regional-Buchtipp: »Apfelküche« von Madeleine und Florian Ankner

6. November 2020 - 7:05 | Martin Schmidt

Am 6. November 2020 feiert Rose Maier Haid ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin prägt mit ihren Aktionen, Veranstaltungen und Ideen seit 37 Jahren das kulturelle Leben der Stadt Friedberg. Ein Blick auf Tun und Werk einer Kunstbotschafterin in und für Friedberg.