Neue Musik

19. Mai 2016 - 8:54 | Sarvara Urunova

Musik der Gegenwart gewinnt in unserer Region mit immer mehr neuen Projekten an Format. a3kultur stellt Ihnen einige davon vor.

Den Weg des Neuen zu beschreiten ist nicht immer einfach. Das Unbekannte wird oft von Skepsis, Desinteresse und Zweifeln begleitet. Gleichzeitig bietet das Neue die Chance, die davon unbenommene Entwicklung als größte Erfüllung zu erleben, vorausgesetzt, es wird dabei so viel Mut aufgebracht, die Gegenwart in ihrer ganzen Vielseitigkeit wahrzunehmen. Die zeitgenössische Bewegung der Neuen Musik, geprägt von Begriffen wie Komplexität, Experiment, Vielfalt, Expansion, spiegelt diese Ambivalenz wie kaum eine andere musikalische Stilrichtung wider.

Als das Projekt »Mehr Musik!« 2008 in Augsburg startete, wusste niemand, wohin der Weg führen würde. Ein Mehr an Neuer Musik sollte es im Rahmen eines bundesweiten Förderprogramms geben, mit dem Ziel, die so oft nicht verstandene Musik der Gegenwart von ihrem eher untergeordneten Rang heraus als ein Erlebnis für alle Sinne für das breite Publikum zu etablieren.
Geleitet von der Allrounderin Ute Legner bot das »Mehr Musik!«-Projekt eine Plattform für alle musikalisch Aufgeschlossenen an, die an der Entwicklung der Neuen Musik unmittelbar teilhaben und im regen Austausch dazu beitragen konnten, Musik als eine persönliche Erfahrung erstehen zu lassen. So entstand ein breites Netzwerk von Interessenten, Musikern, Kuratoren, das nicht nur mit qualitativ anspruchsvollen und hochinteressanten Konzerten Anklang fand, sondern auch in unzähligen Schul- und Sonderprojekten in der Vermittlung der Neuen Musik an die jüngere Generation eine sehr wichtige Rolle spielte. Nach dem Ende des Förderzeitraums durch die Kulturstiftung des Bundes im Jahr 2011 lebt das Projekt zumindest in Augsburg weiter, finanziert von der Stadt Augsburg, der Stadtsparkasse Augsburg und Mitteln aus dem Kulturfonds Bayern.

Von Beginn an war das Leopold-Mozart-Zentrum einer der wichtigsten Kooperationspartner des Augsburger Projekts zur Neuen Musik. Aus dieser Kooperation entstand im Jahr 2009 das »Mehr Musik! Ensemble« (Foto: Frauke Wichmann), das von Iris Lichtinger geleitet wird und sich ausschließlich dem Repertoire der Neuen Musik widmet. Mit seinem Mut zum Experimentieren geht das Ensemble ungewöhnliche Wege in der Erarbeitung der zeitgenössischen Kammerwerke, ein starker Fokus liegt dabei auf der Entwicklung und Realisierung unkonventioneller Konzepte der Konzertdramaturgie und Präsentation. Für Anerkennung sorgten zahlreiche öffentliche Auftritte bei den Projekten »sounding D« oder »Klang der Stadt«, beim Mozartfest und beim Brechtfestival sowie beim 1. Festival für Improvisierte Musik. Zu den großen Erfolgen der Formation zählen auch Uraufführungen wie die der »Stummfilmmusiken« des vielfach ausgezeichneten Komponisten Volker Nickel sowie der konzertanten Kammeroper »Ficusarien« von Friedrich Stockmeier, der sich durch das Ensemble zu dem Werk inspirieren ließ.

Eine weitere Konzertreihe auf diesem Gebiet entstand unter dem Titel »ZukunftIsIMusik« auf die Initiative des Cellisten der Augsburger Philharmoniker Johannes Gutfleisch. Schon bald war die Reihe aus dem Augsburger Konzertkalender nicht mehr wegzudenken. Zuletzt war das Ensemble mit dem visionären Werk »In Vain« von Georg Friedrich Haas auf der Brechtbühne zu hören.Gutfleisch ist auch Motor des neuen Leopold Mozart Quartett, das zurzeit mit ersten Auftritten von sich hören macht.

Zu den wichtigsten Eigenschaften der Neuen Musik neben Experimentieren und Erneuerung zählt die Auseinandersetzung mit den traditionellen musikalischen Formen und Gattungen der früheren Epochen. In Augsburg bringt dieses Merkmal am besten das Ensemble Progetto Seicento zum Ausdruck, indem es historische Aufführungspraxis mit kühnen Arrangements und lebendiger Performance der Gegenwartsmusik vereint.

»Jetzt: Musik! Augsburger Gesellschaft für Neue Musik« kam als neue Plattform, die in einem neuen Format die Entwicklung dieser Kunstform unterstützen sollte, im Jahr 2012 hinzu. Neben Stefan Schulzki, Wolfram Oettl, Sebastian Hausl, Christian Z. Müller und Harald Lillmeyer treten auch hier Iris Lichtinger und Ute Legner als Initiatorinnen auf. Dem Mut der Hauptprotagonisten der Szene zu neuen Ideen ist es zu verdanken, dass die Ausbreitung der Neuen Musik in der Stadt einen unaufhörlichen Lauf nimmt und als Katalysator und Inspiration für alle dient, die die Vielfalt der Gegenwart nicht scheuen.

Highlights der Neuen Musik in Augsburg bis Oktober:
12.06. Kleiner Goldener Saal – Jetzt Musik! Folksongs 17:00
17.07. Viermetzhof – Progetto Seicento BLU(E) 18:00
20.07. Kreuzgang des Diözesanmuseums – Mehr Musik! Ensemble Herz aus Stein, Herz aus Fleisch (im Rahmen des Friedensfestes) 20:00
07./08.10. Werkstattgalerie Krüggling – 2. Festival für Improvisierte Musik Augsburg

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