Muckimucke & musiqueunique

4. Dezember 2015 - 8:23 | Martin Schmidt

Und wieder: Weihnachten erscheint unumgänglich, der ein oder andere Konzertgang aber auch. Es schneit EBM-Shanty, Punk und Ska

Viele Türchen hat der Adventskalender. Aus dreien von ihnen poppen raus: Extreme-Popeye Rummelsnuff (Kraftgewinn durch derben Strom), eine gute Ladung Punk (fünf Jahre fabrik unique) und eine weihnachtliche E-Ska-Lation. So sieht es aus im Dezember:

Am Freitag, 11. Dezember, beehrt Rummelsnuff das Soho. Rummelsnuff ist ein Dunkelschunkel-Muskelberg, eine räudige Kreuzung aus Rammstein, Meister Propper und tiefer gelegtem Hans Albers. Er selbst nennt seine Stilrichtung »derbe Strommusik« oder Elektropunk-Gassenhauer, EBM-Shanty meets modernes Arbeiterlied trifft es aber auch ganz gut. Der klassisch ausgebildete Fagottist arbeitete als Bodybuilder-Trainer und Türsteher (im Berliner Berghain) – und macht heute in etwa dasselbe, nur in Musik. »Kraftgewinn« heißt sein neues Album und im Gepäck hat der Käpten als musikalischen Sidekick Maat Asbach. Das könnte ein Spaß im Soho werden, schräg, mit hohen Schauwerten – eine Art elektro-schlageresques Hanteltraining zum Hören. Kann das muskelschwache Fuggerstädtchen mal gebrauchen.

Schon mal den Film »Coraline« geschaut? Die elfjährige Coraline wohnt in einem rosafarbenen Haus, dem sogenannten Pink Palace, und es ist logisch wie Kloßbrühe, dass das fleischfarbene Haus eine Metapher für die Psyche und den Körper des Menschen an sich ist. Im obersten Stockwerk des Hauses wohnt der schillernde Akrobat Mr. Bobinsky und trainiert dort einen Springmäusezirkus und im untersten Stockwerk, wie im Unterbewusstsein, wohnen die durchgeknallten Varieté-Künstlerinnen Miss Spink und Miss Forcible.

Im Gebäude der Ballonfabrik in der Austraße 27 verhält es sich ganz ähnlich: Oben befinden sich die Redaktionsräume von a3kultur, wo der schillernde Akrobat Jürgen Kannlerinsky einen Springmäusezirkus trainiert, und unten befinden sich die durchgeknallten Varieté-Künstler der fabrik unique. Und genau hier schauen wir jetzt hin: Denn das selbstverwaltete Kulturzentrum fabrik unique feiert jetzt im Dezember sein Fünfjähriges! Vom gemeinnützigen Verein AWAKA komplett ehrenamtlich betrieben, ist die fabrik unique ein heroischer Garant für aufrechte, nicht kommerzielle Subkultur – ein aus Punk geschmiedeter Stachel im Fleisch von Augsburger CSU-Pop und subventionierter Corporate-Jugendkultur. Sehr gesund, das Ganze, und sehr gut. The Punk Palace! Oder, in Rummelsnuff-Sprech: der Punkmuskel der Stadt.

Die fabrik unique – die meisten, ich gehöre dazu, nennen sie immer noch verkürzt einfach Ballonfabrik – feiert ihr Jubiläum jetzt am Samstag, 5. Dezember (ab 20 Uhr), mit der Ballonfabrik-Birthday-Bambule. Konzis gehämmertes Motto: fünf Jahre, fünf Bands. Es spielen Spicy Roots (Ska/ Schwieberdingen), Bums (Deutschpunk/Eislingen), Spika in Snüzz (Punkrock/München), 95-C (Melodic Punkcore/Frankreich) und Kill Valmer (Punkrock und auch noch Schabernack/Stuttgart). Na also: Die fabrique unique bleibt, in Rummelsnuff-Sprech auf den Punkt gebracht, der Punkmuskel der Stadt.

Und, zum Schluss: der Mischpult-Adventskalender hat noch ein 26. Türchen. Nämlich das X-Mas Skafest am Samstag, 26. Dezember, in der Musikkantine. Zu Gast sind das Ska-Legenden-Oktett Skaos aus Krumbach und das Aichacher neunzylindrige Ska-Pop-Punk-Gefährt The Sensational Skydrunk Heartbeat Orchestra. Da kann man bouncen, zappeln und springen, damit’s ned kalt wird.

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