Mozarts Singspiel der Wirrungen

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8. Dezember 2018 - 14:18 | Bettina Kohlen

Drei Damen in Blaumann sitzen in einem engen Technikraum und stricken emsig an einer gewaltigen Schlange. So geht es los mit der Zauberflöte, dem Opern-Dauerbrenner, den das Staatstheater Augsburg jetzt zeigt.

Die Zauberflöte? Mozart, kennt man doch. Allerdings wird es den meisten von uns schwerfallen, zu erklären, worum es da geht. Die Handlungssprünge des wunderlichen Zauberspiels sind eben nicht unbedingt nachvollziehbar. Im Kern haben wir jedoch eine Heldenreise, an deren Ende sich zwei Paare finden. Die bleibenden Unklarheiten von gut und böse, wahr und falsch nimmt Andrea Schwalbach in ihrer Inszenierung auf: Sie setzt auf ein Guckkasten-Kaleidoskop von Szenen und Räumen, die gar nicht erst versuchen, sich zu einer kohärenten Geschichte zu fügen (was auch der Bühne im Martinpark sehr entgegenkommt). Die Akteur*innen bürstet sie gegen den Strich: Die Königin der Nacht hängt puppengleich gefangen zwischen Stricken – eine mechanische Konstruktion, gelenkt von Sarastro, dem leicht dubiosen Hohepriester einer Wanderbühne, die wohl ihre besten Zeiten hinter sich hat. Tamino, keineswegs ein Traumprinz, entbrennt für Pamina angesichts eines Bildes in einer kleinen Glaskugel, Papageno, keineswegs ein dummer August, findet seine Papagena gar direkt in einer Kugel. Monostatos, der mehr als ein Auge auf Pamina wirft, ist nicht wirklich der Böse, eher ganz sympathisch. Die drei Damen wissen was sie wollen, nämlich den Tamino und die drei Knaben mühen sich tapfer, den Weg zu weisen, sind aber Marionetten an Fäden. Alles kann hinterfragt werden und vielleicht ist doch alles nur Theater… Geredet wird freundlicherweise wenig, und wenn, dann wird es babylonisch: jeder in seiner Muttersprache.

Lancelot Fuhry geht mit den Philharmonikern die Sache rasch und knackig an, zu Beginn gibt er vielleicht etwas reichlich Gas, doch die teils auf alten Instrumente spielenden Musiker bieten eine gelungene Sache mit sachlichem Ton. Solist*innen und Chor leisten Beachtliches, ziemlich blass bleibt jedoch Roman Poboinyi als Tamino. Wiard Witholt bringt mit Gesang und Spiel den Papageno herzhaft und pragmatisch rüber, ideal besetzt. Sarastro wurde in der Premiere von Guido Jentjens gesungen: klar und ruhig, mit immanenter Weisheit. Thaisen Rusch lässt Monostatos eine gewisse klare Leichtigkeit zukommen, gut gelöst. Ein großes Erlebnis sind aber die Damen, nicht nur die drei, die von Sally du Randt, Kate Allen und Natalya Boeva verkörpert werden. Richtig schade, dass Sandra Schütt als Papagena nur kurz präsent ist. Jihyun Cecilia Lee ist eine wunderbare Pamina, Klarheit und Wärme gut ausbalancierend. Und schließlich Olena Sloia als Königin der Nacht: das war grandios und makellos.

Die Inszenierung der Zauberflöte ist überall und immer wieder eine Herausforderung, über den richtigen Weg und das Gelingen lässt sich trefflich streiten. So bleibt auch bei dieser Augsburger Inszenierung sicher einiges offen, sie wirkt nicht ganz rund. Ja, aber: Das wunderbare Ensemble macht alles wieder gut.

www.staatstheater-augsburg.de

Die nächsten Vorstellungen am 9., 14., 22. Dezember

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