Neue Tapeten und Popraketen

Mischpult
28. März 2015 - 9:29 | Martin Schmidt

Zweimal 1978: Diesen Monat geben sich die Postpunk-Ikone The Monochrome Set und Augsburgs Pop-Lichtgestalt Oliver Gottwald die Ehre

Das will der Zufall, und er will es gut: Die Überflieger-Acts des Monats April kommen beide aus dem Hause des Tapete-Labels: Oliver Gottwald (klar: Augsburg) und The Monochrome Set (logisch: London). Popgeschichte generationenübergreifend – talking ’bout our tsch-tsch-tschäneräischen!

Andy Warhol soll sie als seine Lieblingsband bezeichnet haben: Die legendären The Monochrome Set spielen am Samstag, 11. April, im City Club in Augsburg. Karten sichern, es wird das einzige Konzert in Bayern sein. 1978 gegründet, gebaren die Kunststudenten von The Monochrome Set den großen Postpunk-Knall mit, der auf das Knusprigste zentraler Bezugspunkt für Bands wie Franz Ferdinand oder The Strokes wurde. Der Legende nach entdeckte Johnny Marr eine Single von The Monochrome Set in der Sammlung von Morrissey, was für die Gründung der legendären The Smiths grünes Licht gab.

The Monochrome Set – das ist ein Nouvelle-Vague-Film aus 60ies-Gitarren, Mädchen in Miniröcken und Jean-Paul Belmondo in der Cocktailbar. Das brandaktuelle zwölfte Studioalbum »Spaces Everywhere« hat knackigen Drive – ein apartes Tanzmonster aus 60ies-Beat-Pop, Calypso-Psychedelic, unverzerrten Gitarren, Banjos, Hammondorgel, weiblichen Backing Vocals und sogar Flöten (hallo, Louis de Funes!). Und noch mal was Interessantes: In der Vorgängerband von The Monochrome Set, The B-Sides, spielte einst Adam Ant mit. Mit den monochromen Legenden fährt im City Club also eine große Limousine vor – plus Special Guest und der anschließenden fulminanten Party von »Going Underground« mit ihrem tanzbaren Indie-Pop-60ies-Postpunk-Mix.

The boy is back in town

So, und jetzt von Postpunk zu Postanajo: Oliver Gottwald wurde im Gründungsjahr von The Monochrome Set geboren – wohl kein schlechtes Omen – und wird mit seinem Auftritt gleichermaßen die Fuggerstadt aufmischen. Nachdem der nun auf Solopfaden musizierende Sänger der Augsburger Indie-Pop-Exportband No. 1 Anajo sein Album »Zurück als Tourist« bereits im Dezember letzten Jahres im City Club vorgestellt hat, führt ihn nun die reguläre Tour zum goldenen Weekend-Termin am Samstag, 11. April, in die Kantine. The boy is back in (his) town!

Aus den »Europaletten«, die sich einst im Anajo-Song »Die Sonne über Haunstetten« noch auf »Haunstetten« reimten, sind inzwischen längst glamouröse Pailletten geworden. »Zurück als Tourist« ist ein großartig produziertes Album, mit cleveren Song- und Textideen und smartem Indie-Schlager mit Beat-Einflüssen. Support ist übrigens Valo, eine Augsburger Band mit deutsch-finnischen Texten. Ach so, und das noch zum Veranstaltungsort selbst: Die Kantine hat – nach den Schwierigkeiten mit der alten – eine neue Homepage. Und die läuft auch schöner auf Smartphones und Tablets.
www.musikkantine.de

»femme jam«, Provino & Kompass-Festival

Als hätte das Augsburger Büro für Popkultur die diesjährige Reunion der Rrriot-Girl-Legende Sleater-Kinney vorausgeahnt: Für 2015 ruft das Büro den »femme jam« ins Leben – ein Forum für Musikerinnen aus dem Bereich der – richtig! – Popmusik. Angesprochen sind alle aus Augsburg und der Region – ob Pop, Rock, Hip-Hop oder Punk, ist egal. »Bei Wettbewerben, beim Pop-Preis Roy und auf den musikalischen Bühnen der Stadt stellen Frauen an Gitarre, Schlagzeug und Bass immer noch eine Minderheit dar«, heißt in der Beschreibung des Netzwerkprojekts, das sich in zwei Phasen aufteilt: Im ersten Halbjahr bleiben die Musikerinnen unter sich, ab September gibt es dann einen monatlichen öffentlichen Jam vor Publikum. Der »femme jam« findet einmal monatlich immer an einem Donnerstag im City Club statt (bis zu 20 Teilnehmerinnen). Nächster Termin ist 16. April, dann 21. Mai, 18. Juni und 16. Juli – jeweils 18 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos, Info und Anmeldung beim Büro für Popkultur, Tel. 0821 – 324-3253.

Und auch das sind News: Das Provino konnte am 27. März endlich seine Gaststättenerlaubnis feiern (immer noch aktuell: die Youtube-Reihe »Augsburger Kegelbahnkonzerte«) und kann nun zum ersten Konzert einladen: Am Samstag, 18. April, spielen die Kölner Indie-Popper Locas in Love. Auch neu ist das geplante Kompass-Festival für Tanz, Theater und Kultur, das vom 22. bis 24. Mai am Augsburger Autobahnsee stattfinden soll. Noch bis Samstag, 4. April, läuft hier ein Crowdfunding. Infos zum Festival und Gelegenheit zum Support gibt es unter www.startnext.com/kompass2015.

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