Nanu Nena? Din Daa Daa? Posh!

4. März 2016 - 8:12 | Martin Schmidt

Get into the rhythm, März: Percussion-Klangwelten, Philipp Boa und Minimal Techno. Und all das im Schatten von Nena unterm Christbaum-to-come.

Kaum hat 2016 begonnen, rieseln schon die ersten Pressemitteilungen in den Denkspalt des Augsburger Medientrichters: NDW-Legende Nena kommt! In den Kongress am Park. Ist aber noch hin. 28. Dezember 2016. Aber sie kommt. In die Fuggerstadt. Und singt!

Das ist also 2016: 100 Jahre Dada, vielleicht sogar 100 Jahre Nena, ganz sicher aber 34 Jahre Trios »Da Da Da«. Und damit sind wir direkt beim Thema: »Din Daa Daa, Doe Doe Doe. Bah! Bump Bump Bump Bump Bay Doe. D’Doom Da Doom Doom Doom Doom Doom Doom Blah! Rrratatatatdadadadoom.« Diese denkwürdigen Zeilen stammen von George Kranz (der dieses Jahr 60 wird) – aus seinem legendärem Song »Din Daa Daa (Trommeltanz)« (1983), wo er aus der verbalen Imitation von Schlagzeuggeräuschen einen Rhythmo-Text zaubert.

Und so ist es großartig, dass der Tonkünstlerverband Augsburg-Schwaben das Index 4 Percussion Quartett ins Kulturhaus abraxas holt. Die vier Ensemblemitglieder Yuko Saito, Stefan Gimpel, Leander Kaiser und Christopher Fellinger leben alle als Musiker im Großraum München. In größtenteils eigenen Kompositionen holen sie ein klopfendes, pulsierendes Rhythmus-Tier auf die Live-Bühne, das man gerne streicheln und füttern möchte.

Mit archaischen Rhythmen, dynamischem Trommelfeuer, meditativen Lauschklängen, afrikanischem Trommeltanz, experimentellen Kom­positionen und perkussiv-melodischen Stücken, die an Minimal Music erinnern, mäandert der Rhythmus-Vierer zwischen publikumsaffinem Spektakel und fordernder Klangmeditation, zwischen anspruchsvoller Neuer Musik und verspieltem Experiment. Zum Solo- und Quartetteinsatz kommen unter anderem Tomtoms, Mallet, Marimba und sogar Body Percussion.

Der polnische Pianist und Chopin-Interpret Artur Rubinstein meinte ein Abnehmen des Rhythmischen in der Musik zu bemerken und deutete dies als Verfall der Musikkunst. Das Konzert »Percussion-Klangwelten« am Samstag, 19. März, 20 Uhr, im Kulturhaus abraxas ist eine direkte, vitale Gegenantwort darauf. Ein Abend, der sich sowohl für den Pop- und Rockhörer wie auch den aufgeschlossenen Klassik- oder Jazzhörer lohnt. Because they are all slaves to the rhythm.

Boah Boa Nana Nena

Was Artur Rubinstein wohl zur »Ü30 Exklusiv«-Party in der City-Galerie Augsburg am Samstag, 12. März, gesagt hätte? Der Kolumnist würde es sehr, sehr gerne wissen. Vor allem weil Rubinstein ja auch »Ü30« ist, eigentlich ja sogar schon tot, was ja aber auch schon wieder dasselbe ist. Verstorben übrigens 1982, im Jahr, als Nenas erste Single »Nur geträumt« erschien.

Jedenfalls wird in der Shopping Mall von 21 bis 4 Uhr eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt: Bis 20 Uhr shoppen, ab 21 Uhr tanzen, auf so was muss man ja auch erst mal kommen, und immerhin erschleicht sich die »größte und exklusivste Ü30 Party Süddeutschlands« damit wertvolle Zeilen in dieser stets etwas zu neugierigen Kolumne.

Aber auch zum bizarren Shopping-Mall-Schwoof findet ein schmucker Gegenentwurf statt: die Inbase Remember Night in der Kantine am Samstag, 5. März. Eine Art Ü30-Party in Gut, denn mit Tanzschweiß aus dem Mittdreißiger-, Mittvierziger- oder Mittfünfziger-Leib zollt man hier dem legendären Augsburger Indie- und Waveclub der 80er und 90er Tribut, dem Inbase. Bis 20 Uhr joggen, ab 22:30 Uhr tanzen. Mit Classics aus Wave, Indie und EBM. Dem Ganzen setzt vorher ein legendärer Indie-Pionier die Krone auf: Phillip Boa beehrt mit seinem Voodooclub die Fuggerstadt. Ein Kulthit-Autor (»Container Love«, »And then she kissed her«, …), der bis heute konstant markante Alben abliefert und tourt. Vorgruppe: Emily’s Giant (Folk/Punk/Blues), Beginn 20 Uhr, Inbase-Party ab ca. 22:30 Uhr.

Butta butta da posh posh

Zitat aus dem Presseinfo zur neuen Nena-Platte »Oldschool«, produziert von Samy Deluxe: »Wenn Nena morgens um 6 aufsteht, um mit ihren Hunden in den Wald zu gehen, geht Samy oft gerade erst ins Bett.« Party also! Party, Party. Gute Gelegenheit hierzu: A.N.A.L. mit Minimal Techno am Sonntag, 27. März, in der Kantine (ab 23 Uhr). Eigentlich ein Showcase der Booking-Mannen New Stylez, unterstützt von Toni Thorn und Five AM (Techno/Minimal/Tech-House).

Den Namen A.N.A.L (»Alles nur aus Liebe«) kann man doof finden, der junge Mann sportet aber Minimal Techno mit unverwechselbarem Wiedererkennungswert – Sprachsamples und ungewöhnliche Intros hauen bizarre Spannung in die Sets. Oder, um mit dem zu Anfang erwähnten Georg Kranz zu schließen: »Butta! Butta! Butta! Butta! Bound Da Bound Bound. Posh! Posh! Posh! Posh!«. So ist es gut.

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