Nicht in meinem Namen!

29. April 2019 - 14:02 | Renate Baumiller-Guggenberger

Der Chansonnier und Klavierkabarettist Bodo Wartke begeistert im ausverkauften Kongress am Park in allen Tonlagen.

Das »Wow«-Gefühl nach drei Stunden mit Bodo Wartke, dem kultvierten Kavalier am virtuos gespielten Klavier sitzt tief und wirkt lange nach. Der Dank, den der 41-jährige Chansonnier an einer Stelle ans Publikum richtete, weil es ihm seinen Beruf zum Vergnügen macht, beruht definitiv auf Gegenseitigkeit. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen ihn »auf Arbeit besuchen kommen«, wie er am Ende mit dem typischen Augenzwinkern anmerkte. Ganz ohne die übliche Hektik verließ ein auffallend gemischtes, auf sehr hohem Niveau unterhaltenes Publikum in emotionaler Hochstimmung die ausverkaufte Kongresshalle. Viele machten wie in der Pause auch nach dem Konzert noch einmal ausgiebig Station am Merchandising-Stand, um sich mit CDs, Büchern oder der jüngst erschienenen Doppel-DVD »Bei dir heute Nacht« einzudecken – ein echter Konzertfilm übrigens, auf den Wartke mächtig stolz ist und das nicht nur, weil er von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) mit dem Prädikat wertvoll gekürt wurde. Ohnehin scheint er unermüdlich produktiv: Mehrfach empfahl er dem Augsburger Publikum die Fahrt ins Münchner Prinzregententheater, wo er am 29. Mai mit dem Stück »Antigone« die Fortsetzung seines »König Ödipus« präsentiert. Vielleicht waren es sogar die aus Fernsehauftritten bekannten Zugaben, mit denen Bodo Wartke seinem bis aufs letzte i-Tüpfelchen ausgefeilten Bühnenprogramm im Wohnzimmerambiente die Krone aufsetzte.

Gemeinsam mit seinem »bezauberndem Spezialgast«, der tänzerisch-mimisch starken Bühnenpartnerin Melanie Haupt, riss der Silbenkünstler mit einer textlich und musikalisch sensationellen Crossover-Adaption des Zauberflöten-Duetts »Papageno-Papagena!« die Zuschauer von den Stühlen. Nicht minder geistreich ergoss sich die Liebesklärung »Quand meme je t’aime« in erotisch-lasziven Posen auf den Flügel, um am Ende natürlich doch ins Leere zu laufen. Überhaupt scheint Bodo Wartke seine dichterische Inspiration aus diversen leid-und schmerzvollen Erinnerungen und Erfahrungen mit Ex- oder Beinahe-Beziehungen zu schöpfen, sofern sie nicht als sehr witzige, aber körperlich kräftezehrende »Menage á trois« enden. Mit wahrer »Liebe zum Beruf« zauberte Wartke, der nach zehn Semestern Musikstudium an der UDK in Berlin (Hauptfach Klavier, Nebenfach Gesang) auf eine sehr erfolgreiche 20-jährige Bühnenlaufbahn zurückblickt, seine unfassbar originell gereimtem Episoden auf die Tastatur. Erdreistete er sich doch glatt in der einzigen deutschen Mozartstadt, die Rachearie der Königin der Nacht samt Rest-Libretto aus Schikaneders Feder zu verunglimpfen, nicht ohne eine plausible Alternative anzubieten. Aber Wartke kann eben auch anders: Neben Poesie und Melancholie samt der feinen Brise Ironie, von denen seine komplexen Lieder leben, behaupteten sich auch Protestsongs wie »Nicht in meinem Namen«, mit denen er sich wort- und haltungsstark einmischt in den ganz realen Wahnsinn der von Religionskriegen motivierten Weltkrisen.

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