Das nötige Blut am Hammer

soulfly
31. Juli 2015 - 7:34 | Martin Schmidt

Kurz vor dem Friedensfest zerhackstücken die Groove-Metal-Trasher Soulfly beherzt die Fuggerstadt. Im City Club haut Hardcore-Industrial Drum & Bass in dieselbe Kerbe.

Eine Stadt, in der das Renitenteste die Fahrradfahrer sind, kann etwas Gitarrenbreitseite gebrauchen. Max Cavalera, Ex-Frontmann der Tribal-Trash-Legende Sepultura, kommt eine Woche vor dem Release des neuen Albums »Archangel« mit seiner etablierten Prügeltruppe Soulfly nach Augsburg. Einen Abend später untersuchen die Brutalelektroniker The Panacea und Alltag & Conion die Akustik des City Clubs.

Max Cavalera, Dreads-geschmücktes Brutal-Steak und Fleisch gewordener Rockfabrik-Samstag aus Brasilien, wird zwei Tage vorher seinen 47. Geburtstag gefeiert haben, wenn Soulfly am Donnerstag, 6. August, im Flammensaal der Musikkantine spielen werden. Solch hohes Alter feiern darf er auch, denn er hat Musikgeschichte geschrieben: 1984 gründete er in Belo Horizonte in Brasilien die Über-Über-Band Sepultura. Durch diese Namensgebung hat Brasilien mit Augsburg übrigens die große kulturelle Bedeutung des Namens »Grab« gemeinsam. Cavalera, der letztes Jahr seine Biografie veröffentlicht hat, spielt ausschließlich eine viersaitige Gitarre, denn die hohen H- und E-Saiten sind ihm scheißegal. Wir brauchen Bass, mehr Bass, und Powerriffs und Growls. Soulfly (heute in den USA ansässig) werden Augsburg nach Churrascaria-Art grillen, das wird sicher sein. »So gehn die Gauchos, die Gauchos, die gehn so!« Ha!

Denn: Cavalera ist erwählter Stammesführer einer ganze Generation von Fans – von den gnadenlosen Slums Südamerikas bis in die kältesten Tiefen Russlands: Er ist ihr Sprecher. Überall, wo sich Menschen mit Entrechtung und Unterdrückung konfrontiert finden, dienen ihnen die Songs von Soulfly als Hymen. Im Support-Gepäck haben Soulfly übrigens Black Tusk (Swamp Metal/Sludge aus den USA) und Born from Pain (Metal/Hardcore aus Essen und Holland). Wussten Sie eigentlich, dass Brasilien über 200 Millionen Einwohner hat, Lechhausen aber nur 33.000? Mehr zu diesem Thema am 6. August auf der Flammensaal-Bühne in der Musikkantine, wo es dann wieder heißen wird: »Aaaaaaaaooooorghhhhhhhhhhaahhhahhhooorgghh!!!!«

Am schnieken Königsplatz, im töften City Club, packen The Panacea und Alltag & Conion die Elektrokeule aus: ultrahart, hochintelligent, kaputt, verweigernd und dabei noch tanzbar. Lokaltermin: Freitag, 7. August, ab 23:30 Uhr. Hinter The Panacea steckt Drum-’n’-Bass-Produzent und -DJ Mathis Mootz, er verbratzt Drum’n’Bass mit Einflüssen aus Hardcore-Techno, Noise und Industrial. Einst – das ist wahr, denn es steht ja auf Wikipedia – sang er Sopran im Windsbacher Knabenchor. Und jetzt macht er so was! Das führte ihn immerhin auf das Sub-Label Position Chrome des Kult-Labels Mille Plateaux. Auch schon irgendwie alles der Wahnsinn. Unterstützt wird das Ganze durch einen Power-Slot des Augsburger Brahtzlwahtzl!-Projekts Alltag & Conion, das Minimal, Techno und Drum’n’Bass zu einem neuro-elektronischen Tanzeisen zusammenschmiedet. Wussten Sie eigentlich, dass Gabber-Techno über 200 Beats per Minute hat, das Herz eines gemeinen Augsburgers aber nur 70 bis 80? Viele werden wieder sagen: Ich habs gewusst, aber es ist trotzdem gut, diese Kolumne wieder gelesen zu haben.

Foto: Wenn du ein gutes Steak möchtest, kauf es beim Brasilianer. Die Groove-Metal-Thrasher Soulfly mit Ex-Sepultura-Frontmann Max Cavalera zeigen am 6. August in der Musikkantine, wo der Bartl die Axt holt.

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